Die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM), die u.a. für 9Live zuständig ist, versteht sich traditionell weniger als Kontrollbehörde denn als Lobby der Privatsender.
Im August 2004 gab die BLM gemeinsam mit den Kollegen aus Baden-Württemberg einen „Leitfaden für TV-Gewinnspiele“ [pdf] heraus (seit 2005 gibt es eine überarbeitete Fassung aller Landesmedienanstalten [pdf]). Darin steht ein verräterischer Satz:

Es geht also nicht darum, die Zuschauer davor zu schützen, ihr ganzes Geld zu vertelefonieren. Es geht darum, „die Akzeptanz der Call-in-Formate für die Zukunft zu erhalten“.
Warum sorgt sich eine Landesmedienanstalt darum, dass die „Call-in-Formate“ von den Zuschauern akzeptiert werden sollen? Weil sie diese sogenannten Telefon-Mehrwertdienste den Sendern als Einnahmequelle ans Herz legt. Im Februar 2005 legte sie dazu eine Studie vor. BLM-Chef Wolf-Dieter Ring erklärte:
„Eine wichtige Intention dieser Studie ist, gerade den lokalen und regionalen Hörfunk- und Fernsehanbietern zu zeigen, dass Mehrwertdienste auch in ihrem Bereich ein nicht zu unterschätzendes zusätzliches Instrument der Wertschöpfung darstellen können.“
Die Studie ist gut zwei Jahre alt und wirkt im Rückblick erschütternd naiv:
Die bislang häufig verfolgte Strategie des „hit & run“ wird langfristig keinen Erfolg bringen. (…)
Die Qualität der angebotenen Dienste [wird sich] — vor allem im Hinblick auf deren inhaltlichen Programmbezug und die Transparenz — in Zukunft weiter deutlich erhöhen. (…)
Die vorgestellten und diskutierten Ansätze lassen erwarten, dass der Zuschauer und Hörer künftig noch stärker in den Mittelpunkt von Call Media-Anwendungen rücken wird.
Im letzten Satz muss es natürlich heißen, „…dass das Geld der Zuschauer und Hörer künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken wird…“, aber das ist sicher nur ein Tippfehler.
Am 26. Oktober 2005 sagte Ring in der Münchner „Abendzeitung“:
Abendzeitung: Es gibt immer wieder Kritik, dass die Zuschauer im Femsehen abgezockt werden.
Ring: Ich habe schon immer — zum Beispiel bei der Diskussion um Neun Live — gesagt, wir müssen über die Regeln sprechen. Es ist wichtig, dass man den Verbraucher nicht irreführt. Aber der Zuschauer muss auch ein Stück eigene Verantwortung wahrnehmen. Inzwischen ist Neun Live ein akzeptables Geschäftsmodell.
Ein „akzeptables“ Geschäftsmodell? Vermutlich meinte Ring: Ein von der BLM akzeptiertes Geschäftsmodell. Ich habe keine Hinweise gefunden, dass sich daran seitdem etwas geändert hätte.

