
Aus dem „Titelschutzjournal“.
[eingesandt von Martin K.]
Medienjournalist

Ulfkottes Danksagung an den BND und die Welt in seinem Buch „Verschlusssache BND“, 1997
Zu den aufregendsten Geschichten, die Udo Ulfkotte in seinem vor Fehlern strotzenden Bestseller „Gekaufte Journalisten“ erzählt, gehört die, wie zwei Schlapphüte vom Bundesnachrichtendienst bei der FAZ in einem Besucherraum saßen und ihm seine Artikel diktierten. „Absatz für Absatz“ hätten sie ihm 1993 weitgehend vorgegeben, was er über eine Giftgasfabrik in Libyen schreiben sollte, bei deren Bau europäische Unternehmen halfen. „Der BND machte das damals, mit Wissen deutscher Medienhäuser, nach Angaben seiner Mitarbeiter bei vielen Zeitungen so“, behauptet Ulfkotte.
Ich habe Zweifel daran, dass das so war, selbst im Fall von Ulfkotte. Denn Ulfkotte hat über diese BND-Connection selbst vor Jahren schon geschrieben, den Fall damals aber in entscheidenden Details anders dargestellt.
Im Jahr 2006 hatte Ulfkotte die FAZ längst verlassen. Er arbeitete als „Chefkorrespondent“ bei der Zeitschrift „Park Avenue“, einem kurzlebigen Versuch des Verlages Gruner+Jahr, eine Art „Vanity Fair“ zu machen. In der Ausgabe 07/2006 veröffentlichte er unter der Überschrift „Liebesgrüße aus Pullach“ einen langen Artikel darüber, wie der BND angeblich versuchte, ihn anzuwerben, und dann seine Naivität ausnutzte und ihn als Sprachrohr benutzte. Die über zwei Seiten lange Schilderung, wie die erste Kontaktaufnahme geschah, hat Ulfkotte Wort für Wort, nur mit winzigsten Änderungen, aus diesem Zeitschriftenartikel in sein Buch übernommen.
In dem acht Jahre alten „Park Avenue“-Stück kommt auch die Episode mit dem Artikel über die Giftgasfabrik vor. Aber es ist keine Rede davon, dass ihn die BND-Leute für ihn formuliert hatten, womöglich gar in der Redaktion sitzend. Ulfkotte schreibt stattdessen:
Ich wurde von BND-Leuten über alle Details dieser 1993 im Bau befindlichen Anlage informiert und schrieb dazu in der FAZ.
Er habe mangels eigener Kenntnisse ungeprüft exklusive Nachrichten veröffentlicht, „die der BND offenbar — im Nachhinein muss ich es so sehen — lanciert hatte, damit sie bemerkt würden“.
2006 schildert Ulfkotte es also so, dass er erst rückblickend gemerkt habe, dass der BND über ihn Nachrichten lanciert habe. 2014 behauptet er, die Texte seien ihm Absatz für Absatz diktiert worden.
Auch die Rolle, die die FAZ in diesem Spiel einnimmt, beschreibt Ulfkotte heute plötzlich ganz anders als damals. In der Darstellung in seinem aktuellen Buch ist die FAZ ein skrupelloses, korruptes Unternehmen, das ihn in die Arme des Geheimdienstes trieb und sogar mit Entlassung drohte, wenn er sich weigere, zum willenlosen Sprachrohr der Dienste zu werden:
Die FAZ ermunterte mich ausdrücklich dazu, den Kontakt zu westlichen Geheimdiensten zu verstärken und freute sich, wenn ich die mitunter von dort zumindest in Stichworten vorformulierten Berichte mit meinem Namen versah. (…)
Man war bei der FAZ richtig stolz darauf, dass man gute Kontakte zu „Geheimdienstkreisen“ hatte. (…) Ich habe daran zwar freiwillig mitgewirkt, aber mir wurde auch mitgeteilt, dass ich entlassen werden könne, wenn ich da nicht mitmache.
Vor acht Jahren schilderte er das noch ganz anders. Damals war die FAZ noch in der Rolle des besorgten Arbeitgebers, der vor zuviel Nähe warnt. Im Zusammenhang mit den Kontakten zum BND, der Ulfkotte bei einem Besuch in München angeblich die Möglichkeit zu einer vertraulichen Verbindung schuf, schrieb er:
Natürlich hatte ich die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über alle Vorgänge unterrichtet. Der Kontakt war erwünscht, die Skepsis groß. Reisen und Gespräche durften nur mit Dienstreiseantrag und auf Kosten der FAZ unternommen werden. Eine weise Entscheidung.
Ulfkotte beschrieb sich selbst damals als unendlich naiv:
Ich hatte zu wenige Kontakte, die mir geholfen hätten, das vom BND Gehörte — es ging dabei ums Ausland, überwiegend den Nahen Osten — gegenzuprüfen. Ich nahm die Informationen eins zu eins für bare Münze.
Erst später habe er sich Distanz erarbeiten können, vor allem, weil die FAZ ihn immer wieder unterstützte, wenn er unlautere Ansinnen des BND zurückwies. Schließlich veröffentlichte er aus dem ganzen Material, das ihm zugesteckt wurde, ein Buch, das angeblich ein Befreiungsschlag war:
Der BND wollte das Manuskript vor der Veröffentlichung gegenlesen. Mit Rückendeckung der FAZ-Herausgeber lehnte ich das ab. Alle Drohungen aus Pullach halfen nichts, wir blieben bei der Haltung.
Das Buch „Verschlußsache BND“ erschien. Mit einem Schlag hatte ich mich aus dem Spinnennetz befreit. Das habe ich vor allem den Herausgebern der FAZ zu verdanken. Ohne ihre Loyalität hätte ich dem Druck kaum standgehalten.
Die FAZ, die dem unbedarften Jung-Redakteur, der dem BND auf den Leim gegangen ist, hilft, davon wieder Abstand zu gewinnen — das ist ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was Ulfkotte heute über seinen ehemaligen Arbeitgeber erzählt. Dafür ist die heutige Geschichte natürlich ungleich aufregender und verkauft sich besser.
Als gesichert kann gelten, dass Ulfkotte grenzenlos gutgläubig war und auch in diesem Fall — wie auch bei bezahlten Einladungen zu Luxusurlauben — außerordentlich leicht zu beeindrucken, um nicht zu sagen: käuflich. Er selbst schilderte es 2006 in „Park Avenue“ so:
Ich war 33 Jahre alt und hatte Berührung mit dem Geheimsten alles Geheimen. Das ist es, wovon jeder Journalist träumt: mehr zu wissen als andere, eine Quelle aufzutun, die andere nicht haben. Besser zu sein als die anderen.
Das „Park Avenue“-Stück hat damals kaum Aufsehen verursacht. Aber inzwischen hat er einen Weg gefunden, aus solchen Geschichten Bestsellermaterial zu machen. Er stellt sein persönliches Versagen nachträglich als System dar. Dass die FAZ und vage als „renommierte deutsche Zeitungen“ bezeichnete Medien sich willentlich zum Handlanger des deutschen Auslandsgeheimdienstes machen und von ihm Artikel diktieren ließen, ist aber eine bloße Behauptung — die auch noch dem widerspricht, was er selbst vor acht Jahren über den Fall veröffentlichte.
[Offenlegung: Ich schreibe regelmäßig frei für die FAZ.]
In den USA rast seit gestern diese Meldung durch die sozialen Netzwerke:

Sie wird getwittert und geteilt, allein auf Facebook inzwischen mehr als 200.000 Mal. Nur die Originalquelle. Und die Nachricht vom Tod des Schauspielers geht immer noch rum, dabei ist sie längst widerlegt. Judd Nelson wurde nirgends tot aufgefunden. Er lebt. Sein Agent bestätigte das gestern gegenüber der „Los Angeles Times“ und schickte ein Foto mit. Es zeigt Nelson mit einer aktuellen Zeitung.
Judd Nelson didn’t die last night. He sent us this photo to debunk the rumor. http://t.co/FrIUzW4VmV pic.twitter.com/OjuBPgnutt
— Los Angeles Times (@latimes) 26. Oktober 2014
Gestreut wurde die falsche Nachricht von einer Seite mit der Adresse foxnews.es, also scheinbar eine (spanische) Seite des US-Senders „Fox News“ – in der Fakenews-Welt gilt das vermutlich als Ausweis von Seriosität. Doch auf der Seite befindet sich offenbar nichts, bis auf jene Meldung. Und sowieso sollte einen die Aufmachung stutzig machen. Der Betreiber hat sich nicht mal die Mühe gemacht, die Seite so aussehen zu lassen, als wäre sie tatsächlich ein Ableger von „Fox News“. Im Gegenteil: Sie ist geradezu nackt. Oben finden sich die üblichen facebook- und twitter-Buttons. Dann die Überschrift. Werbung. Text. Werbung. Das war’s. Kein Logo. Keine weiteren Texte. Keine Bilder. Nichts.

Anderen Screenshots zufolge scheint es jedoch mal eine weitere Version der Seite gegeben zu haben mit einem Foto, das einer Eilmeldung aus dem US-Fernsehen nachempfunden war, inklusive „Breaking“-Banner. Doch ob mit oder ohne Foto: Es hat funktioniert. Auch nachdem die „LA Times“ berichtet hatte, dass die Meldung falsch sei, posteten Fans weiter ihre Trauer über Nelsons Ableben.
Nach Angaben des spanischen Domain-Verwalters Dominios wurde die Seite foxnews.es von einer Person namens Fred Post registriert. Googelt man die dazugehörige Mail-Adresse, stößt man auf weitere Seiten, die mit diesem Namen und dieser Mail-Adresse angemeldet wurden. Als Wohnort gibt Fred Post die Stadt Uvalde, Texas an, was aber wohl so falsch ist wie die Todesmeldung. Und nun wird es spannend: Fred Post gehört auch die Adresse okmagazine.us, die umgeleitet wird auf ebuzzd.com. Und eBuzzd ist mehr als berüchtigt, denn die Seite hat sich zur Aufgabe gemacht, jede Menge Schwachsinn in die Welt zu grunzen.

Aktuell findet sich dort beispielsweise die Nachricht, Angelina Jolie zeige erste Anzeichen einer Ebola-Erkrankung, was aber auch lediglich eine Grippe sein könne. Das finden manche Menschen vermutlich genau so lustig wie all die anderen Geschichten, mit denen eBuzzd immer wieder für Furore sorgt, vor allem mit Falschmeldungen: Das Magazin verkündete vor ein paar Monaten, Phil Collins sei ein Arm amputiert worden; es schrieb, US-Fernsehstar Austin „Chumlee“ Russel sei gestorben; oder die Schauspielerin Betty White. Alles Unsinns-Artikel und derweil, jedenfalls teilweise, wieder gelöscht. Aber auch sie verbreiteten sich zunächst.
Wer hinter eBuzzd steckt, lässt sich über den üblichen Weg nicht herausfinden; die Seite wurde anonym registriert. Das Online-Magazin „PandoDaily“ aber hat den Mann hinter den Todesmeldungen bereits im Frühjahr enttarnt und sich in einem langen, lesenswerten Artikel mit ihm befasst. Demnach soll es sich um einen 36-jährigen Ex-Trucker aus Texas handeln, der seinen Führerschein nach einem Drogentest verloren hat. Nun besitzt er etliche Websites, die er unter verschiedenen Pseudonymen angemeldet hat. Fred Post, der Name des foxnews-Fakers, ist laut „PandoDaily“ zwar nicht darunter. Aber es kann ja sein, dass er sich inzwischen weitere Pseudonyme zugelegt hat. Jedenfalls sieht die Methode, mit der nun die Falschmeldung von Nelsons Tod viral ging, jener der eBuzzd-Macher ähnlich.
Laut „PandoDaily“ verhöhnen sie die Leser, die auf ihre Falschmeldungen reinfallen. Wer eBuzzd nicht möge, solle die Seite halt nicht besuchen oder teilen, sagt der Chef der Seite. Und sein Bruder äußerte sich in einem (inzwischen gelöschten) Facebook-Post abgeblich so:
Seriously, all of the people that responded to this are idiots! Read the fine print! LOL! It is a webpage for hoaxes! Damn! Get out and do something with your life! Stop letting television rot your brain!
Lustig, nicht? Auch wenn man jetzt nicht genau weiß, wieso das Fernsehen daran schuld sein soll, wenn Menschen auf kalkuliert gestreute Falschmeldugen im Internet reinfallen. Allenfalls offenbaren die Falschmeldungen die Schwachstelle sozialer Netzwerke, in denen alles sofort weitergebrabbelt wird, ohne darauf zu achten, ob die Quelle zuverlässig ist. Die Macher setzen dabei gezielt auf die Schocksekunde: Man liest, dass jemand gestorben ist – und weil einen das so angeht, erzählt man es gleich weiter. Dass das so prima funktioniert, wollen die eBuzzd-Leute wohl als eine Art Medienkritik verstanden wissen. Dabei dürfte der wahre Grund ein anderer, viel profanerer sein: Geld.
Neben den Falschmeldungen steht Werbung, etwa Google Adwords, wie im aktuellen Fall. Damit, so „PandoDaily“, ließen sich mehrere Zehntausend Dollar in wenigen Tagen verdienen, wenn nur genügend Leute auf die Werbung klicken. Der eBuzzd-Chef dementiert das allerdings und sagt, er habe (zumindest mit eBuzzd) bisher kaum Geld verdient. Was man jetzt glauben kann oder nicht.
Als „falsch“ und „ehrabschneidend“ hat Klaus-Dieter Frankenberger, der Außenpolitikchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, den Vorwurf zurückgewiesen, er habe sich vom Sultan von Oman kaufen lassen und Gefälligkeitsberichterstattung betrieben.
Erhoben hat diesen Vorwurf der frühere FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte. Ulfkotte profiliert sich seit einigen Jahren als „Gegner von Qualitätsmedien“ und schreibt Bücher wie „So lügen Journalisten“, „SOS Abendland“, „Vorsicht Bürgerkrieg!“ und „Albtraum Zuwanderung“. Im Kopp-Verlag („UFOs — Generäle, Piloten und Regierungsvertreter brechen ihr Schweigen“) hat er das Buch „Gekaufte Journalisten“ veröffentlicht. Darin enthüllt er, dass es in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr gibt und Pressefreiheit „nur eine gut gespielte Illusion“ ist. Das Werk wird in der kommenden Woche Platz 13 der „Spiegel“-Bestsellerliste erreichen.
Ulfkotte, der sich nach eigenen Aussagen als Journalist von Shell „schmieren“ ließ und als Lobbyist des BND diente, beschreibt darin unter anderem, wie er sich in den neunziger Jahren vom Sultan von Oman korrumpieren ließ: Auf Kosten des autoritären Staatschefs sei er zu Besuchen eingeladen und mit bezahlten Luxus-Angeboten verwöhnt worden. Unter anderem habe der Sultan sogar seine „Ausbildung zum Padi-zertifizierten Rettungstaucher mit Jason Erodottu als privatem Tauchlehrer“ bezahlt. Er habe den kostenlosen Luxus als „Jackpot“ empfunden und entsprechend geschönt über das Land und seinen Diktator berichtet.
Wie er habe sich auch sein damaliger Kollege Frankenberger kaufen lassen, behauptet Ulfkotte, der suggeriert, dass die ganze Branche und insbesondere die FAZ so korrumpierbar und korrupt ist, wie er es war.
Gegenüber dem neuen Online-Magazin „Krautreporter“ widerspricht Frankenberger:
Tauchkurse hat vielleicht Herr Ulfkotte auf Kosten anderer gemacht, ich nicht. Der Vorwurf Herrn Ulfkottes, „wir“ seien korrupt gewesen, trifft jedenfalls für mich nicht zu.
Bei den Reisen nach Oman handelte es sich zum Teil um privatfinanzierte Reisen (z.B. 1995 und 1996), zum Teil um Einladungen des omanischen Informationsministeriums. Der von Herrn Ulfkotte erweckte Eindruck, hierdurch sei eine Gefälligkeitsberichterstattung meinerseits erfolgt, ist nicht nur falsch, sondern auch ehrabschneidend. Ich weise diesen Vorwurf entschieden zurück.
In jener Zeit konnte man als Journalist bestimmte Länder, zum Beispiel Oman, nur bereisen, wenn man von offizieller Seite eingeladen wurde. In den neunziger Jahren gab es in Oman nur ein einziges internationales Hotel, in dem sich Journalisten aufhalten konnten.
Den Eindruck zu erwecken, man könne mich mit einer finanzierten Reise „kaufen“ oder eine positive Berichterstattung erreichen (wie das Herr Ulfkotte in diesem und in anderen Fällen sich zuschreibt), ist ebenso lächerlich wie böswillig. Dies gilt für mich und im Übrigen für alle seriösen Journalisten.
Frankenberger weist auch den Vorwurf zurück, er sei ein „Lobbyist“, weil er Mitglied etwa im Beirat der Trilateralen Kommission, in der Atlantischen Initiative und im Institut für Europäische Politik war oder ist:
Die Mitgliedschaft ermöglicht Zugang zu Inhalten und Informationen, die notwendige Grundlage sind für eine seriöse und umfassende Berichterstattung. Dabei geht es gerade darum, über Dinge zu berichten, die ansonsten nicht den Weg in die Öffentlichkeit finden würden.
Auch hier scheint Herr Ulfkotte ein Verständnis von Journalismus zu haben, aus dem eine merkwürdige Anmaßung spricht und das obendrein den Geist der Verschwörung atmet.
Journalistische Unabhängigkeit ist ein für mich unabdingbarer Grundsatz meiner professionellen Tätigkeit. Weil das so ist, bin ich auch seit vielen Jahren für eine Redaktion tätig, die nach diesen Grundsätzen arbeitet und diese selbstverständlich auch immer wieder anhand von Einzelsituationen kritisch diskutiert und hinterfragt. Wenn das für Einzelne nicht immer gegolten hat, ist es aus meiner Sicht mehr als unlauter und journalistisch nicht besonders seriös, dies zu verallgemeinern, um aus dem daraus erhofften öffentlichen Skandalwert persönlichen Profit zu schlagen.
Ulfkotte sieht mit seinem Buch den „Armaggedon der Leitmedien“ gekommen. Die meisten seiner „Enthüllungen“ im Buch sind entweder bekannt oder falsch. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit einigen seiner Behauptungen erscheint in Kürze ist jetzt auf krautreporter.de zu lesen:
[Offenlegung: Ich schreibe regelmäßig für die FAZ.]
Bei der Sport-Media-Group ist die Zahl der Köpfe pro Vision kürzlich abrupt um 25 20 Prozent gesunken.


Auch aus den Impressen der Seiten formel1.de und motorsport-total.com, die die Sport-Media-Group betreibt, ist der Name Stephan Mayerbacher verschwunden. Die Inhalte der Seite seiner Münchner Mayerbacher-Medienbeteiligungs-GmbH („Zukunftspartner für die Medienbranche“) wurden gelöscht.
Die Sport-Media-Group konnte oder wollte mir auf Anfrage bisher nicht sagen, ob Mayerbacher wegen der Vorwürfe — die seine früheren Tätigkeiten betreffen — formell von seinen Aufgaben als CEO entbunden wurde und sich das Unternehmen von ihm getrennt hat.
Nach dem Österreichischen „Standard“ (1, 2) berichtete gestern auch das Schweizer TV-Magazin „Kassensturz“ über die Haftbefehle, die die Staatsanwaltschaft Wien wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs bei den früheren Anrufsendungen erlassen hat:
Drahtzieher dieses betrügerischen Systems sei, laut Vorwurf der Justiz, der Deutsche Stephan Mayerbacher gewesen. An ihn seien mehr als 2,9 Mio. Euro an Scheingewinnen zurückgeflossen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Schaden, den die Anrufer in den Warteschlaufen erlitten haben, wird durch einen Sachverständigen der Staatsanwaltschaft Wien auf mehr als 24 Mio. Euro geschätzt.
Nachtrag, 17:30 Uhr. Die Sport-Media-Group bestätigt, dass Stephan Mayerbacher aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. In einer Erklärung des Unternehmens heißt es:
Hintergrund dieser Entscheidung ist ein Ermittlungsverfahren, das gegen Stephan Mayerbacher in Österreich anhängig ist. Sämtliche Vorwürfe datieren aus der Vergangenheit und deutlich vor seinem Engagement bei der smg. Sie stehen mit unserem Unternehmen in keinerlei Zusammenhang. Obwohl die Vorwürfe gegen Stephan Mayerbacher schwer wiegen, vermuten wir seine Unschuld. Die smg verdankt auch ihm den Erfolg der vergangenen zwei Jahre. Er hat viel mit der smg bewegt und sowohl die Agentur als auch die Portale nach vorn gebracht. Wir danken ihm für die geleistete Arbeit und sein Engagement. Stephan Mayerbacher hat sich dennoch dazu entschlossen in jeder Funktion aus dem Unternehmen auszuscheiden, um eine weitere erfolgreiche Zukunft der sport media group zu ermöglichen. Zudem wird er als Gesellschafter aus dem Unternehmen ausscheiden.
Neben Armin Gastl wurde Volker Glaser als neuer Geschäftsführer der sport media group GmbH benannt. (…)
Das Wort „Transparenz“ stand 1915 erstmals im Duden. Jetzt, knapp 100 Jahre später, ist es zum Modewort geworden, auch in den Sendeanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. ARD und ZDF versprechen seit einiger Zeit, transparenter zu arbeiten, laut Duden also: nachvollziehbarer bzw. durchschaubarer, auch weil das von außen so eingefordert wird. Und vereinzelt geschieht das nun auch: Die Sender öffnen sich langsam. Beim WDR allerdings haben sie einen eigenen Duden.

Vor zwei Jahren produzierte der Sender drei Ranking-Shows, die im Ersten ausgestrahlt wurden. Der WDR kürte „Die schönsten Bauernhöfe/Städte/Schlösser Deutschlands“, präsentiert in je zwei Folgen mit insgesamt 30 Plätzen pro Ranking. Das Ergebnis beruht auf repräsentativen Umfragen, die vom Düsseldorfer Institut innofact erstellt wurden, im Auftrag des WDR.
Nachdem unlängst aufgeflogen ist, dass das ZDF und Sender der ARD, darunter auch der WDR, bei Ranking-Shows manipuliert haben, schrieb der Kollege Stefan Niggemeier hier darüber, dass er in Köln nachgefragt hat, ob er die Ergebnisse jener Studien einsehen könne. Statt: „Klar, warum nicht“, antwortete ihm der WDR, dass es sich bei allen drei Studien um „redaktionsinternes Material“ handle. Anders ausgedrückt: um Geheimakten, die der WDR bis heute nicht rausrücken will.
Das ist vor allem nach den Vorgängen beim ZDF interessant: Dort kam im Sommer tröpfchenweise heraus, dass Redakteure eine repräsentative Studie manipuliert hatten, um eine Sendung mit dem Titel „Deutschlands Beste!“ möglichst gefällig zu gestalten. Als ich damals das ZDF fragte, ob ich die Studie einsehen dürfe, verweigerte der Sender das – wenig später war klar, weshalb.
Wenn also nun der WDR Studien unter Verschluss hält, mit denen er gefällige Sendungen über Bauernhöfe oder Schlösser gestaltet hat – muss man da nicht, nach allem, misstrauisch werden? Die ARD-Sender haben immer betont, sie hätten lediglich bei Online-Umfragen manipuliert, nicht bei repräsentativen Studien. Aber gerade dann, wenn die Studien solide sind, stellt sich doch die Frage, welchen Grund es gibt, sie nicht komplett zu veröffentlichen? Zumal der WDR seit dem Ranking-Geschummel auch die Ergebnisse seiner Online-Umfragen publiziert, selbst wenn es nur klägliche neun Stimmen für die Nenkersdorfer Mühle gab.

Ich habe deshalb also auch noch mal beim WDR nachgefragt. Als Antwort bekam ich am 14. August 2014 dies:
Der WDR hat zu dem Thema „Ranking-Sendungen“ alle relevanten Informationen transparent gemacht und veröffentlicht (siehe auch http://www1.wdr.de/unternehmen/fernsehen174.html). Da es sich um redaktionsinternes Material handelt, können wir Ihnen leider nicht ermöglichen, die konkreten Ergebnisse einzusehen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!
Übersetzt heißt das: Allein der WDR entscheidet hier, was relevant ist und publiziert wird, sonst niemand. Das ist jene so genannte Transparenz, die im WDR-Duden steht. Dabei gibt es durchaus noch relevante Fragen, die offen sind. Eine davon ist natürlich, ob auch die Rangfolgen der Studien nachträglich verändert wurden. Nach meinen Recherchen ist das offenbar nicht der Fall, was aber kaum abschließend zu klären ist, ohne die Studien eingesehen zu haben. Doch auch wenn die Rangfolgen korrekt sind: Es gibt weitere Fragen.
Wie wurden zum Beispiel aus den, wie es in der Sendung heißt, 500.000 Bauernhöfen in Deutschland die 30 „schönsten“ gewählt? Wer hat die Vorauswahl getroffen und nach welchen Kriterien? Wie viele Bauernhöfe, Schlösser, Städte wurden den Teilnehmern der Studien wie präsentiert? Mit Fotos? Oder kannten alle aus dem Stand das Gut Hesterberg in Neuruppin-Lichtenberg oder das Schloss St. Emmeram in Regensburg? Was wurden die Teilnehmer gefragt?
Diese Reihe ließe sich noch fortsetzen. Deshalb habe ich dem Sender noch mal geschrieben, am 25. August 2014; als Antwort erhielt ich am 3. September 2014:
Die Rangfolge der jeweiligen Sendung für Das Erste wurde repräsentativ von dem Meinungsforschungsinstitut Institut Innofact in Düsseldorf ermittelt; diese Reihenfolge wurde dem WDR von dem Institut übermittelt und von uns auch so abgebildet.
Schön. Aber bekannt und auch keine Antwort auf meine Fragen. Hab ich also abermals geschrieben, dieses Mal einen konkreten Fragenkatalog:
Ich schrieb das am 11. September 2014; am 29. September 2014 kam dann das:
Der WDR hat die Abweichungen, die es bei den von ihm verantworteten Ranking-Sendungen gegeben hat, umfangreich, detailliert und transparent öffentlich gemacht. Bei den von Ihnen angesprochenen Sendungen hat es diese Abweichungen nicht gegeben. Daher sehen wir keinen Anlass, über das Gesagte hinaus detailliert darauf einzugehen.
Bums, aus! Die Studien, die Sendungen – all das dürfen die Zuschauer mit dem Rundfunkbeitrag finanzieren. Das Ergebnis wird ihnen dann präsentiert, ohne es genauer zu erklären. Muss reichen. Und natürlich könnte man sich damit nun zufrieden geben. Muss man aber nicht, wenn die Antworten auf simple Anfragen so abwiegelnd ausfallen. Deshalb schreibe ich jetzt mal an den WDR-Rundfunkrat, das Aufsichtsgremium des Senders; vielleicht kann man da ja erklären, was unter „Transparenz“ im WDR-Duden steht. Und weshalb es ein Problem ist, einfach diese Studien zu veröffentlichen, die Grundlage dreier Sendungen sind und mit deren Ergebnis heute beispielsweise Bauernhöfe werben.
Offenlegung: Ich bin fester freier Mitarbeiter der ARD.
Die spinnen doch, die Amis! Jetzt muss das österreichische Unternehmen Red Bull 13 Millionen Dollar an US-Amerikaner auszahlen, die sich die vermeintliche Energie-Limo seit Jahren eintrichtern, aber vergeblich darauf warten, dass ihnen so depperte Flügel an den Schultern wachsen, wie es Red Bull in der Werbung verspricht. Wächst aber gar nix! Echt jetzt! Und nun steht also fast überall, dass der Getränkehersteller die Trinker entschädigen muss.





Der Hammer, oder? Verleiht gar keine Flügel, die Plörre. Und die Klage passt so gut ins europäische Bild von diesen freakigen US-Amerikanern, die andauernd alle verklagen, weil irgendwas passiert, was man nun wirklich nicht ahnen konnte: Dass zum Beispiel der zur Legende gewordene Hamster explodiert, wenn man ihn bloß mal kurz zum Trocknen in die Mikrowelle gibt, was aber so nicht in der Gebrauchsanweisung stand, weder in der für die Mikro, noch für den Hamster.
Liest sich also gut, das mit Red Bull und den Flügeln, ist aber Unsinn. Den Slogan „Red Bull verleiht Flügel“ haben die Initiatoren der Sammelklage durchaus so metaphorisch verstanden, wie er gemeint ist: als Bild für die Leistungssteigerung, die Red Bull in der Werbung und mit Hilfe von Studien suggeriert. Den Klägern geht es also um die versprochene Wirkung, um den Effekt des Getränks.
Das Unternehmen verspreche, Red Bull steigere die Leistung, Konzentration und Reaktion, argumentieren die Kläger, dabei wirke es nicht viel mehr als eine Tasse Kaffee. Als Beleg halten sie ihrerseits eine Studie dagegen. Einer der Kläger behauptet außerdem, er trinke seit zwölf Jahren den Energy-Drink, seither habe sich aber nicht viel verbessert. Die Kläger vermissen also die in der Werbung versprochene Leistungssteigerung, nicht die Flügel.
13 Millionen Euro in einen Fonds zu zahlen, ist der Vergleich, den Red Bull bereits im Sommer einging, was aber jetzt erst zu uns rüber geschwappt ist. So kann man das auf US-amerikanischen Blogs und Websites nachlesen, auf die sich auch einige Nachrichtenseiten hierzulande beziehen. Doch meistens wird die Geschichte hier verknappt dargestellt; verknappt auf den leicht übergeschnappten US-Amerikaner, der ständig klagt – und dann auch noch Recht bekommt.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat den Klägern deshalb erst mal – in dieser Logik folgerichtig – jeden Humor aberkannt: „Humorlose Kläger in Amerika“ titelt sie in ihrem Wirtschaftsteil, um dann bierernst aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus zu kommen:
So etwas gibt es auch nur in den Vereinigten Staaten: Weil der österreichische Energydrink-Hersteller Red Bull für seine angeblich leistungssteigernde Brause mit dem Slogan „Red Bull verleiht Flügel“ wirbt, haben amerikanische Verbraucher diese Losung nun wörtlich genommen. Vor einem Bundesgericht in New York strengten sie eine Sammelklage gegen Red Bull an – weil ein normaler Mensch auch nach dem Genuss einer kompletten Dose des klebrigen Süßgetränks tatsächlich immer noch nicht fliegen könne.
Genau: Nach einer Dose! Nicht fliegen! Diese Amerikaner, Mann!
In der Wirtschaftsredaktion der „Welt“ ist man auch ganz fassungslos. „Deutschland amüsiert sich“, schreibt die Zeitung gleich im Vorspann ihres länglichen Online-Textes, weil bei twitter ein paar Leute jetzt Gags über Red Bull reißen, also: ganz Deutschland. Während die „Welt“ den Amerikanern weiter unten nicht den Humor abspricht, sondern gleich die Vernunft:
Kein vernünftiger Mensch würde nach dem Genuss einer Dose des Energydrinks auf einen Felsen klettern und in die Tiefe springen, blind darauf vertrauend, dass ihm schon Flügel wachsen werden. Weiter könnte man auch argumentieren, dass kein vernünftiger Mensch auf den Gedanken käme, wegen des Ausbleibens der Flügel vor Gericht zu ziehen.
Nö, stimmt. Und kein vernünftiger Mensch käme, wenn er sich ein bisschen eingelesen hätte, auf die Idee, dass es so war. Nur eben etliche Zeitschriften und Zeitungen wie die „Welt“, die noch ein bisschen höhnt über das amerikanische Rechtssystem, wo „immer wieder Großkonzerne mit zweifelhaften Klagen“ überzogen würden, „die wider den natürlichen Menschenverstand sind“.
Kein Wunder also, dass auch das „Manager Magazin“ staunt: „Es ist einer der Fälle, die eigentlich nur in den USA passieren können“, steht dort. Und im Vorspann: „Wer seit 2002 eine Dose Red Bull in den USA gekauft und sich gewundert hat, dass ihm keine Flügel wachsen, könne nun eine Entschädigung beantragen.“
Auch schön. Richtig ist: Wer nach 2002 in den USA eine Dose gekauft hat und die suggerierte Wirkung bei sich nicht feststellen konnte, kann das (hier) beantragen und bekommt dann vielleicht etwas aus dem Fonds. Auf den Vergleich hat sich Red Bull übrigens eingelassen, um nach eigenen Angaben einen potenziell langen und teuren Prozess zu vermeiden, wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur APA sagte. Grundsätzlich widerspricht das Unternehmen aber: „Der Red Bull Marketingansatz war immer humorvoll, wahrheitsgemäß und korrekt.“
Mit Dank an Stanz.
Nachtrag 14.10.2014, 17:48 Uhr. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Das „Manager Magazin“ hat seinen Artikel noch mal überarbeitet. Ursprünglich stand da in der Überschrift: „Red Bull kommen seine Flügel teuer zu stehen“. Und im Vorspann:
Red Bull verleiht Flügel – diesen Spruch hätte sich der Brausevermarkter in den USA vielleicht sparen sollen. Um eine Massenklage abzuwenden, stimmte Red Bull laut einem US-Blog einem Vergleich zu: Wer seit 2002 eine Dose Red Bull in den USA gekauft und sich gewundert hat, dass ihm keine Flügel wachsen, könne nun eine Entschädigung beantragen.
Da musste man natürlich noch mal ran. Die Überschrift: okay. Der erste Satz, joah: so halbrichtig. Der zweite stimmt – bis zum Doppelpunkt. Danach, die Sache mit den Flügeln: Unsinn. Und damit zur schlechten Nachricht. Das steht da jetzt in der Überschrift: „Red Bull verleiht doch keine Flügel“. Und im Vorspann:
So etwas funktioniert nur in den USA: Wer dort eine Dose Red Bull gekauft und sich gewundert hat, dass ihm keine Flügel wachsen, kann eine Entschädigung beantragen.
Naja, gut: In der Bildunterzeile steht ja auch immer noch:
Red Bull: Achtung Achtung – man kann nach dem Trinken gar nicht fliegen
Muss man nicht verstehen. Aber vielleicht kann es das „Manager Magazin“ erklären.
Nachtrag 18.10.2014. Sven Clausen, der stellvertretende Chefredakteur des „Manager Magazins“, hat mir gestern geantwortet. Er schreibt:
Wir halten unsere Formulierungen in Überschrift und Vorspann für zulässig und nicht irreführend. Wir bleiben damit im Formulierungskosmos von Red Bull, knüpfen damit also direkt an die ironische Figur des Werbespruchs an. Im Text steigen wir dann aus dieser rhetorischen Figur aus und schildern sauber und sachlich, wie der Stand der Dinge ist. Ironie ist im Nachrichten- und Analyse-Journalismus bekanntermaßen immer gefährlich, weil die Leser und User das tendenziell nicht erwarten. Im Fall von Red Bull ging das aber aus unserer Sicht, weil der Werbespruch – und damit seine ironische Aussage – so bekannt ist. Glücklicherweise hat uns die Reaktion unserer Leser bestätigt: Der Beitrag wurde gern (hohe Leserzahl) und gut (die für mm.de übliche, sehr geringe Bounce-Rate) gelesen. Beschwerden haben mich bislang nicht erreicht.
Jahrelang haben die Betreiber von dubiosen Anrufsendungen das Recht genutzt, um ihre Kritiker einzuschüchtern, mundtot zu machen und in den Ruin zu treiben. Vielleicht wendet sich jetzt endlich das Blatt. Der österreichische „Standard“ berichtet, dass drei Verdächtige verhaftet worden seien, zwei in Deutschland, einer in Österreich. Es geht um gewerbsmäßigen Betrug beziehungsweise die Beihilfe dazu.
Die Vorwürfe der Wiener Staatsanwaltschaft entsprechen demnach ziemlich genau dem, was Kritiker den Verantwortlichen detailliert vorgeworfen haben und wofür sie unter anderem von Leuten wie Stephan Mayerbacher, dem ehemaligen Chef der Firma Callactive, die Call-TV-Sendungen unter anderem für MTV produzierte, mit Prozessen überzogen wurden: Die Zuschauer, die kostenpflichtig anriefen, um die Rätsel auf dem Bildschirm zu lösen, hätten gar keine Chance gehabt, durchgestellt zu werden und die ausgelobten Gewinne zu kassieren. Stattdessen seien, so zitiert der „Standard“, „instruierte Fake-Anrufer organisiert und eingesetzt“ worden:
Eingefädelt haben soll das 2004 der nun verhaftete Deutsche S. M., der mit seiner Gesellschaft die erste Call-in-Show in Österreich produziert hat (für ATV). Er habe einem Mitarbeiter des TV-Studios Marx Media Vienna (MMV) erklärt, er brauche Leute, die sich „während der Sendung gegen Bezahlung zur Verfügung halten“, um, ins Studio geschaltet, vorab bekanntgegebene Antworten auf die Quizfragen zu geben.
Genau so sei es gelaufen, mit Leuten, die der MMV-Mitarbeiter organisiert habe. Sie mussten nach dem Gewinn „ihrer Freude … Ausdruck verleihen“, während „echte“ Anrufer nicht durchgestellt wurden.
Ziel der Dramaturgie“ sei es gewesen, die Anruferzahlen hochzuhalten. Die Gewinne wurden allerdings wieder eingesammelt – bis auf 500 Euro, die die Helfer behalten durften.
Kleine Auswahl aus dem Archiv:
[via Twipsy]

Ah. Wer gratuliert der „Huffington Post“ zum Geburtstag? Die „Huffington Post“. Sie schaut nämlich „auf ein sehr erfolgreiches erstes Jahr zurück“.
Die „Huffington Post“ konnte nach eigenem Bekunden „große Erfolge“ bei der Vermarktung erzielen, insbesondere was „Native Advertising“ angeht. Das sei „von Anfang an viral angelegt“ worden, heißt es in einer Pressemitteilung:
Die konsequente Viralstrategie hat sich im ersten Jahr der Huffington Post nicht nur redaktionell ausgezahlt, sondern auch im Bereich der Vermarktung wurden so große Erfolge erzielt. Für die Umsetzung von Native-Advertising-Kampagnen wurde ein Partner Studio [sic] gegründet, das losgelöst von der Redaktion arbeitet, aber sich sehr stark an der redaktionellen DNA der Huffington Post orientiert. „Mit dieser Lösung sind wir Vorreiter auf dem deutschen Markt. Viral angelegte Kampagnen für Kunden wie Edeka, Ergo oder aktuell die „Toastertaler-Brandpage“ von Alpenhain wurden über die Seite selbst, aber auch über die sozialen Netzwerke exzellent angenommen (…)“, sagt Ulf Heyden, Director Commercial bei TOMORROW FOCUS News+.
Ah, die exzellent angenommene, viral angelegte Kampagne von Edeka. Unter der Rubrik „FOOD by Edeka“ sind auf huffingtonpost.de Artikel erschienen wie „7 Dinge, die Sie noch nicht über Pommes wussten“, „10 Dinge, die Sie noch nicht über Nudeln wussten“ und „Hätten Sie gedacht, dass Kartoffeln DAS können?“ (u.a.: „richtig lange satt machen“).
Und so wurden die einzelnen Artikel in den sozialen Netzwerken angenommen:

















Jawohl: Gleich zwei* drei Artikel sind mehr als zehn Mal auf Facebook geteilt worden!
Der große Knaller mit 110 Gefällt-mir-Klicks war das Stück „Mit diesen 7 Fakten werden Sie zum Weißwurst-Experten“, aber das haben Sie ja eh alle gelesen, so viral wie das gegangen ist.
Im August hatte die „Huffington Post“ beziehungsweise ihr Vermarkter Tomorrow Focus schon einmal in einer Pressemitteilung von ihrer großen Native-Advertising-Kompetenz und dem „viralen Ansatz“ geschwärmt. Anlass war ein neues Modell von Toyota. „Ziel der Kampagne, die gemeinsam von Zenithmedia aus Düsseldorf, Toyota und TOMORROW FOCUS Media entwickelt wurde, ist es, die Leser mit immer neuen Beiträgen für den Aygo zu begeistern und diese über soziale Netzwerke wie Facebook weiter zu verbreiten,“ hieß es damals.
Und wie das gelungen ist!








Bis zu dreimal geteilt. Da kann man allen Beteiligten wirklich nur gratulieren.
Korrektur, 23:10 Uhr. Ich hatte zunächst noch drei Edeka-Artikel übersehen.
Ankündigung auf der Startseite:

Beginn des Artikels:

Die deutsche „Huffington Post“ wird heute ein Jahr alt. Irgendwer wird sicher gratulieren.
Dies ist einen Platzhalter für X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen