KW 05/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Katja Riedel über die geheime Chatgruppe der AfD-Bundestagsfraktion
(denkangebot.org, Katharina Nocun, Audio: 1:17:42 Stunden)
Katja Riedel ist eine Investigativjournalistin, die sich auf die AfD spezialisiert hat. Zusammen mit Sebastian Pittelkow hat sie das Buch “Rechts unten: Die AfD: Intrigen, heimliche Herrscher und die Macht der Geldgeber” geschrieben. Im Gespräch mit Katharina Nocun erzählt Riedel davon, wie es ihrem Co-Autor und ihr gelungen ist, intime Einblicke in das Innenleben der Partei zu bekommen.

2. Was ist das für ein korrupter Sumpf bei der BBC?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:58 Minuten)
Warum ist die BBC so schwach? Inwiefern ermöglicht das britische Mediensystem den politischen Druck auf Redaktionen? Und wo findet kritischer Journalismus in Großbritannien dann noch statt? Darüber spricht Holger Klein im “Übermedien”-Podcast mit ARD-London-Korrespondentin Annette Dittert.

3. Afghanistan – Journalisten zwischen Angst, Folter, Flucht und Neuanfang in Deutschland
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 28:11 Minuten)
Das BR24-Medienmagazin beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit dem Land, das nach dem Abzug der NATO in die Hände der Taliban gefallen ist: “Wir schauen nach Afghanistan und die Medien vor Ort, aber auch auf die Journalistinnen und Journalisten, die nach Deutschland fliehen mussten. Weil Ihnen zu Hause Arbeitsverbote, Folter, Haft oder sogar der Tod droht. Welche Herausforderungen haben sie hier?”

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4. Black Lives Matter – was bleibt?
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar & Nadia Zaboura, Audio: 37:31 Minuten)
In der neuen Folge des Medienpodcasts “quoted” geht es um die Frage, was aus der Mediendebatte um Rassismus geworden ist. Dazu haben Nils Minkmar und Nadia Zaboura die Journalistin Noelle O’Brien-Coker eingeladen. Mit ihr diskutieren sie die Frage, wie sich der mediale Diskurs seit den ersten Black-Lives-Matter-Protesten entwickelt hat.

5. Das nächste große Ding
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck & Chris Köver, Audio: 41:48 Minuten)
Bei “Off The Record” sprechen Sebastian Meineck und Chris Köver darüber, wie die netzpolitik.org-Redaktion mit dem Hype um Künstliche Intelligenz umgeht und welche Zweifel sie dabei begleitet: “Haben wir im Spätjahr den Beginn des Hypes vor lauter Berichterstattung über Chatkontrolle und Twitter-Chaos verpennt? Was denken wir persönlich über die neue Technologie?”

6. Ausgerastet und abgestürzt: Der Fall des Angry German Kid
(ndr.de, Zapp, Video: 22:46 Minuten)
Viele kennen das virale Video des “Angry German Kid”, in dem ein Jugendlicher beim Computerspielen seiner Wut freien Lauf lässt. Es war eine Inszenierung, die für den damals 14-Jährigen schwerwiegende Folgen hatte. Hilflos musste er mit ansehen, wie die Aufnahme unzählige Male weiterverbreitet und verfälscht wurde – und einen Teil seines Lebens zerstörte. Ein nachdenklich stimmender Film über die mitunter äußerst negativen Folgen von Online-Prominenz.

Musk im Porzellanladen, Arme Kate, ProSiebenSat.1 ohne Berlusconi

1. Protest war erfolgreich
(djv.de, Hendrik Zörner)
Mit Erleichterung reagiert der Deutsche Journalisten-Verband auf die Nachricht, dass die Berlusconi-Gruppe MediaForEurope eine Übernahme der deutschen Privatsendergruppe ProSiebenSat.1 ausgeschlossen hat: “Das ist ein guter Tag für die Beschäftigten des Senders und für die Medienvielfalt in Deutschland. In Italien hat Silvio Berlusconi die Medien seines Konzerns nach und nach zu politischen Instrumenten für seine eigene Partei umgebaut. Nicht auszudenken, was das für ProSiebenSat.1 hätte bedeuten können.”

2. Twitter macht API-Zugang kostenpflichtig – mit einer Woche Vorlaufzeit
(heise.de, Eva-Maria Weiß)
Twitter kappt mit einer Vorlaufzeit von einer Woche den kostenlosen Zugang zu seinen Schnittstellen (API). Das habe weitreichende Folgen, so Eva-Maria Weiß. Betroffen seien beispielsweise Analysedienste, die Tweets nach Trendthemen abseits der Twittertrends durchsuchen, sowie Social-Media-Tools, die von Redaktionen, Unternehmen und Influencern genutzt werden.
Weiterer Lesehinweis: Auf netzpolitik.org kommentiert Markus Reuter: “Das Unternehmen führt sich damit einmal mehr wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen auf. Denn mit seiner Entscheidung zerstört Twitter vermutlich Tausende Freizeit- und Non-Profit-Projekte, die auf die kostenlose Schnittstelle angewiesen sind. Doch unter Elon Musk betrachtet man derlei Folgen offenbar mit Achselzucken. Wenn überhaupt.”

3. Wie Erkenntnisse aus der Psychologie den Journalismus verbessern können
(bonn-institute.org, Margarida Alpuim & Katja Ehrenberg)
Beim Bonn Institute für Journalismus und konstruktiven Dialog gibt es zwei aufschlussreiche Aufsätze zum Thema “Psychologie im Journalismus”. Darin geht es darum, kognitive Filter und Denkfehler zu verstehen und zu vermeiden, sowie um die Macht der Sprache. Eine lohnenswerte Lektüre, auch für alle, die nichts mit der Medienbranche zu tun haben.

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4. Die Nachwuchssorgen der Kreativen
(faz.net, Helena Sophia Schäfer)
Laut einer Studie des medianet berlinbrandenburg gibt es in Berlin und Umgebung einen Fachkräftemangel in der Kreativwirtschaft. 80 Prozent der Medien-, Kreativ- und Digitalunternehmen hätten demnach Probleme, Fachkräfte zu finden, insbesondere in der Filmwirtschaft. Helena Sophia Schäfer begibt sich in ihrem Kommentar auf die Suche nach den Ursachen. Ihr Fazit: “Die Kreativität lebt, da können die besorgten Älteren ganz beruhigt sein. Nicht die Jungen sind spießig, sondern das Fernsehen der Alten ist es.”

5. Die Nominierten für den Goldenen Blogger 2023
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Die Goldenen Blogger bezeichnen sich selbst als “Deutschlands ältesten und wichtigsten Social Media- und Influencer-Award”. Die diesjährige Verleihung findet am 24. April in Düsseldorf statt, doch die Nominierten stehen bereits fest – darunter viele verdiente Online-Engagierte, die alle eine Auszeichnung verdient hätten.
Transparenzhinweis: Der “6-vor-9”-Kurator stand 2022 selbst auf der Nominierungsliste.

6. Die arme Frau
(twitter.com/topfvollgold, Mats Schönauer)
Wie viele Kinder haben Prinzessin Kate und Prinz William eigentlich? Yellow-Press-Kritiker Mats Schönauer vom “topfvollgold” hat nachgezählt und ist auf die erstaunliche Zahl von 336 gekommen. Und inzwischen dürften es noch mehr geworden sein …

Anti-Habeck-Kampagne, Poschardts Grenzen der Freiheit, KI greift an

1. “Unfähig & überfordert” – Die Kampagne der Bild gegen Robert Habeck
(kobuk.at, Nikolaus Fink)
Nikolaus Fink hat sich bei “Kobuk” angesehen, wie “Bild” über Wirtschaftsminister Robert Habeck berichtet. In den vergangenen Monaten habe die “Bild”-Redaktion eine heftige Kampagne gegen den Grünen-Politiker geführt: “Mehrmals pro Woche schrieb die Boulevardzeitung negativ über Habeck – und das nicht nur über seine politische Arbeit, sondern auch über ihn als Person. ‘Bild’ machte den 53-Jährigen zum Sündenbock für alles Mögliche, was in Deutschland schiefläuft, oder irgendwann in Zukunft einmal schieflaufen könnte.”
Siehe dazu auch unseren Beitrag: “Regierung-verschenkt”-Schlagzeile ist “Bild” nicht zu billig (bildblog.de, Moritz Tschermak).

2. Ulf Poschardt und die Grenzen der Freiheit
(medieninsider.com, Marvin Schade)
Ulf Poschardt, Chefredakteur der “Welt”, stilisiert sich gerne als Freiheitskämpfer, doch die Freiheit hat offenbar Grenzen, wenn es um ihn selbst geht. Poschardt soll sich über die Berichterstattung des Portals “Medieninsider” geärgert und intern damit gedroht haben, mögliche Informanten aus seiner eigenen Redaktion aufzuspüren. Marvin Schade kommentiert: “Poschardts Äußerungen sind aber nicht nur bemerkenswert, sondern besorgniserregend – für einen Journalisten im Allgemeinen, und für einen, der sich als Vorkämpfer der Pressefreiheit sieht, im Speziellen. Einschüchterungen zeugen vom Gegenteil eines liberalen Denkers.”

3. KI greift Medien an
(br.de, Christian Nitsche)
KI-Programme wie ChatGPT können nahezu jede Frage schnell und präzise beantworten und stellen damit mindestens eine Herausforderung, wenn nicht gar eine Bedrohung für traditionelle Medien dar, die ihre Rolle als Vermittler der Welt noch stärker zu verlieren drohen. Christian Nitsche geht in seiner Analyse den Fragen nach, wie Medien mit dieser veränderten Situation umgehen können, und was der Mensch der Maschine voraus hat: “Für welchen Service sind Menschen bereit zu zahlen? Sicher dafür, dass jemand die eigenen Bedürfnisse erkennt. Für Service und Problemlösungen. Für echte menschliche, nicht künstlich vorgetäuschte Wärme. Für Identität, die historisch gewachsen ist und nicht von Rechenmodellen erspürt werden kann. Leserinnen und Leser werden verstärkt nachsehen, ob ein Artikel ein Autorenprofil hat. Mensch oder Maschine?”

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4. Wie Medien beim Umgang mit der Klimakrise helfen können
(deutschlandfunk.de, Pia Behme & Sebastian Wellendorf, Audio: 7:19 Minuten)
Lea Dohm ist Mitinitiatorin der Psychologists and Psychotherapists for Future, einer Initiative von Psychologinnen, Psychotherapeuten und Psychologiestudierenden, die die Fridays-for-Future-Bewegung unterstützen. Im Deutschlandfunk spricht sie über Schwierigkeiten und Besonderheiten der Klimaberichterstattung: “Wie können wir so darüber berichten, dass die Menschen nicht dicht machen, sondern dranbleiben und bestenfalls auch irgendwie einen Beitrag leisten können?”

5. “Kleine Verlage wird es einfach bald nicht mehr geben”
(boersenblatt.net, Sandra Thoms)
In ihrem Kommentar im “Börsenblatt” warnt die Verlegerin Sandra Thoms vor dem Verschwinden kleiner Buchverlage. Viele Unternehmen seien durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen und Umsatzeinbußen in Schwierigkeiten geraten und hätten schließen müssen. Dies wirke sich negativ auf die Vielfalt der Buchbranche sowie auf thematische Innovationen aus. Thoms fordert, dass große Verlage und Buchhandlungen den kleinen, unabhängigen Verlagen mehr Aufmerksamkeit schenken und ihnen bessere Möglichkeiten des Marktzugangs bieten sollten.

6. Zweifel und Verzweiflung
(sueddeutsche.de, Philipp Riessenberger)
Für Philipp Riessenberger ist die australische Journalistenserie “Die Newsreader” eine “großartig besetzte Ensemble-Serie mit gesellschaftlicher Relevanz”. Sie thematisiere auch gesellschaftliche Realitäten in der Arbeitswelt wie Rassismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit und sei ein gelungenes Panorama der 80er-Jahre (die sechsteilige Serie ist noch bis zum Mai in der Arte-Mediathek zu sehen).

Aus dem Katapult geschleudert, Fest ohne Feste, Kleine Anfrage zu “Libra”

1. Benjamin Fredrich tritt wegen “Katapult Ukraine” zurück, um “Katapult Ukraine” zu machen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Es klingt seltsam, ist aber wahr: “Katapult”-Geschäftsführer und -Chefredakteur Benjamin Fredrich tritt wegen “Katapult Ukraine” zurück, um sich verstärkt bei “Katapult Ukraine” zu engagieren. Dem vorausgegangen waren zahlreiche Vorwürfe, die “Übermedien” Anfang der Woche veröffentlicht hatte (nur mit Abo lesbar). Fredrich hat daraufhin seinen Rückzug angekündigt, der gleichzeitig ein Neuanfang sein soll.

2. Die letzten Jahre der gedruckten Zeitungen
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz beschreibt den Niedergang der gedruckten Tageszeitungen und argumentiert, dass diese an einem “Kipppunkt” angekommen seien. Gründe für den Niedergang seien das veränderte Leseverhalten, die hohen Preise und die ausgedünnten Inhalte. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Printmedien eines Tages verschwinden werden: “Ob das ein Verlust für die publizistische Landschaft sein wird, hängt davon ab, was danach kommen wird. Aber dass ein heute noch jüngeres Publikum jemals der bräsigen Zweifaltigkeit aus regionalen Tageszeitungen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinterher trauert, dafür fehlt mir aktuell jede Vorstellungskraft.”

3. “Humor hat viel mit Macht zu tun”
(taz.de, Doris Akrap)
Seit 100 Tagen steht Julia Mateus als Chefredakteurin an der Spitze des Satiremagazins “Titanic”. Im “taz”-Interview zieht sie eine (ironische) Zwischenbilanz und spricht über ihre Exit-Strategie: “Ich möchte so eine Reggae-Hexe mit grauhaarigen Dreads und Gottkomplex werden, die auf Festivals selbstgebackenen Kuchen und Holzschmuck feilbietet.”

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4. Fest ohne Feste
(deutschlandfunkkultur.de, Christian Berndt, Audio: 5:25 Minuten)
Filmfestivals brauchen engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber die Jobs in der Filmbranche sind oft schlecht oder gar nicht bezahlt. Darunter leiden auch die Filmfestivals. Im Deutschlandfunk Kultur sprechen Ludwig Sporrer von der AG Filmfestival und die Gewerkschafterin Kathlen Eggerling über die schwierige Situation und überlegen, was man besser machen könnte.

5. Skandalös staatsnaher Journalismus?
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Wie im Dezember in den “6 vor 9” zu lesen war, ist mit “Libra” ein staatsnahes Juristenmedium und journalistisches Informationsportal entstanden. Für Jochen Zenthöfer taten sich an dieser und dieser Stelle bereits Fragen auf, welche die Verquickung von Staat und Medium betreffen. Nun hat die CDU/CSU-Fraktion eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, wobei der Begriff “Klein” in diesem Fall etwas irreführend ist: Es handelt sich um einen Fragenkatalog mit über einhundert Fragen.

6. Das vorletzte Nashorn
(spiegel.de, Julia Stanek)
Eine beeindruckende Auswahl preisgekrönter Reisefotografie ist beim “Spiegel” zu sehen. Grundlage sind die Siegerfotos des Travel Photographer of the Year Awards.

Verkehrte Parallelmedienwelt, TikTok macht gut Wetter, Messerattacken

1. Verkehrte Parallelmedienwelt
(journalist.de, Matthias Meisner)
Der freie Journalist Matthias Meisner beschäftigt sich immer wieder mit dem Spektrum der “alternativen” oder “freien Medien” und gerät dabei selbst ins publizistische Schussfeld: “Tichys Einblick sieht in mir einen ‘Desorientierungsspezialisten’. Der Blogger Boris Reitschuster nennt mich ‘Karl-Lauterbach-Fan’ – und meint das nicht nett. Das Portal Telepolis setzt meine Berufsbezeichnung ‘Journalist’ in Gänsefüßchen. Vom Magazin Cicero bekomme ich den Titel ‘publizierender Aktivist’. Die NachDenkSeiten schreiben, ich sei bekannt für meine ‘intriganten Artikel gegen Sahra Wagenknecht’.”

2. Offizielle (!) Zahl der Messer-Attacken halb so hoch wie die sog. Experten
(volksverpetzer.de, Tobias Wilke)
In verschiedenen Medien war zeitweise von einer Zahl von Messerattacken in Deutschland zu lesen, die deutlich zu hoch ist und somit nichts mit der Realität zu tun hat. Tobias Wilke hat sich in seiner Analyse auf die Suche nach den Ursachen gemacht. Eine ist relativ einfach: “Dass Kriminalitätszahlen aus verschiedenen Bundesländern lieber nicht verglichen werden sollten, solange das BKA diese nicht ‘ausgesiebt’ und vereinheitlicht hat, ist leider keine Ausnahme. Wer es dennoch selbst versucht, vergleicht Äpfel mit Birnen und Mettbrötchen und erhält eine dementsprechend sinnfreie Gesamtsumme.”

3. TikTok-Chef wird im US-Kongress aussagen
(spiegel.de)
Die App TikTok des chinesischen Konzerns ByteDance steht in den USA seit geraumer Zeit in der Kritik. Sogar von einem Verbot war immer wieder die Rede. Nun hat das Unternehmen mit einer Lobbykampagne reagiert, die die Bedenken in den USA zerstreuen soll: TikTok bietet an, die Daten dortiger Nutzerinnen und Nutzer bei einem US-Provider zu speichern, die Moderationspolitik zu überarbeiten und die Empfehlungsalgorithmen zu überprüfen.
Weiterer Lesetipp: “Kauft den Schrott nicht!”: Auf Tiktok geht gerade “Deinfluencing” durch die Decke (omr.com, Roland Eisenbrand).

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4. Russischer Exiljournalismus: Beeindruckender Mut und große Sorgen
(br.de, Linus Lüring & Leon Wohlleben, Audio: 28:58 Minuten)
Hunderte russische Medienschaffende hätten wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber Wladimir Putin und dem Krieg gegen die Ukraine Russland verlassen müssen. Viele von ihnen würden nun trotz schwieriger Bedingungen mit bemerkenswerter Professionalität und Kreativität aus dem Ausland weiter berichten. Linus Lüring und Leon Wohlleben sprechen mit Tamina Kutscher (Chefredakteurin von dekoder.org), Polina Stretter (Programmdirektorin beim JX Fund) und Valeria Ratnikova (Moderatorin beim TV-Sender Doschd).

5. Gefährlicher Präzedenzfall
(taz.de, Reinhard Wolff)
Zwei Journalisten der finnischen Zeitung “Helsingin Sanomat” wurden wegen der “Offenlegung von Staatsgeheimnissen” schuldig gesprochen. Dabei ging es um eine Recherche aus dem Jahr 2017 zu einem Gesetzesentwurf, der den Sicherheitsdiensten erweiterte Überwachungsbefugnisse einräumen sollte. Der Chefredakteur der Zeitung bezeichnete das Urteil als Angriff auf die Pressefreiheit in Finnland, da es eine abschreckende Wirkung auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten habe, wenn sie inhaftiert werden könnten.

6. 100 Jahre Radio – Zur Geschichte und Zukunft des Hörfunks
(ardaudiothek.de, Norbert Lang, Audio: 44:18 Minuten)
Das Radio wurde schon oft totgesagt, doch immer noch hört mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland täglich Radio. Was macht das Medium aus? Und wie wird es sich in Zukunft verändern? Darüber diskutiert Norbert Lang mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Golo Föllmer, der SWR-Hörfunkjournalistin Sandra Müller und dem Literatur- und Medienwissenschaftler Andreas Stuhlmann.

Ohne Loser, aber mit Werbung für die Wunderwaffe gegen Hautalterung

Wenn vier prominente Frauen sich treffen, offen über ihr Single-Dasein plaudern und von ihrer Männersuche erzählen, dürfte das für ein Boulevardmedium ein großes Geschenk sein. Selbstverständlich hat sich “Bild”-Chefreporterin Iris Rosendahl diese Geschichte nicht entgehen lassen:

Screenshot Bild.de - Ruland, Ahrens, Halmich und Bülter im Girls-Talk - Wir wollen keine Loser

Sie gehen zusammen auf Partys, fahren teils zusammen in den Urlaub und sind seit vielen Jahren miteinander befreundet: die Schauspielerinnen Tina Ruland und Mariella Ahrens, Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich und Moderatorin Tanja Bülter.

Und alle eint, dass sie aktuell Single sind. Sie lachen, tuscheln und rechnen, als BILD am SONNTAG die vier darauf anspricht. Dann steht das Ergebnis fest. “Zusammen sind wir 15 Jahre Single”, sagt Tina Ruland.

Vorab musste natürlich noch die Frage geklärt werden, wo das Lach-und-Tuscheltreffen stattfinden könnte. Aber auch dafür gab es eine Lösung:

Zusammen machte das Berliner Freundinnen-Quartett einen Ausflug nach Werder (Havel, Brandenburg) (…) Dort traf BamS die Vier zum exklusiven Interview.

Praktisch.

Ohne unsere Auslassung lautet die Passage im Bild.de-Artikel übrigens so:

Zusammen machte das Berliner Freundinnen-Quartett einen Ausflug nach Werder (Havel, Brandenburg), testete dort ein neuartiges Anti-Aging-Lasersystem PicoSure Pro (eins von drei in Deutschland!) in der Privatpraxis von Dr. med Jasmin Last. Hollywood schwört bereits auf die Wunderwaffe im Kampf gegen die Hautalterung.

Dort traf BamS die Vier zum exklusiven Interview.

Im gesamten Beitrag gibt es keine einzige inhaltliche Verbindung zum “neuartigen Anti-Aging-Lasersystem”, keine zu der Privatpraxis, zum Thema Hautalterung oder zur “Wunderwaffe im Kampf” dagegen. Zu Hollywood gäbe es die Verknüpfung, dass mit Tina Ruland und Mariella Ahrens zwei Schauspielerinnen in der Runde dabei sind, und in Hollywood auch geschauspielert wird. Das wäre es dann aber auch. Es gibt nur diese zwei Absätze, die so überraschend und brachial daherkommen, dass man wohl nicht mehr von Schleichwerbung, sondern von Trampelwerbung sprechen müsste. Dazu noch ein Foto der vier Freundinnen und der Ärztin, die lächelnd um das “eins-von-drei-in-Deutschland-!”-Lasersystem stehen, von der “Bild”-Chefreporterin eigenhändig aufgenommen:

Screenshot Bild.de - Foto von Ruland, Ahrens, Halmich und Bülter neben der Ärztin und der  mit der Bildunterschrift - Die Freundinnen testeten das Anti-Aging-Lasersystem PicoSure Pro bei Dr. med. Jasmin Last (35, ganz links). Die Ärztin für Ästhetische Medizin zu BamS: Wer mit seinem eigenen Gesicht verzögert und natürlich älter werden möchte, ist bei mir richtig. Der Laser hilft bei der Hautverjüngung, Narben und Pigmentreduzierung.

Nach dem eingeschobenen, nicht gekennzeichneten Werbeblock für die Praxis geht es zusammenhangslos wieder um die Partnersuche der vier Promi-Frauen:

(…) Hollywood schwört bereits auf die Wunderwaffe im Kampf gegen die Hautalterung.

Dort traf BamS die Vier zum exklusiven Interview.

Gegen einen neuen festen Partner hätten aber alle vier nichts einzuwenden. Doch der muss auch ins Profil passen.

Und so weiter.

In der gedruckten “Bild am Sonntag” ist der Artikel ohne die Passage zu “PicoSure Pro” und das Foto erschienen. Dort geht es nur um die vier Freundinnen und ihr Single-Leben.

Mit Dank an Bastian für den Hinweis!

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“Bild”-Bericht teils rechtswidrig, Im Dienste ihres Kanzler, Rote Armee

1. Bild-Bericht über Tod von Lisa Mar­tinek teils rechts­widrig
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bestätigt, dass Trauer und Angst um einen nahen Angehörigen durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht geschützt sind. Eine Berichterstattung über eine solche Gefühlslage verletze das Persönlichkeitsrecht des Angehörigen auch dann, wenn seine Gefühlswelt nur “zwischen den Zeilen” wiedergegeben werde. Gleichzeitig kann ein berechtigtes Informationsinteresse der Öffentlichkeit an den Umständen des Todes eines Menschen bestehen. Zum Hintergrund: Ein Kläger, der Ehemann der verstorbenen Schauspielerin Lisa Martinek, hatte den Axel-Springer-Verlag auf Unterlassung der “Bild”-Berichterstattung über den Tod seiner Frau verklagt und vom BGH teilweise Recht bekommen.

2. Im Dienste ihres Kanzlers
(taz.de, Sebastian Erb)
Die Digitalkonferenz “Republica” konnte im vergangenen Jahr einen prominenten Gast gewinnen: den amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz. Die bekannte Moderatorin Linda Zervakis sprach mit ihm über “Digitalpolitik in Zeiten des Umbruchs”. Im Nachhinein wurde Kritik laut, dass das Gespräch zu freundlich und unkritisch gewesen sei. Nun stellt sich heraus, dass Zervakis offenbar direkt vom Kanzleramt und nicht vom Veranstalter der Konferenz ausgewählt und als Moderatorin des Talks engagiert wurde.

3. US-Behörden werfen Iran geplanten Auftragsmord an Journalistin vor
(zeit.de)
Die US-Justizbehörden haben die Festnahme von drei Männern bekannt gegeben, die an einem vom Iran unterstützten Mordkomplott gegen die Journalistin Masih Alinejad beteiligt gewesen sein sollen. Die drei Männer seien Mitglieder einer osteuropäischen kriminellen Vereinigung mit Verbindungen zum Iran. Alinejad, die in der Vergangenheit iranische Frauen ermutigt hatte, ihr Kopftuch abzulegen, werde von iranischen Behörden die “Verbreitung von Hass” vorgeworfen.

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4. Wie Big Oil mit Big Tech Klima-Desinformation streut
(futurezone.at, Tina Wirnsberger)
Das Bündnis Climate Action Against Desinformation hat einen Bericht veröffentlicht (PDF), der gezielte Klima-Desinformation während der UN-Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh (COP27) aufdecke. Der Bericht zeige, dass Unternehmen aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe während der COP27 rund 4 Millionen US-Dollar in bezahlte Werbung auf Facebook und Instagram investiert hätten, um irreführende Behauptungen über die Klimakrise zu verbreiten.

5. Moderatorin verwechselt Rote Armee mit RAF
(spiegel.de)
Nachrichtenmoderatorin Franca Lehfeldt hat mit einem Fehler zum Holocaust-Gedenktag für Spott und Häme gesorgt. Sie sagte beim TV-Sender “Welt”: “Heute vor 78 Jahren befreite die Rote Armee Fraktion die Überlebenden des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz”, was nicht korrekt ist, denn es handelte sich bei den Befreiern um Soldaten der UdSSR, also die Rote Armee, und nicht um die erst deutlich später gegründete linksextremistische Terrorgruppe Rote Armee Fraktion. Lehfeldt ist “Welt”-Chefreporterin und mit dem FDP-Bundesvorsitzenden und Bundesfinanzminister Christian Lindner verheiratet.
Weiterer Lesetipp: Lehfeldt klagt über “Welle von Häme und Sexismus” (dwdl.de, Alexander Krei).

6. “Ich bin ein Star” und die Hodendämmerung im Dschungel
(dwdl.de, Peer Schader)
“Nach 16 ‘Ich bin ein Star’-Staffeln wirkt nicht nur die Inszenierung der berüchtigten Essensprüfungen völlig aus der Zeit gefallen; auch der Effekt des Verzehrs von Schweinepenis, Krokodilaugen und Bullenhoden hat sich längst erschöpft.” Peer Schader plädiert dafür, die Ekelprüfungen beim “Dschungelcamp” abzuschaffen und wendet sich direkt an RTL: “Hör endlich auf mit den überflüssigen Essensprüfungen. Sonst bleibt dir vielleicht aus Versehen irgendwann vor lauter Gewiehere der vegane Räucherlaxx deines Sponsors im Halse stecken.”
Lesenswert ist auch Imre Grimms Beitrag “Wie RTL nett werden wollte – und grandios scheiterte”: “RTL wollte endlich weg vom alten Krawallimage: Man schmiss Dieter Bohlen raus und förderte freundliche Formate. Jetzt ist Bohlen wieder DSDS-Chef – und auch im Dschungel ist Radau wie immer. Stattdessen musste der Mann gehen, der das ‘neue RTL’ erfand.” (rnd.de)
Und noch ein Hörtipp: Im “Übermedien”-Podcast sprechen Holger Klein und Samira El Ouassil über Dieter Bohlens “Rückfall ins sexistische Steinzeitfernsehen bei DSDS” (Audio: 34:47 Minuten). Hörenswert auch wegen El Ouassils vielen guten Gedanken zur Entwicklung des Trash-TV.

KW 04/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Inside Hauptstadtstudio
(deutschlandfunk.de, Tom Schimmeck, Audio: 1:11:26 Stunden)
Beim “Politikpodcast” des Deutschlandfunks (Dlf) gibt es eine Sonderfolge: Anlässlich der 300. Ausgabe hat der preisgekrönte Reporter und Feature-Autor Tom Schimmeck das Team des Dlf-Hauptstadtstudios in Berlin besucht und bei der Arbeit beobachtet. Hörenswert!

2. Khesrau Behroz in der Hörbar Rust
(radioeins.de, Bettina Rust, Audio: 1:27:22 Stunden)
In der “Hörbar Rust” begrüßt Gastgeberin Bettina Rust den Journalisten und Podcastproduzenten Khesrau Behroz, der vor allem wegen seiner bemerkenswerten Produktionen wie “WTF happened to Ken Jebsen?” oder “Wer hat Angst vorm Drachenlord?” bekannt ist.

3. Exitstrategie AI
(logbuch-netzpolitik.de, Tim Pritlove & Linus Neumann, Audio: 1:59:44 Stunden)
Beim “Logbuch:Netzpolitik” sprechen Tim Pritlove und Linus Neumann über mehrere medienrelevante Themen: über die Copyright-Problematik bei Künstlicher Intelligenz und die Möglichkeit, Kreative finanziell zu beteiligen, über den fortschreitenden Niedergang von Twitter und über die Frage, warum “linke Links” gefährlich sein können, wie man an der Razzia bei Radio Dreyeckland sehen könne.
Weiterer Hörtipp: In der neuesten Folge von “Studio Komplex” geht es um die drohende “KI-Apokalypse” und die Frage: “Wird die KI uns Menschen überflüssig machen?” (hr-inforadio.de, Anne-Katrin Eutin, 54:22 Minuten)

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4. Das Ringen um Wahrheit – Die Räumung von Lützerath und die Medien
(ardaudiothek.de, Brigitte Baetz, Audio: 33:30 Minuten)
War die Berichterstattung über die Räumung von Lützerath unvollständig und teilweise einseitig, wie von einer Deutschlandfunk-Hörerin behauptet? Darüber diskutieren mit ihr Landeskorrespondentin Felicitas Boeselager, Umweltredakteur Georg Ehring und Brigitte Baetz aus der Medienredaktion des Senders.

5. 40 Jahre Medienpolitik: von Leo Kirch bis Künstliche Intelligenz
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 32:00 Minuten)
Im BR24-Medienmagazin unterhält sich Nina Landhofer mit der Medienjournalistin Sissi Pitzer, die das Medienmagazin 26 Jahre verantwortet hat. In dem Gespräch geht es um die Entwicklungen der Medienlandschaft der vergangenen Jahrzehnte – von Leo Kirch bis zur Künstlichen Intelligenz.

6. Der erste Film
(geschichte.fm, Daniel Meßner & Richard Hemmer, Audio: 50:52 Minuten)
Bei den “Geschichten aus der Geschichte” überraschen sich zwei geschichtsbegeisterte Podcaster Woche für Woche mit einer interessanten historischen Episode. Diesmal geht es um Louis Le Prince, der die ersten überlieferten Bewegtbilder der Filmgeschichte drehte: “Wir sprechen über die Geschichte des Films, wie Le Prince überhaupt auf die Idee kam, eine Filmkamera zu entwickeln, und wie Thomas Edison schließlich zum Begründer der Filmindustrie wurde – obwohl er seine Kameras William Dickson zu verdanken hatte.”

Neue Gehaltsexzesse beim RBB, Aufstand bei Beck, “Welt”-Vorwürfe

1. Aufstand beim C.-H.-Beck-Verlag
(tagesschau.de, Silvio Duwe & Daniel Laufer & Lisa Wandt)
Wie vergangene Woche in den “6 vor 9” zu lesen war, hat Hans-Georg Maaßen seinen Vertrag als Mitautor des im Verlag C. H. Beck erscheinenden Kommentars zum Grundgesetz gekündigt. Bei Tagesschau.de ist zu lesen, welchen Einfluss dabei offenbar die Beck-Belegschaft hatte: “Nach Kontraste-Recherchen führte offenbar ein Aufstand in der Belegschaft dazu, dass sich der C.-H.-Beck-Verlag von seinem Autoren Maaßen trennen wollte. Ex-Verfassungsschutzchef und CDU-Mitglied Maaßen kam dem mit einer Kündigung zuvor.”
Hier das dazugehörige Video der “Kontraste”-Redaktion: Die Radikalisierung des Hans-Georg Maaßen (ardmediathek.de, 6:36 Minuten).

2. Neue Gehaltsexzesse beim RBB: Öffentlich-rechtlicher Sender lässt Auszahlung eines ARD-Bonus an die Ex-Geschäftsleitung juristisch prüfen
(businessinsider.de, Jan C. Wehmeyer)
Der “Business Insider”, der sich bereits um die Aufklärung zahlreicher Missstände beim RBB verdient gemacht hat, hat eine weitere Sonderbarkeit entdeckt: Die RBB-Spitze um die damalige Intendantin Patricia Schlesinger habe ab Mitte 2021 neben Gehalt und Bonuszahlungen noch eine zusätzliche ARD-Zulage von mindestens 1.700 Euro pro Monat kassiert. Derartige Sonderzahlungen seien aber unüblich und intern offenbar nicht genehmigt gewesen. Der RBB lasse den Vorgang nun juristisch prüfen.

3. Vorwürfe gegen Springer-Chef Döpfner
(faz.net, Sara Wagner)
Wie am Dienstag in den “6 vor 9” bereits zu lesen war, kündigte der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in einem Interview mit der dpa Änderungen bei “Bild” und “Welt” an, die mindestens mit einer “Personalumschichtung” einhergehen würden. Dies trifft auf der Gegenseite anscheinend auf wenig Gegenliebe: Der “FAZ” liege ein interner offener Brief des “Welt”-Betriebsrats vor, in dem sich dieser bei Döpfner über dessen Form der Kommunikation beschwert.

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4. Streik beim rbb!
(djv-berlin.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband Berlin JVBB hat die Beschäftigten des RBB für heute zu einem Warnstreik aufgerufen. Demnach seien “alle festangestellten und arbeitnehmerähnlichen freien Journalist:innen sowie die Volontär:innen” aufgefordert, in der Zeit von 4:30 Uhr bis 22:30 Uhr die Arbeit niederzulegen. Hintergrund sind die Verhandlungen in der aktuellen Tarifrunde.

5. Mehr Recherche im Rundfunk – jetzt!
(journalist.de, Daniel Drepper)
Der Journalist Daniel Drepper leitet die Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”. In seinem Beitrag beim “journalist” erklärt er, wie wichtig, aber auch wie aufwändig investigativer Journalismus sei. Es brauche ganze Teams kluger Reporterinnen und Reporter mit Rückendeckung und Freiheiten: “Wenn ich möchte, dass diese Reporterinnen wichtige Diskussionen in der Gesellschaft anstoßen, wenn ich möchte, dass sich diese Reporterinnen für uns alle in den Wind stellen – dann muss ich als Sender investieren und dann muss ich mich als Sender etwas trauen.”

6. Landgericht Oldenburg stärkt Auskunftsrechte
(blogs.taz.de)
In ihrem Hausblog berichtet die “taz” über einen gewonnenen Rechtsstreit gegen Deutschlands fünftgrößten Energiekonzern, die EWE AG. Das Unternehmen müsse laut einem Urteil des Landgerichts Oldenburg einem “taz”-Redakteur Auskunft über seine Spendenpraxis erteilen. Die Entscheidung sei ein gutes Signal an Journalistinnen und Journalisten, beharrlich zu bleiben und sich nicht so schnell abspeisen oder einschüchtern zu lassen, so der Anwalt der “taz”.

Drohender NDR?, Rückkehr des Holocaust-Leugners, “Sesamstraße”

1. Bundesverwaltungsgericht weist RSF-Klage zurück
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage von Reporter ohne Grenzen (RSF) gegen den Einsatz sogenannter Staatstrojaner durch den Bundesnachrichtendienst als unzulässig zurückgewiesen. Die NGO sei nicht selbst betroffen und daher nicht klageberechtigt. Nun habe das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das letzte Wort, denn RSF wolle Verfassungsbeschwerde einlegen.

2. Warum wir unser Corona-Dashboard nach knapp drei Jahren von der Homepage nehmen
(blog.zeit.de, Christian Endt & Elena Erdmann & Julius Tröger)
Vor etwa drei Jahren installierte “Zeit Online” auf der eigenen Startseite das sogenannte “Corona-Dashboard”, auf dem sich Inzidenzen, Todesfälle, Krankenhausbelegungen und Impfquoten aus Deutschland und der Welt ablesen lassen. Nun beendet die Redaktion die prominente Platzierung der Zahlen und nimmt das Dashboard von der Homepage.

3. “Die Akte Scholz”-Autoren Schröm und Hollenstein: Der NDR hat mit juristischen Schritten gedroht
(kress.de, Wolfgang Messner)
Der Mediendienst “Kress” veröffentlicht Auszüge aus dem aktuellen “Wirtschaftsjournalist”, in dem die beiden CumEx-Aufdecker Oliver Schröm und Oliver Hollenstein schwere Vorwürfe gegen den Norddeutschen Rundfunk erheben. Der öffentlich-rechtliche Sender habe kurz vor Erscheinen des Buchs von Schröm und Hollenstein mit juristischen Schritten gedroht, wenn er nicht vorab Einblick in das Manuskript bekäme. Das sei “ein beispielloser Fall” und die “allergrößte Keule, die man gegen so ein Buch herausholen kann”, so einer der Autoren. Im “Kress”-Artikel kommt auch der NDR zu Wort.

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4. Twitter gibt Holocaust-Leugner sein Konto zurück
(spiegel.de)
Twitter hatte den Rechtsextremisten Nick Fuentes im Juli 2021 eigentlich dauerhaft verbannt, da dieser fortwährend gegen die Regeln der Plattform verstoßen habe. Unter Elon Musk gilt dies anscheinend nicht: Das Konto des Mannes, der Adolf Hitler schon mal als “richtig coolen Typen” bezeichnet habe, ist wieder freigeschaltet.
Weiterer Lesehinweis: Meta lässt Trump wieder herein: “Der Internetkonzern hebt die Sperre für den früheren Präsidenten auf Facebook und Instagram auf – warnt aber, dass er bei schlechtem Benehmen wieder suspendiert werden könnte.” (faz.net, Roland Lindner)

5. Künstliche Intelligenz im Journalismus
(netzwerk-medienethik.de, Jessica Heesen)
Das Whitepaper “Künstliche Intelligenz im Journalismus. Potenziale und Herausforderungen für Medienschaffende” zeigt mögliche Einsatzformen für KI in Redaktionen und Medienhäusern. Grundlage des Papiers sei ein Workshop mit Journalistinnen und Journalisten im Juli 2022 gewesen, dessen Ergebnisse in die Handlungsempfehlungen eingeflossen seien. Das Whitepaper steht zum kostenfreien Download zur Verfügung (PDF).

6. “Sesamstraße”-Erfinder Lloyd Morrisett ist tot
(sueddeutsche.de)
Lloyd Morrisett, Miterfinder der “Sesamstraße”, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Seine Geschäftspartnerin, die TV-Produzentin Joan Ganz Cooney, habe sich in einem Statement wie folgt geäußert: “Ohne Lloyd Morrisett würde es die Sesamstraße nicht geben. Er war es, der als Erster auf die Idee kam, Vorschulkindern über das Fernsehen grundlegende Fähigkeiten wie Buchstaben und Zahlen beizubringen. Er war mir über 50 Jahre lang ein zuverlässiger Partner und treuer Freund, und wir werden ihn schmerzlich vermissen.”

“KEIN FOTOCREDIT!”

Im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren wurde vor zwei Wochen eine Lehrerin an einer Berufsschule mit mehreren Messerstichen getötet. Als tatverdächtig gilt ein Schüler, der selbst die Polizei gerufen hat, bislang aber zur Tat schweigen soll.

In den “Bild”-Medien kann man seitdem beobachten, wie rücksichtslos sich eine Redaktion mit ihrer Berichterstattung allen gegenüber verhalten kann – dem Opfer und dessen Familie, den Schülerinnen und Schülern, den Gästen beim Trauergottesdienst.

Bereits zwei Tage nach der Tat zeigte Bild.de in einem Artikel (auf jegliche Verlinkungen verzichten wir bewusst) ein Foto des Opfers und eines des Tatverdächtigen. Das Bild der Lehrerin sieht so aus, als hätte der “Bild”-Fotograf ein öffentlich zugängliches Gruppenportrait abfotografiert. “Bild” zeigt die Frau ohne jegliche Unkenntlichmachung.

Genauso den Tatverdächtigen. Den scheint derselbe Fotograf aus größerer Entfernung aufgenommen zu haben. Der 17-Jährige trägt auf dem Bild zwar einen Mundschutz, auf eine Verpixelung oder einen Augenbalken hat die “Bild”-Redaktion allerdings verzichtet. Der Minderjährige ist eindeutig zu erkennen.

Offenbar haben “Bild”-Reporter auch die Schülerinnen und Schüler der Berufsschule in Ibbenbüren behelligt. Im Artikel zitieren sie eine “Schülerin” mit einer Aussage “zu BILD” und einen “Jugendlichen” mit einer Aussage “zu BILD”. Dass sich auch diese teils minderjährigen Personen in einem Ausnahmezustand befinden dürften, wissen die “Bild”-Reporter. In einem früheren Artikel zum selben Fall schrieben sie:

Ein Sprecher der Bezirksregierung in Münster am Mittwoch: “Der Unterricht ist abgesagt, aber die Schule bleibt geöffnet.” Damit sei gewährleistet, dass die Schüler eine Anlaufstelle haben.

Ein Krisen-Interventions-Team, Schulpsychologen und Notfallseelsorger seien vor Ort

Am vergangenen Freitag fand in einer Kirche in Ibbenbüren die Trauerfeier für die getötete Lehrerin statt. Auch darüber berichtete “Bild”:

Obwohl die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war, behielt die Trauerfeier einen sehr stillen und privater Charakter.

So “still” und “privat” wie eine Trauerfeier eben sein kann, wenn vor der Tür ein “Bild”-Fotograf lauert und Fotos von den Trauernden macht. Drei Fotos sind im Bild.de-Artikel eingebettet. Zwei davon – eine Nahaufnahme des Autos, mit dem der Sarg der Lehrerin zur Kirche gebracht wurde, und eine Nahaufnahme von trauernden Menschen (immerhin mit verpixelten Gesichtern), die sich in den Armen liegen – hat die “Bild”-Redaktion, vermutlich aus Versehen, mit einem verräterischen Fotocredit versehen:

Screenshot Bild.de - Bildunterschrift des einen Fotos - Am frühen Nachmittag erreicht der Sarg der Lehrerin die Christus-Kirche in Ibbenbüren - dazu der Fotocredit Foto: KEIN FOTOCREDIT!
Screenshot Bild.de - Bildunterschrift des zweiten Fotos - Die Trauernden spenden sich gegenseitig Trost - dazu der Fotocredit Foto: KEIN FOTOCREDIT!

Offenbar war auch den “Bild”-Leuten klar, dass niemand namentlich mit der fotografischen Belästigung von Trauergästen in Zusammenhang gebracht werden möchte.

Mit Dank an Tihomir für den Hinweis!

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BILDblog-Klassiker

KW10: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Bromance auf dem Schrottkahn
(deutschlandfunkkultur.de, Timo Grampes, Audio: 9:18 Minuten)
In vier Folgen kann man derzeit auf Netflix verfolgen, wie der Heimwerker-Youtuber Fynn Kliemann und der Entertainer Olli Schulz das alte Hausboot des verstorbenen Sängers Gunter Gabriel wieder flottmachen. Die Medienwissenschaftlerin Maren Haffke hat sich die Mini-Serie angeschaut und legt einen Verriss zum Niederknien hin. Absolute Hörempfehlung!

2. Wolfgang M. Schmitt & Ole Nymoen, welche Ideologie verkörpern Influencer?
(influence.podigee.io, Alina Ludwig, Audio: 1:45:19 Stunden)
Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen betreiben den kapitalismuskritischen Podcast “Wohlstand für alle”. Vor wenigen Tagen ist ihr Buch über Influencer erschienen: “Influencer – Die Ideologie der Werbekörper”. Die Expertin für Influencer-Marketing und Podcasterin Alina Ludwig hat sich die beiden in ihren Podcast eingeladen und spricht mit ihnen über die Kernthesen ihres Buchs.

3. Rechte Propaganda im Bürgerblatt
(youtube.com, Zapp, Video: 11:41 Minuten)
Ein ehemaliger Bundesvorsitzender des NPD-Jugendverbandes Junge Nationalisten und selbsternannter Nationalsozialist verteilt in seiner Gemeinde eine harmlos wirkende Postille: Das “Groß Kramser Blättchen”. Was ist die Strategie dahinter? Und was passiert, wenn die Nachbarn sich wehren? “Zapp”-Reporter Hans Jakob Rausch hat sich auf den Weg nach Groß Krams gemacht und mit den verschiedenen Seiten gesprochen.

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4. Geht der Clubhouse-Boom zu Ende?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:24 Minuten)
Die Chat-App Clubhouse erlebte für einige Zeit einen unglaublichen Hype. Viele Medien und Medienschaffende entdeckten Clubhouse für sich, die künstliche Verknappung durch das “Invite”-System steigerte die Attraktivität. Inzwischen hat sich die Aufregung etwas gelegt. Wie wird es mit der App weitergehen? Was dürfen wir generell von Social Audio erwarten? Darüber hat sich Christian Jakubetz mit dem Onlinejournalisten und Technologie-Experten Martin Hoffmann unterhalten. Nicht auf Clubhouse, sondern geradezu klassisch via Webcam.

5. Was macht gute Podcasts aus?
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Serafin Dinges, Audio: 45:02 Minuten)
Beim Hintergrund-Podcast von netzpolitik.org geht es – ganz metamäßig – um das Thema Podcasts: Was ist der Unterschied zwischen Feature-Podcasts und Laber-Podcasts? Wie unterhaltsam dürfen Info-Podcasts sein? Und welche Auswirkungen hat Spotify auf die freie Podcast-Szene?

6. So lächerlich blasen Medien das Interview auf
(youtube.com, Walulis Daily, Video: 7:39 Minuten)
Philipp Walulis schaut sich die Medienreaktionen auf das Oprah-Interview mit Meghan und Harry an. Wie immer mit dem satirischen Blick aufs Absurde.

Moskau droht Deutschland wg. RT, Wikipedia wird 20, Zu wenig Frauen

1. Moskau droht Deutschland mit “harten Gegenmaßnahmen” wegen Umgang mit Sender RT
(sueddeutsche.de)
Russlands Außenministerium beklagt, dass deutsche Banken die Eröffnung eines Geschäftskontos für den staatlichen TV- und Youtube-Kanal RT (früher Russia Today) ablehnen würden. Im Hintergrund schwelt offenbar ein Konflikt um die Pläne des russischen Staatskonzerns, RT zu einem vollwertigen deutschsprachigen TV-Sender auszubauen.

2. 200-Mio-Förderung: BDZV kritisiert Vorgaben der Politik
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Bundesregierung hat ein 220 Millionen Euro schweres Förderprogramm für die deutsche Print-Landschaft aufgelegt. Die Richtlinie sei laut Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) jedoch “nicht sinnvoll durchführbar”. Die Vorgaben seien unpraktikabel und daher abzulehnen. Sie müssten dringend geändert werden, so der BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.

3. Julian Reichelt: Halali auf “Bild”-Chefredakteur
(ndr.de, Katrin Schmidt)
Bei “Zapp” kommentiert Medienwissenschaftlerin Elisabeth Prommer das Betriebsklima bei “Bild”, unter dem anscheinend besonders Frauen leiden müssen: “Was wir ja schon verfolgen konnten, ist das in den letzten Jahren weibliche Chefredakteurinnen, Co-Chefredakteurinnen, den Konzern verlassen haben, und das wirkte dann – auch wenn nicht darüber geredet wird – schon so ein bisschen so: Die sind irgendwie rausgedrängt, rausgeekelt worden.”

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4. Frauen sind an den Redaktionsspitzen noch immer unterrepräsentiert
(de.ejo-online.eu, Tina Bettels-Schwabbauer)
Das Reuters Institute hat sich die Führungsstrukturen von Medien in verschiedenen Länder angeschaut. In elf von zwölf untersuchten Fällen sei die Mehrheit der Spitzenpositionen im Journalismus mit Männern besetzt. Die Ausnahme: Südafrika mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent weiblicher Führungskräfte.

5. “Gefährlich für Leib und Leben”
(taz.de, Klaus-Helge Donath)
Am Montag gab es in Russland einen Anschlag auf die unabhängige, kremlkritische Zeitung “Nowaja Gaseta”. Für das oppositionelle Blatt nicht das erste Mal: 2006 wurde die bekannte Journalistin Anna Politkowskaja in ihrem Hausflur erschossen. 2018 stand ein Korb mit abgetrenntem Hammelkopf vor der Tür – “Mit besten Grüßen an den Chefredakteur”.

6. Zum 20. Geburtstag: 20 Dinge, die Sie noch nicht über Wikipedia wussten
(rnd.de, Imre Grimm)
Die deutschsprachige Wikipedia feiert ihren 20. Geburtstag, und Imre Grimm feiert mit “20 Dingen, die Sie noch nicht über Wikipedia wussten” mit. Informativ und unterhaltsam!

RT Deutsch hat Expansionspläne, Extremismusforscher, Teurer Tweet

1. RT DE will Online-Sender zum Fernsehkanal ausbauen
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:59 Minuten)
Der vom russischen Staat bezahlte Auslandssender RT Deutsch produziert in Berlin-Adlershof deutsche Inhalte fürs Internet. Doch nun soll aus dem Youtube-Sender, der regelmäßig durch einseitige Berichterstattung oder Desinformation auffällt, ein echter Fernsehkanal werden. Das wirft Fragen auf, denn die dafür notwendige Sendelizenz dürfe laut Medienstaatsvertrag nicht an staatlich finanzierte Betreiber vergeben werden.

2. “Auf Facebook wird wenigstens gestritten”
(zeit.de, Tanya Falenczyk)
Jakob Guhl ist Extremismusforscher und untersucht in London am Institute for Strategic Dialogue, wie Hass und Radikalisierung im Internet entstehen. “Zeit Online” hat ihn im Interview unter anderem gefragt, ob es etwas bringt, radikale Stimmen von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zu verbannen. Guhl ist hin- und hergerissen: “Ich glaube, Deplatforming ist nur ein Werkzeug in einem ganzen Werkzeugkasten. Dass Plattformen ihr Hausrecht nutzen und radikale Accounts sperren, finde ich richtig, wenn es eben transparenter wird. Aber wir brauchen online auch Gegenrede, im Kommentarbereich und im direkten Austausch.”

3. Doch, PCR-Tests weisen Infektionen nach – und Christian Drostens Doktorarbeit gibt es
(correctiv.org, Till Eckert)
In Corona-Leugner- und “Querdenker”-Kreisen wird oft der Vorwurf erhoben, PCR-Tests würden keine Infektionen nachweisen, und der Virologe Christian Drosten sei eigentlich “gar kein Doktor”. Dank Social Media schwappen die Meldungen auch in andere Kreise und sorgen dort für Verunsicherung. “Correctiv” hat in einem Faktencheck beide Behauptungen geprüft: Sie sind, wenig überraschend, falsch.

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4. US-Forscher*innen verlangen Anpassung des Urheberrechts während der Pandemie-Notlage
(irights.info, Georg Fischer)
Mehr als 100 Organisationen sowie knapp 150 Einzelpersonen fordern in einer gemeinsamen Erklärung an die Welthandelsorganisation einen flexibleren Umgang mit Urheberrechten während der Pandemie. “Der Zugang zu wissenschaftlichem Wissen sei essentiell, um die Pandemie auf globaler Ebene zu bekämpfen, so die Erklärung. Die Regelungen geistigen Eigentums in vielen Ländern, darunter vor allem Urheber- und Patentrechte, würden diesen Zugang jedoch erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.”

5. RSF klagt gegen Facebook
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen kritisiert Facebooks Umgang mit Hassrede und Desinformation und hat bei der Pariser Staatsanwaltschaft Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Der Klagegrund: “Betrügerische Geschäftspraktiken”. Die in den Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards getroffenen Zusagen zum Verbraucherschutz würden größtenteils nicht eingehalten. Facebook habe beispielsweise zugelassen, dass sich Falschinformationen im Kontext der Covid-19-Pandemie sowie Hasskommentare und Drohungen gegen Medienschaffende ungehindert verbreiteten.

6. Erster Tweet der Welt bringt bei Auktion fast drei Millionen Dollar
(spiegel.de)
Der Twitter-Mitgründer und heutige Firmenchef Jack Dorsey hat seinen ersten Tweet – genauer: die digitale Originalkopie davon – für gut 2,9 Millionen US-Dollar versteigern lassen. Dorsey hatte am 21. März 2006 geschrieben: “just setting up my twttr”. Der Auktionserlös kommt einer Organisation zugute, die arme Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unterstützt.

Horse-Race-Journalismus, Feinde der Pressefreiheit, Schweinsteigers Uhr

1. RSF veröffentlicht neue Feinde der Pressefreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen hat die aktuelle Liste mit den weltweit größten “Feindinnen und Feinden der Pressefreiheit” veröffentlicht (PDF). Sie umfasst 37 Staats- und Regierungsoberhäupter, die in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern würden. Aus EU-Sicht besonders traurig: “Mit Viktor Orbán steht zum ersten Mal ein EU-Ministerpräsident auf der Liste, der seit seiner Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 Pluralismus und Unabhängigkeit der Medien in Ungarn angreift.”
Weiterer Lesehinweis: Orbán schaltet Anzeige in “Bild”: “Ungarns Regierung bezahlt für die Veröffentlichung politischer Vorschläge – zu einem interessanten Zeitpunkt.” (sueddeutsche.de, Dennis Müller)

2. Top, die Wette gilt
(taz.de, Kersten Augustin)
Kersten Augustin kritisiert in der “taz” den sogenannten Horse-Race-Journalismus, der Politik vor allem als Wettbewerb versteht. Ein aktuelles Beispiel dafür sei die Berichterstattung über Annalena Baerbock – das betreffe auch die Berichterstattung im eigenen Blatt: “Natürlich hat Baerbock im Wahlkampf politische und strategische Fehler gemacht, die Jour­na­lis­t:in­nen aufklären und kritisieren sollen. Aber Jour­na­lis­t:in­nen stehen nicht, um im Bild zu bleiben, auf der Tribüne einer Pferderennbahn, um für das Wettbüro die Quoten festzusetzen. Leser sind Wähler, keine Glücksspieler. Und Annalena Baerbock ist kein Rennpferd.”

3. Vergessen vom Presserat
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:57 Minuten)
Die kostenlos erhältliche Gesundheits-Postille “Apotheken Umschau” kommt auf eine beeindruckende Auflage von knapp acht Millionen Exemplaren monatlich. Laut Chefredakteur Dennis Ballwieser sehe man sich einerseits als Kundenmagazin, anderseits aber auch als unabhängiges journalistisches Produkt. Dann müsste dafür der Deutsche Presserat verantwortlich sein, eine Organisation von Verlags- und Journalistenverbänden. Der will davon jedoch nichts wissen und nimmt Beschwerden gegen das Schleichwerbung-gefährdete Magazin gar nicht erst an.

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4. Ausrangiert mit Ü-50: Wenn sich Fernsehsender von ihren Moderatorinnen trennen
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Simone Standl, Moderatorin der WDR-“Lokalzeit”, wird nach 17 Jahren von einer (deutlich jüngeren) Kollegin abgelöst. Standl vermutet, dass ein Grund für den Rauswurf ihr Alter sei: “Wenn man sich in der Fernsehlandschaft umsieht, ist der Jugendwahn schon sichtbar. Vor allem wir Frauen sollen natürlich gute Leistung bringen – aber eben auch gut aussehen, jung, dynamisch und sportlich sein.”

5. Das Dilemma der Fernsehmagazine – und ein möglicher Ausweg
(uebermedien.de, Daniel Bouhs)
Daniel Bouhs erklärt, worin das Dilemma von Fernsehmagazinen wie “Monitor” für die ARD-Verantwortlichen unter anderem liegt: “Die Magazinform ist perfekt für das lineare Fernsehen geschaffen: Die Moderatorinnen und Moderatoren führen das Publikum nicht nur innerhalb der Sendung von Beitrag zu Beitrag; sie leiten auch zu den nachfolgenden Programmen wie den ‘Tagesthemen’ über. Alles im Sinne des ‘Audience Flow’, des Zuschauerstroms. Doch der hat in der neuen digitalen Welt in dieser Form keine große Bedeutung.”

6. ARD ermahnt Schweinsteiger nach Tweet mit Werbebotschaft
(spiegel.de)
Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger ist für die ARD als Fußball-Experte tätig. In einem der vergangenen EM-Spiele nutzte Schweinsteiger die Gunst der Stunde und setzte während der Halbzeitpause und ohne Wissen des Senders einen Werbetweet für eine Uhr ab, die auch während der Fernsehübertragung zu sehen war. Dafür gab es vom Sender nun eine “Ermahnung”.

Die Opfer von “Bild” (6)

Nach den verheerenden Überschwemmungen in vielen Regionen Deutschlands titelte “Bild” am 21. Juli:

Ausriss aus der BILD-Zeitung: "Feuerwehrmann [...] (46) aus Altena wurde von den Wassermassen getötet, als er helfen wollte. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte im TV: "ER IST EIN HELD" - dazu ein großesFoto des Feuerwehrmanns, der ein "Daumen Hoch" gibt.Sein Gesicht ist verpixelt.

Auch online erschien das Foto groß auf der Startseite:

Screenshot von BILD.de: "Feuerwehrmann [...] (46) wurde getötet, als er helfen wollte - DER FLUT-HELD VON ALTENA"

Die Unkenntlichmachung des Gesichts stammt ausnahmsweise nicht von uns, sondern von “Bild”. Neben dem Foto erklärt die Redaktion:

Feuerwehrmann […] (46) ist ein Held unseres Landes. Mit Rücksicht auf seine Witwe hat BILD ihn auf diesem Foto unkenntlich gemacht.

Die Witwen und Hinterbliebenen vieler anderer Menschen sind “Bild” hingegen egal. Allein in der Woche vom 19. bis 25. Juli haben die “Bild”-Medien mindestens 30 Mal Fotos von Menschen gezeigt, die Opfer eines Unglücks oder Verbrechens geworden sind – bis auf den Feuerwehrmann war keines der Fotos unkenntlich gemacht.

***

Bild.de veröffentlichte zum Beispiel das Foto eines Mannes, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam:

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Pilot und drei Teenager sterben bei Absturz - Rundflug in den Tod", dazu ein Foto der Trümmer an der Unglücksstelle sowie ein Foto des Piloten

(Unkenntlichmachung von uns.)

***

Und Fotos einer Frau, die beim Bungeespringen gestorben ist. Quelle: Facebook.

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Horror-Unfall in Kolumbien - Frau springt ohne Bungee-Seil von 50-Meter-Brücke - tot", dazu ein Foto der Frau

(Unkenntlichmachung von uns.)

***

Und das private Foto einer Frau, die in Frankreich ermordet wurde:

Screenshot von BILD.de: Ein großes Foto einer Frau und ein kleineres Foto eines Mannes, dazu die Bildunterschrift: "[...] (32) wurde von ihrem Killer über Monate hinweg gestalkt und schließlich ermordet"

(Unkenntlichmachungen von uns.)

***

Bild.de und “Bild am Sonntag” zeigten auch Fotos einer fünfköpfigen Familie, die mutmaßlich im Hochwasser ums Leben gekommen ist:

Titelseite der BILD am SONNTAG: "GANZE FAMILIE VON DER FLUT VERSCHLUCKT", dazu ein Foto der Eltern sowie drei Fotos der Kinder

(Unkenntlichmachungen von uns.)

***

Am häufigsten zeigten die “Bild”-Medien Fotos einer Frau, die sie “Die Tote aus dem Nazi-Bunker” nennen:

Ausriss aus der BILD-Zeitung: "Tote [...] lag im Nazi-Bunker", dazu ein Foto der Frau

Screenshot von der BILD.de-Startseite:: "ERMORDET! - 5 Tage galt [...] (26) als vermisst - Jetzt wurde die junge Mutter tot im Nazi-Bunker gefunden", dazu ein Foto des Bunkers und ein Foto der Frau

SScreenshot von der BILD.de-Startseite:: "Liche lag in Nazi-Bunker mitten im Wald - Hier wurde die ermordete [...] (26) gefunden", dazu ein Satellitenbild, auf dem der Fundort mit einem großen Pfeil markiert ist, außerdem ein Foto der Frau

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Junge Mutter ermordet in Nazi-Bunker gefunden - [...] (26) wurde auf Waldweg abgefangen!", dazu ein Foto des Bunkers, ein Foto der Frau und das Bild-Plus-Logo

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Tote [...] (26) aus dem Nazi-Bunker - 'Entweder liebt man mich oder man hasst mich' - Die junge Mutter mochte Schlager und hatte ein Herz für Schwächere", dazu ein Foto des Bunkers und ein Foto der Frau

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Junge Mutter lag tot im Nazi-Bunker - Drei Theorien zum Mord an [...] (26)", dazu ein Foto des Bunkers, ein Foto der Frau und das Bild-Plus-Logo

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Die Tote aus dem Nazi-Bunker - Die letzten Bilder von [...] (26) - Was verraten die Aufnahmen aus der Überwachungskamera am Bahnhof?", dazu ein Foto der Überwachungskamera, auf dem die Frau zu sehen ist

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "Die Tote aus dem Nazi-Bunker - Darum nahm [...] (26) den dunklen Waldweg", dazu ein Foto der Überwachungskamera, auf dem die Frau zu sehen ist

Screenshot von der BILD.de-Startseite: "[...] (26) letzte Worte an Freunde - 'Ich fahre doch den anderen Weg, da ist Schatten' ++ Ihre Leiche lag in einem Nazi-Bunker ++ Wie die Ermittler das Mord-Puzzle lösen wollen ++", dazu ein Foto der Überwachungskamera, auf dem die Frau zu sehen ist

(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Bild.de zeigt zahlreiche Fotos des Bunkers (unter anderem per Drohne aufgenommen), außerdem ein Foto des Hauses, in dem die Frau gelebt hat; sogar ein Foto ihrer Wohnungstür. Und immer wieder Fotos aus ihrem Facebookprofil:

Screenshot von BILD.de: Ein Foto einer Frau, dazu die Bildunterschrift: "Nachdenklich, romantisch: Auch so zeigte sich [...] (26) in ihren Facebook-Profilen. Sie liebte Schlager, hatte ein großes Herz für Schwächere" "Foto: Privat"

***

Nach einem Verbrechen oder Unglück in Social-Media-Profilen zu wühlen und daraus Fotos der Opfer zu veröffentlichen, ist redaktioneller Alltag bei “Bild”. Häufig erscheinen solche Fotos ohne jede Verpixelung und ohne Zustimmung der Angehörigen oder Hinterbliebenen.

In vielen Fällen werden Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder sogar von Reportern bedrängt, damit sie Fotos der Menschen herausrücken, die sie gerade verloren haben.

“Bild” begründet die Veröffentlichung solcher Bilder damit, dass “nur so” die Tragik “deutlich und fassbar” werde.

Wie jedoch viele Betroffene selbst darüber denken, kann man zum Beispiel hier nachlesen. Dort sagt der Vater eines Mädchens, das beim Amoklauf von Winnenden getötet wurde und deren Foto in den Tagen darauf immer wieder in der “Bild”-Zeitung erschien:

Die “Bild”-Zeitung und andere, auch Fernsehsender, ziehen Profit aus unserem Leid! Dreimal hintereinander sind Bilder [unserer Tochter] erschienen, ohne dass wir das gewollt hätten. Wir hätten das nie erlaubt. Die reißen die Bilder an sich und fragen nicht danach, was wir Hinterbliebenen denken und fühlen.

Pressekodex Richtlinie 8.2

Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

In einem Interview in unserem Buch sagt ein anderer Betroffener, dessen Bruder bei einem Skiunfall gestorben ist und später ohne Erlaubnis der Angehörigen groß auf der Titelseite der ”Bild”-Zeitung zu sehen war:

Das war eines der schlimmsten Dinge an der Geschichte: Dass die “Bild” die Kontrolle darüber hat, mit welcher Erinnerung mein Bruder geht. Dass das letzte Bild von der “Bild”-Zeitung kontrolliert wird und nicht von ihm selbst oder von uns.

Auch in anderen Medien kommt es vor, dass solche Fotos veröffentlicht werden. Doch niemand macht es so häufig und so eifrig wie “Bild”. Mehr als die Hälfte aller Rügen, die der Presserat je gegen die “Bild”-Medien ausgesprochen hat, bezog sich auf die unzulässige Veröffentlichung von Opferfotos.

Um zu verdeutlichen, in welchem Ausmaß “Bild” auf diese Weise Profit aus dem Leid von Menschen zieht, wollen wir hier regelmäßig dokumentieren, wie häufig die “Bild”-Medien solche Fotos veröffentlichen.

“Ehrenmorde”, Hemdsärmliche RTL-News, Wackelige Digitalpolitik

1. Mythen und Fakten zu “Ehrenmorden”
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Fabian Goldmann hat den jüngsten Fall einer in den Medien als “Ehrenmord” betitelten Tat zum Anlass genommen, Klischees zum Thema zu überprüfen und Fakten dazu zusammenzutragen: Was sind “Ehrenmorde”? Was unterscheidet sie von sonstigen Beziehungstaten? Wie viele “Ehrenmorde” gibt es in Deutschland? Wer begeht sie? Was hat der Islam damit zu tun? Wo haben sie ihren kulturellen Ursprung?
Weiterer Lesehinweis: Passend dazu gibt es ein Interview mit der Juristin Julia Kasselt, die “Ehrenmorde in Deutschland” erforscht hat. In einer weiteren Studie hat Kasselt untersucht, ob Richter wirklich einen “Kulturrabatt” für “Ehrenmörder” vergeben.

2. Die hemdsärmliche neue Nachrichten-“Primetime” von RTL
(uebermedien.de, Stefanie Menschner)
Stefanie Menschner wollte wissen, was an RTLs “Informationsoffensive” samt in den Nachmittag vorverlegter, nun ja, News-Formate dran ist und hat sich eine Woche das RTL-Programm angeschaut. Erschöpft fasst sie zusammen: “Das ganze angebliche ‘Primetime’-Programm von RTL am Nachmittag ist eher verwirrende Redundanz als offensive Information. Ich fühle mich auch nach einem zweiten ‘RTL aktuell’ nicht informierter, und nach dem dritten Clip eines witzigen Hundevideos aus dem Netz einfach sehr satt.”

3. Das wackelige Fundament der Digitalpolitik
(netzpolitik.org, Rahel Lang)
Die Stiftung Neue Verantwortung (SNV) hat die Wahlprogramme der Parteien hinsichtlich ihrer Aussagen zur Digitalpolitik untersucht. Rahel Lang hat sich die Analyse durchgelesen und fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen: “Seit Jahrzehnten ist in der deutschen Politik die Kluft zwischen den ‘technologischen Ambitionen’ und der bitteren Realität gigantisch. Da wäre zum Einen die Tatsache, dass Deutschland im europäischen Vergleich der Breitbandabdeckung hinterherhinkt. Zum Anderen geht die Digitalisierung der Verwaltung nur schleichend voran. Aus der Analyse des SNV geht hervor, dass das politische Berlin diese Schwachstellen zwar grundsätzlich anerkenne, es aber ‘ein Umsetzungsproblem’ gebe.”

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4. TikTok für Journalist:innen – so gelingt der Einstieg
(fachjournalist.de, Marcus Bösch)
TikTok ist ein Portal für kurze Videoclips, das sich vor allem an Teens und Twens richtet. Der große Erfolg der Plattform lockt jedoch immer mehr Leute außerhalb der ursprünglichen Zielgruppe an. Was muss man als Journalist oder Journalistin über TikTok wissen? Und lohnt es sich vielleicht sogar, dort selbst Inhalte anzubieten? Interessierten sei außerdem ein Blick auf die vom Autoren geführte Liste von deutschsprachigen Medien und Medienschaffenden auf TikTok empfohlen.

5. Facebook stoppt Fake-News-Kampagne gegen Corona-Impfung
(zeit.de)
Eine russische Werbeagentur soll versucht haben, weltweit Influencerinnen und Influencer für Falschinformationen über Corona-Impfungen einzuspannen. Ziel sei es gewesen, Corona-Impfstoffe in Verruf zu bringen, über deren Zulassung gerade debattiert wird: “Die Falschinformationskampagne hatte laut Facebook mehrere Stufen. Ende vergangenen Jahres sollte sie zunächst dem Impfstoff von AstraZeneca schaden. Fake-Konten verbreiteten die Behauptung, der Impfstoff verwandle Menschen in Schimpansen. Einige Monate später habe die Kampagne dann auch den Impfstoff von BioNTech und Pfizer ins Visier genommen. Zudem soll die Agentur versucht haben, ein angebliches Geheimdokument zu verbreiten, das Hacker angeblich bei einem Datenangriff auf AstraZeneca erbeutet haben sollten.”

6. Bling und Bilder
(faz.net, Axel Weidemann)
Instagram entwickelt sich weg von einer Foto-Plattform und hin zu einem Ort für Videos, was der Kunstszene laut “Guardian” gar nicht gefalle. “FAZ”-Redakteur Axel Weidemann kommentiert: “Hätte beispielsweise Andy Warhol Instagram genutzt – und das hätte er sicher – und man hätte ihm gesagt, er müsse jetzt singen und tanzen, weil das Publikum unterhalten werden will, er hätte vermutlich einen Buntstift durch sein Smartphone gerammt. Oder gesungen und getanzt.”

Verschwundene Journalisten, “Bild” wirbt mit Laschet, Wortungetüme

1. RSF erinnert an verschwundene Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des heutigen Internationalen Tages der Verschwundenen erinnert Reporter ohne Grenzen (RSF) an Medienschaffende, die zum Teil schon vor Jahrzehnten spurlos verschwunden sind. “Die Praxis des Verschwindenlassens soll Medienschaffende einschüchtern; es ist ein perfides Mittel, um kritische Journalistinnen und Journalisten mundtot zu machen”, so RSF-Vorstandssprecher Michael Rediske: “Die meisten der seit Jahrzehnten zurückliegenden Fälle wurden bis heute nicht aufgeklärt.”

2. “Bild” wirbt mit Armin Laschet für neuen TV-Sender – Kritik in sozialen Medien
(rnd.de)
Die “Bild am Sonntag” veröffentlichte am Wochenende eine ganzseitige Werbeanzeige für den Fernsehsender “Bild TV”. Prominentes Testimonial: der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Dies wurde vor allem in den Sozialen Medien stark kritisiert. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte ein CDU-Sprecher: “Es gab von ‘Bild am Sonntag’ weder eine Anfrage für das Motiv, noch ist die Werbeanzeige von der CDU freigegeben worden.” Auf Twitter kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “In passiv-aggressivem Tonfall kommentiert die CDU, die ‘Bild’-Werbung mit Laschet sei nicht genehmigt worden. Nur mal ne Frage, CDU: Wen habt Ihr für Laschets Imagepflege angeheuert? Ja, genau: Ex-‘Bild’-Chefin Tanit Koch. Also spart Euch die Krododilstränen und das Opfer-Getue.”

3. Wortungetüme und Bandwurmsätze – Wahlprogramme laut Studie unverständlich
(heise.de)
Die Wahlprogramm-Texte aus den Parteizentralen seien einer Studie (PDF) zufolge zwar so umfangreich wie nie zuvor – sie würden sich aber auch so schwer verstehen lassen wie kaum andere in der bundesdeutschen Geschichte. In den Programmen, so die Studienautoren der Universität Hohenheim, fanden sich Wortungetüme und Bandwurmsätze mit bis zu 79 Wörtern. Am formal verständlichsten sei laut “Hohenheimer Verständlichkeitsindex” das Wahlprogramm der Partei Die Linke, den letzten Platz belegen die Grünen.

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4. Historisches Fingerspitzengefühl
(taz.de, Sabine Seifert)
Engelbert Reineke war von 1966 bis 2004 als Fotograf im Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung tätig, davon 36 Jahre fest angestellt. “taz”-Redakteurin Sabine Seifert hat die berufliche Karriere Reinekes nachgezeichnet und ihn am Ende gefragt, wie er Angela Merkel fotografieren würde: “Erst mal gar nicht, sagt Reineke. Sie möge sich von ihren Pflichten erholen, den Ruhestand genießen. Fotografieren würde er sie dann nach ihrem 75. Geburtstag, das wäre im Jahr 2029. An der Ostsee bei schmuddeligem Wetter.”

5. Eine kleine Geschichtsstunde für Springer
(freitag.de, Karsten Krampitz)
Karsten Krampitz hat Texte von Sven Felix Kellerhoff, dem leitenden Redakteur Geschichte der “Welt”, gelesen und ist entsetzt. Bei der Springer-Tageszeitung wisse man nicht, wie Rosa Luxemburg aussah, und verbreite Falsches über einen verstorbenen SPD-Spitzenpolitiker: “Entweder hat der Kollege Kellerhoff völlig neue Quellen aufgetrieben – oder er verbreitet Lügen über einen toten SPD-Spitzenpolitiker, dessen Partei im Bundestagswahlkampf langsam aufholt.”

6. Tor, Tor, Tor: Fußball, Radio und viele Bilder im Kopf
(dwdl.de, Jochen Rausch)
Viele empfinden die Fußball-Live-Reportage als Königsdisziplin für Radio-Reporter und -Reporterinnen, vor allem wenn es über die volle Spiellänge geht. Jochen Rausch huldigt dem Genre, ist sich aber nicht sicher, wie es weitergeht: “Welche Rolle Audio in der digitalen Zukunft spielen wird, ist schwer einzuschätzen, es hängt unter anderem auch davon ab, wer die Verwertungsrechte hält, ob die Fans das Audioangebot in ausreichender Zahl wahrnehmen und sich Live-Events als digitale Audio-Produkte durchsetzen können, wie sich das Image des Profi-Fußballs generell entwickelt.”

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Eckstein, Eckstein, niemand wird versteckt sein

Eine momentan ganz beliebte Erzählung von Politikern der CDU und CSU geht so: Die SPD und ihr Spitzenkandidat Olaf Scholz sollen die prominenten Vertreter des linken Parteiflügels verstecken, damit diese mit ihren Ideen und Aussagen nicht Scholz’ erfolgreichen Wahlkampf torpedieren können. Das SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sollen genauso wie der ehemalige Juso-Chef und heutige stellvertretende Bundesvorsitzende Kevin Kühnert also nicht in die Öffentlichkeit gelassen werden.

Gestern Abend in der “Bild-TV”-Sendung “Viertel nach Acht” hat sich “Bild”-Moderatorin Nena Schink dieser Erzählung angeschlossen:

Der eigentliche Erfolg von Olaf Scholz war doch gar nicht gestern im Triell die Leistung, nein, der eigentliche Erfolg von Olaf Scholz ist, wie er seine Leute im Griff hat. Ich meine, dass Saskia Esken die Einladung zu Anne Will ausschlug, das ist der große Erfolg von Olaf Scholz. Und das ist das, wofür man ihn loben sollte: Dass er es schafft, Enteignungs-Kevin, Versteck-mich-Saskia und den Corona-Hampelmann Lauterbach einfach zu verstecken und damit auch die linken Phantasien.

“Bild”-Chef Julian Reichelt, der ebenfalls in der “Bild-TV”-Sendung sitzt, erzählt zwar, dass Kevin Kühnert aus dem Vorwurf “ein teilweise sehr unterhaltsames Spiel” mache, indem er bei Twitter regelmäßig darauf hinweist, in welcher Talkshow er sich diesmal versteckt; aber auch Reichelt sagt:

Ich habe ja auch das Gefühl, dass das durchaus bewusst ist, dieses Verstecken von manchen Figuren, die vielleicht nicht wirklich zum sehr geschmeidigen, sehr bürgerlichen Auftritt von Olaf Scholz passen wird.

Da haben Recherche-Julian und Fakten-Hampelfrau Schink entweder so gar nicht aufgepasst und einfach nur ahnungslos irgendwas nachgeplappert. Oder sie wissen es eigentlich besser und erzählen bewusst etwas Falsches. Denn dass Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans, Kevin Kühnert und Karl Lauterbach “einfach versteckt” werden, ist schlicht Blödsinn. Hier mal eine kleine Übersicht, nur aus dem bisher 14 Tage alten September:

Man kann die SPD und die Vertreter des linken Parteiflügels gern völlig daneben finden. Man sollte dann aber nicht irgendwelche Unwahrheiten über sie verbreiten.

***

Offenlegung: Für unser Buch “Ohne Rücksicht auf Verluste” hat Kevin Kühnert das Nachwort geschrieben.

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Irrlichternder Wirrkopf Döpfner, Goldene Kartoffel, Muezzin-Ruf

1. “Gedanke und Tonlage dem Amt eines BDZV-Präsidenten nicht angemessen”
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Mathias Döpfner ist nicht nur der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, sondern auch Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), also der oberste Lobbyist der Verlagsbranche. Jüngst ist eine Privatnachricht Döpfners veröffentlicht worden, in der er Deutschland als einen autoritärer Staat beschreibt – mit vielen willfährigen Journalistinnen und Journalisten, die nur dessen Propaganda verbreiten würden. Boris Rosenkranz hat sich bei den Verlegern umgehört, was sie von den Äußerungen ihres Präsidenten halten.
Weiterer Lesehinweis: Beim “Spiegel” stellt Stefan Kuzmany in einer lesenswerten Analyse fest: “Nicht erst seit dem öffentlich gewordenen DDR-Vergleich darf man sich fragen, ob Mathias Döpfner ein politischer Wirrkopf ist. Tatsächlich irrlichtert der Springer-Chef schon lange.”

2. In eigener Sache
(merkur.de, Markus Knall)
Im Zusammenhang mit der nicht veröffentlichten Reichelt-Recherche des “Ippen-Investigativ”-Teams nimmt der Ippen-Digital-Chefredakteur Stellung und bittet die Betroffenen um Entschuldigung: “Zahlreiche Frauen haben sich im Zuge der Recherche zum Fall Julian Reichelt an unsere Redaktion gewandt und den Mut gefasst, uns ihre Geschichte zu erzählen. Wir haben zugesagt, unter Wahrung der Anonymität, über ihre persönlichen Schicksale zu berichten. Dieses Versprechen konnten wir nicht einlösen. Das bedauere ich zutiefst.” Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Es wäre schön gewesen, wenn der Ippen-Verantwortliche in die Bitte um Entschuldigung auch das “Ippen-Investigativ”-Team einbezogen hätte.

3. “Goldene Kartoffel” 2021 für die unterirdische Debatte über “Identitätspolitik”
(neuemedienmacher.de)
Seit 2018 verleihen die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” die “Goldene Kartoffel”, einen Negativpreis für Medienschaffende, die “ein verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland zeichnen, Probleme und Konflikte stark übertreiben, Vorurteile verfestigen und gegen journalistische Standards verstoßen”. 2021 geht diese, nun ja, Auszeichnung an die Debatte über “Identitätspolitik” in bürgerlichen Medien: “Die Debatte über ‘Identitätspolitik’ in deutschen Medien 2021 war überzogen, unsachlich, polarisierend und hat rechtsradikale Erzählungen salonfähig gemacht. Deshalb gebührt ihr die ‘Goldene Kartoffel’ und damit, herzlichen Glückwunsch, so gut wie allen Medien des bürgerlichen Spektrums, von der taz bis zur FAZ, von ARD bis ntv, von Deutschlandfunk bis Radio Energy. Das war wirklich ein Gemeinschaftswerk.”

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4. Warum die Mehrheit der Deutschen nicht den Muezzin-Ruf ablehnt (und Civey kein seriöses Umfrageinstitut ist)
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Jüngst berichteten viele Redaktionen über eine Umfrage, nach der drei Viertel der Menschen in Deutschland den Muezzin-Ruf ablehnen. Fabian Goldmann hat sich die Sache genauer angeschaut und schnell festgestellt, dass nichts an der Geschichte stimmt: “Die Art und Weise, wie viele Redaktionen in den vergangenen Tagen über eine Umfrage zum islamischen Gebetsruf (Adhan) berichteten, übersteigt allerdings das übliche Maß an Inkompetenz und grenzt teils schon an die bewusste Verbreitung von FakeNews.”

5. Rechte bei der Frankfurter Buchmesse – Schwarze Autorin fühlt sich nicht sicher
(fr.de, Hanning Voigts)
Auch in diesem Jahr wird über die Präsenz rechtsextremer Kleinverlage auf der Frankfurter Buchmesse gestritten. Anlass sei vor allem, dass die Autorin Jasmina Kuhnke ihren Auftritt mit Verweis auf Sicherheitsbedenken abgesagt hat. “Frankfurter-Rundschau”-Redakteur Hanning Voigts erklärt, worum es geht, und gibt die verschiedenen Positionen wieder.
Gucktipp: Auf Youtube beschäftigt sich der Jurist Chan-jo Jun mit der Frage, ob die Buchnesse rechtsradikale Verlage von Rechts wegen dulden müsse. Seine Antwort: “Nein. Buchmesse sollte sich nicht auf Zwänge berufen.” (Video: 6:10 Minuten)

6. Zeitungen kürzen Seiten und verschieben Beilagen
(deutschlandfunk.de, Michael Meyer, Audio: 4:37 Minuten)
Papier ist derzeit knapp und teuer. Das hat zur Folge, dass einige Zeitungen bereits Seiten kürzen und Beilagen verschieben. Der Deutschlandfunk hat sich auf Ursachensuche begeben. Gerade die Zeitungsverlage würden viel Recyclingpapier verarbeiten, und um dieses Material gebe es momentan einen heftigen Kampf, sagt Gregor Andreas Geiger, Pressesprecher des Verbands der Papierindustrie: “Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Druckpapier in den letzten 15 Jahren aber kontinuierlich nach unten gegangen, sodass die Hersteller ihre Kapazitäten abgebaut oder zum Teil Maschinen umgebaut haben. Also eine kurzfristig erhöhte Nachfrage trifft auf eine langfristig reduzierte Angebotsmenge.”

Nur noch fünf Fernsehsender?, Frauensport, Schweigende Grenze

1. Nur noch fünf Fernsehsender?
(freitag.de, Wolfgang Michal)
Über eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird seit Jahrzehnten diskutiert. Seit dem 19. November steht nun ein Entwurf zur Änderung des Rundfunkauftrags auf der Webseite der Rundfunkkommission. Und jeder darf mitdiskutieren. Wolfgang Michal erklärt, worum es im Einzelnen geht und welche politischen Interessen dabei eine Rolle spielen.

2. Grüne Grenze des Schweigens
(taz.de, Christian Jakob)
An den EU-Außengrenzen wird derzeit die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Gerade dort sei unabhängige Berichterstattung aber enorm wichtig. Christian Jakob hat einige Beispiele der letzten Zeit zusammengestellt, in denen Reporterinnen und Reporter an ihrer Arbeit gehindert wurden, sei es durch offizielle Verbote, Schikanen oder Festnahmen.

3. Warum vernachlässigen die Medien den Frauensport?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 27:35 Minuten)
In der Sportberichterstattung ist der Sport von Frauen oft nur ein Randthema. Warum das so ist und wie das geändert werden könnte, darüber diskutiert eine Deutschlandfunk-Hörerin mit Andrea Schültke aus der Dlf-Sportredaktion, mit Nina Probst, Chefredakteurin des Portals Sportfrauen.net, und mit Brigitte Baetz aus dem Dlf-Medienressort.

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4. Medienvertreter müssen sich schützen
(reporter-ohne-grenzen.de)
In etwa zwei Monaten finden in China die 24. Olympischen Winterspiele statt, und trotz der Corona-Pandemie werden viele ausländische Medien vor Ort sein wollen. Reporter ohne Grenzen rät zur Vorsicht und warnt vor dem Herunterladen von Apps, die es den chinesischen Behörden ermöglichen könnten, Personen zu überwachen: “Es ist legitim, dass die Medien über dieses internationale Großereignis berichten, aber sie müssen sich vor den Manipulationsversuchen des Regimes in Acht nehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Überwachung und möglichem Druck schützen. Auch der Deutsche Olympische Sportbund ist gefordert: Er muss öffentlich und deutlich die Einhaltung von Pressefreiheit und Menschenrechten einfordern.”

5. Keine Blase, sondern richtiges Business
(journalist.de, Eva Morlang)
Die freie Journalistin Eva Morlang weist in ihrem Beitrag über den deutschsprachigen Podcastmarkt auf die Notwendigkeit hin, sich als Autor oder Autorin mit der Rechtefrage zu befassen. Sie hat dazu eine nützliche Checkliste erstellt, die die wesentlichen Aspekte abdeckt und viel (juristischen) Ärger ersparen kann.

6. Bushido-Doku “Unzensiert”: Inszenierte “Wahrheit”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Die Bushido-Doku auf Amazon trägt den Untertitel “Bushido’s Wahrheit” (Apostroph im Original), was darauf hinweist, dass es sich nur um eine von vielen Wahrheiten handelt, eine ausgesprochen subjektive zudem. Die Serie stammt zudem von “Bild”-Reporter Peter Rossberg, was von Jan Freitag wie folgt kommentiert wird: “Der selbstverliebte Gossenreporter arbeitet schließlich nicht nur bei ‘Bild’, er gehört zum erweiterten Freundeskreis des Porträtierten. Und das kreiert ein filmisches Hybrid der bizarren Art. Einerseits kommt Rossberg seinem Buddy näher als andere, nun ja, ‘Journalisten’ zuvor. Andererseits lässt er ihm dabei ohne lästiges Nachhaken alle Freiheiten zur Selbstdarstellung.”

Googles Löschpflicht, Wikipedias Licht und Schatten, Haft mit Internet

1. Google muss Links zu Fal­sch­in­for­ma­tionen auch ohne Urteil löschen
(lto.de)
Laut eines neuen Urteils des Europäischen Gerichtshofs müssen Suchmaschinen wie Google Einträge aus den Ergebnislisten löschen, wenn Betroffene nachweisen können, dass die darin enthaltenen Informationen falsch sind. Vorher mussten diese Personen sich zuerst an denjenigen wenden, der die Informationen ins Netz gestellt hatte.

2. Ambivalente Erfolgsgeschichte der Wikipedia
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Adrian Lobe schreibt über den Erfolg der Wikipedia als Lexikon des Weltwissens, der jedoch auch seine Schattenseiten habe: “Die Wikipedia ist weiterhin ein Club von weissen, englischsprachigen Männern ist, die überwiegend in christlich geprägten Ländern auf der Nordhalbkugel leben. Und diese Männer schreiben hauptsächlich für Männer und über Männer.”

3. Häftlinge in Berlin bekommen Internetzugang
(deutschlandfunk.de, Claudia van Laak, Audio: 5:19 Minuten)
Als erstes Bundesland wolle Berlin den Menschen, die in Gefängnissen sitzen, einen eingeschränkten Zugang zum Internet anbieten. Eine Neuerung, die auch der Berliner Justizsenatorin und Politikerin der Linken Lena Kreck zu verdanken sei: “Wir nehmen nämlich den Resozialisierungsauftrag ernst. Nicht nur, weil wir das politisch richtig finden, sondern sie haben ein Grundrecht auf Resozialisierung, das ergibt sich aus dem Grundgesetz. Und damit schaffen wir eine erfolgreiche Resozialisierung durch Digitalisierung.”

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4. US-Bundesstaat Indiana reicht Klagen gegen TikTok ein
(zeit.de)
Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats Indiana hat zwei Klagen gegen TikTok eingereicht. Er wirft der chinesischen Plattform irreführende Angaben zur Datensicherheit und mangelnden Schutz junger Nutzerinnen und Nutzer vor. TikTok sei ein “Trojanisches Pferd” Chinas.

5. Bundeskanzler Scholz prüft Rückzug von Twitter
(spiegel.de)
Auch im Bundeskanzleramt beobachte man mit Sorge die Entwicklungen bei Twitter und schaue sich nach möglichen Alternativen um. Die chinesische Videoclip-Plattform TikTok komme als möglicher Rückzugsort nicht in Frage. Dort sei Bundeskanzler Olaf Scholz nicht vertreten und werde auch zukünftig fernbleiben.

6. BBC soll bis 2030 Onlineplattform werden
(faz.net, Gina Thomas)
Die BBC feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und kämpft angesichts anstehender gesetzlicher Veränderungen, die den Wegfall der Rundfunkgebühren bedeuten könnten, um ihre Existenz. Nun wolle Senderchef Tim Davie die BBC zum führenden Netzportal umbauen.