Teledialog: Gunter Gabriel

Ein großer Moment am Ende der Talkshow “Herman & Tietjen” am Freitag. Aber irgendwie hatten wir das damals mit Karl-Heinz Böhm bei “Wetten dass” würdevoller in Erinnerung.

Gunter Gabriel: Jeder weiß ja, dass ich 500.000 Piepen Schulden habe. Und ich will jetzt mal ’ne Sache machen, die hat Karl-Heinz Böhm damals auch gemacht in “Wetten dass”. Pass mal auf: Wir haben 83 Millionen Menschen in Deutschland, ja? Und davon gibt es vielleicht 10 Millionen, die mich kennen. 5 Millionen halten mich für einen Idioten. Und die anderen 5 Millionen sind meine Fans. Und von diesen 5 Millionen gibt es vielleicht 500 Leute, die mal Party machen und gerne diesen Verrückten dabei haben. Ich schreib jetzt mal auf meine Gitarre: 500…. Ach Scheiße, jetzt kann man das nicht sehen.

Bettina Tietjen: Die Sendung ist gleich zuende, oder?

Gabriel: 500. Und ich trete für die auf für nen Tausender. Euro! Zuhause auf dem Teppich im Partykeller. 500 mal 1000 und ich bin mit einem Schlag meine ganzen Schulden los. Also, wählt einfach diese Nummer hier. (Hält einen zerknitterten Zettel mit einer Telefonnummer in die Kamera.) Und ich wette, das funktioniert.

Eva Herman: Also, paß auf.

Gabriel: Ich will damit ja nur zeigen, dass Leute…

Herman: Gunter.

Gabriel: …die sich manchmal nicht zu helfen wissen…

Herman: Gunter!

Gabriel: …es gibt manchmal so ganz einfache Sachen…

Herman: GUNTER! Wenn, dann machen wir das jetzt richtig. Sag die Nummer nochmal langsam.

Gabriel (zu einem anderen Gast): …nee, wir können natürlich auch…

Herman: Nee, sach sie! Wir sind schon am Ende! Sag die Nummer. SAG DIE NUMMER JETZT NOCHMAL!

Gabriel: Also, die Nummer, wir wollen das jetzt richtig machen?

Herman: Ja, wir haben nur noch wenig Zeit.

Gabriel: Es war ja nur ein Gag, ich wollte ja nur sagen…

Herman: Sag die Nummer.

Gabriel: Die Nummer ist: 040 / xx xx xx xx.

(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Doof wie Broder

Der zentrale Satz von Henryk Broder, der im „Tagesspiegel“ aus unerfindlichen Gründen etwas über die Seuche Internet schreiben durfte, lautet:

Wenn die „New York Times“ denselben Zugang zur Öffentlichkeit hat wie eine Kannibalen-Selbsthilfegruppe, wird sich die Öffentlichkeit auf Dauer nicht auf dem Niveau der „New York Times“ einpegeln, sondern auf dem der Kannibalen-Selbsthilfegruppe.

Herr Broder erklärt uns nicht, warum das so ist.

Vielleicht hat er den Satz erst hingeschrieben, weil er ihm auf irgendeine irrationale Art plausibel erschien, dann darüber nachgedacht und festgestellt, dass ihm kein Beleg dafür einfällt, und ihn dann achselzuckend ohne Begründung stehengelassen. Wahrscheinlich ist, dass er gar nicht erst darüber nachgedacht hat.

Welches Niveau haben Kannibalen-Selbsthilfegruppen eigentlich?

Herr Ramsauer setzt eine klare Überschrift

So, Herr Ramsauer, folgende Aufgabe: Sie sprechen live fünf Minuten im „Heute Journal“ mit Marietta Slomka. Sie erwähnen weder den Ministerpräsidenten noch diese aufmüpfige Landrätin. Wenn Sie das schaffen, mindestens fünfmal „Wildbad Kreuth“ und einmal „die Menschen draußen im Land“ sagen und das Gespräch mit einer faustdicken Lüge beenden, kriegen Sie ein Bier.

Marietta Slomka: Und aus Wildbad Kreuth zugeschaltet: der CSU-Landesgruppenchef, Peter Raumsauer. Guten Abend!

Peter Ramsauer: Guten Abend aus Wildbad Kreuth!

Das war ein erstaunliches Bild heute in München bei der Pressekonferenz. Vier gestandene Männer waren da angetreten, ein Aufgebot, um die Angriffe einer Landrätin abzuwehren. Was ist denn eigentlich los bei Ihnen in Bayern?

Wir haben in Bayern eine hervorragende Struktur, was die Wirtschaft, Arbeitsplätze, Staatsfinanzen, Bildung anbelangt. Wir haben eine ausgezeichnete Struktur innerhalb der Partei. Viele, die meisten Frauen, junge Frauen, mittlere, ältere Frauen in unserer Partei wundern sich, ehrlich gesagt, über das, was da vorgeht. Nämlich über die angreifende Seite wundern die sich. Aber ich möchte Ihnen ganz ehrlich sagen, darum geht es hier in Wildbad Kreuth überhaupt nicht. Wir setzen uns hier in Wildbad Kreuth auseinander mit wichtigen Zukunftsfragen unseres Landes. Mit Fragen…

Aber die Frage, wer zukünftig…

…Fragen der Gesundheitsreform, der Utnernehmenssteuerreform…

…aber Herr Ramsauer, die Frage, wer dann bei der nächsten Wahl antritt, ist schon auch…

…und so weiter…

…aber die Frage, wer nächster Ministerpräsident in Bayern wird, ist wohl auch eine wichtige Zukunftsfrage. Und Sie haben heute gesagt, Sie würden sich hinter Herrn Stoiber stellen, vor ihn und auch um ihn herum. Das klingt fast so, als müssten Sie ein waidwundes Reh beschützen. Warum braucht der Ministerpräsident so viel Schutz?

Ich hab das verdeutlicht. Weil, was hier an Theater aufgeführt wird, wird dem, was in der Tat an Substanz vorhanden ist, überhaupt nicht gerecht. Das war heute vormittag in München und jetzt hier in Wildbad Kreuth geht’s um all diese Sachfragen, die die Menschen im Land, bei denen ich dauernd bin, äh, draußen im Lande, in unzähligen Veranstaltungen, die sagen, habt’s ihr nichts besseres zu tun als euch mit Personalquerelen zu befassen. Und deswegen hab ich von Anfang an klargestellt, wir machen hier die Personalityshow, die von anderer Seite aufgezwungen werden soll, nicht mit, sondern wir tun das, was die Menschen im Land verlangen: nämlich dafür zu sorgen, daß ordentliche Politik gemacht wird.

Wer zwingt Ihnen denn diese Personaldebatte auf?

Ja. Äh, Sie unterhalten sich jetzt mit mir seit einigen Minuten nur darüber. Und ich möchte heut gerne auch darauf hinweisen, was wir tun, um ein ordentliches Gesundheitswesen auf die Beine zu stellen, die Frage, nach welchen Kriterien senden wir Soldaten ins Ausland bei Bundeswehreinsätzen…

Ja, Herr Raumsauer, das kann ich verstehen, dass Sie…

…das sind die Fragen, die mir immer gestellt werden…

…ja, aber seit Tagen redet man in der CSU im…

…steht genau das im Mittelpunkt auch unserer Beratungen…

Ja, Herr Ramsauer, …

… und wir haben seit drei Uhr nachmittag über nichts anderes gesprochen…

…ich versteh schon, dass Sie gerne möchten, dass wir jetzt über die Gesundheitsreform reden und vielleicht auch noch über Basistarife von privaten Krankenversicherungen, aber wir wollen über die Basis der CSU reden und über die Stimmung dort…

…das wird aber hier nicht bearbeitet …

…60 Prozent der bayerischen Wähler…

…seit 15 Uhr über andere Fragen.

Nee, nee, Sie unterhalten sich gar nicht über andere Fragen. In der CSU geht es vor allen Dingen im Moment um solche Fragen …

Doch, ich war zufällig bei meiner Klausurtagung dabei…

Lassen Sie uns über die bayerischen Wähler reden und nicht über Medien und Politiker.

Ich dachte, Sie wollten berichten über die Klausurtagung der CSU-Landesgruppe.

Ja, wir reden über den ganzen Tag, die letzten Tage, die Klausurtagung in Wildbad Kreuth. Und 60 Prozent der bayerischen Wähler sind der Meinung, dass die Ära Stoiber jetzt doch allmählich mal zuende geht und es Zeit für einen Wechsel ist. Wollen Sie das einfach so abtun, das Thema, und damit auch diesen Wählern vor die Füße treten?

Also, erstens war diese Umfrage-Fragestellung überhaupt nicht so, wie Sie gerade gesagt haben, sondern anders. Ich kenne Umfragen, solange ich politisch tätig bin. Ich weiß, wie wetterwendisch Umfragen heute in die eine Richtung und morgen in die andere Richtung sind. Deswegen schreckt mich das nicht. Deshalb ist es umso erforderlicher, dass wir eine klare Vision, eine klare Überschrift über unsere Politik setzen. Und genau das werden wir drei Tage hier in Wildbad Kreuth tun.

Und wenn das alles eigentlich gar kein Thema ist. Warum braucht denn Herr Stoiber seit Weihnachten täglich Solidaritätsbekundungen seiner Gefolgsleute?

Weil ich genau weiß, was in meiner Partei los ist. Wir gehen in Bayern auf ganz wichtige Kommunalwahlen zu im nächsten Jahr und auch auf Landtagswahlen. Das geht den allermeisten, auch Funktionsträgern bei uns an der Basis, den Gemeinderäten, Stadträten, Bürgermeistern, Landräten, Kreisräten und so weiter, darum, dass sie in ordentlicher Weise ihre Politik darstellen können. Das liegt den Menschen wesentlich näher und ihrem politischen Umfeld hier in Bayern als irgendwelche Personalquerelen, von irgendwoher ausgerufen werden.

Dann schaun wir mal, wie sich das entwickelt. Danke für das Gespräch.

Ja. Sehr gerne.

RTL: Fernsehen mit Leidenschaft

RTL-Chefin Anke Schäferkordt antwortete dem Fachblatt „Kontakter“ auf die Frage, welche Trends für 2007 vielversprechend seien:

Uns ist schon seit Jahren nichts Neues mehr eingefallen, und ich sehe nicht, warum sich das gerade in diesem Jahr ändern sollte. Falls sich doch irgendwelche Trends abzeichnen sollten, werden wir aber natürlich nicht zögern, sie von Vox rüberzuziehen. Wenn Sie konkrete Fragen zum Programm haben, sollten Sie vielleicht besser jemanden fragen, der sich für sowas interessiert.

„Weder im deutschen noch im internationalen Markt zeichnen sich dominierende neue Programmtrends ab. Wir werden sowohl weiter unsere bestehenden Marken pflegen als auch in allen Genres neue Angebote bringen.“

Kornelius und das Internet, Folge II

Für alle, die glauben, bei dieser Auseinandersetzung sei es nur um eine vielleicht etwas unglückliche Formulierung gegangen und nicht um eine grundsätzliche Haltung —

Stefan Kornelius, 41, Außenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung und in den 80er Jahren Gründungsmitglied einer Medienfachzeitschrift, schreibt heute erneut über die Folgen der Hinrichtung Saddam Husseins:

(…) in Houston erhängte sich ein Kind, offenbar weil es die im Internet verbreitete Hinrichtung nachspielen wollte.

An diesem Halbsatz stimmen alle Einzelteile: In Houston erhängte sich ein Kind. Es wollte offenbar die Hinrichtung nachspielen. Die Hinrichtung wurde im Internet verbreitet.

Trotzdem ist der Satz falsch. Er suggeriert, dass der Zehnjährige die Hinrichtung im Internet gesehen hat. Er hat sie aber nach übereinstimmenden Berichten im Fernsehen gesehen. Also in einer Fassung, die den Tod Saddams selbst nicht zeigt. Er hat die Aufnahmen außerdem offenbar am 30. Dezember gesehen. Das Video, das die Hinrichtung Husseins vollständig zeigt, ist aber erst am 31. Dezember im Internet aufgetaucht. Was der Junge sah, muss also aus dem „offiziellen“ Video stammen, das nicht im Internet, sondern von den Behörden selbst veröffentlicht wurde.

Was die „Seuche Internet“ mit diesem Todesfall zu tun hat, weiß Stefan Kornelius allein.

Danke an (einen anderen) Stefan K.!

So mutig wie Dieter Bohlen

Ich fürchte, Harald Staun, Medienredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, kann sich eine erfolgreiche Bewerbung bei „Deutschland sucht den Superstar“ jetzt in die Haare schmieren. Er schreibt heute in seiner Kolumne „Die lieben Kollegen“:

Am Anfang hat er sich überlegt, einen Leserbrief zu schreiben als Reaktion auf den Artikel in der F.A.S. vom 17. Dezember 2006, aber zu so einem derart drastischen Mittel wollte der sogenannte Dieter Bohlen dann doch nicht greifen. Und so hat er seiner Wut lediglich in einem Interview mit der Zeitschrift „Bunte“ Luft gemacht. „Ich bin mir sicher, dass 99 % der Redakteure der FAZ sich in meiner Lage in die Hose geschissen und gerufen hätten: ‚Mama, hilf mir!'“, schätzt Bohlen dort. Und da haben wir natürlich noch mal nachgezählt. Bisher allerdings haben wir das eine Prozent noch nicht gefunden, das von sich behaupten kann, es wäre so mutig wie Bohlen aus dem Haus geflüchtet und hätte seine Freundin in den Händen der Einbrecher zurückgelassen.

Verstößt BILDblog gegen den Pressekodex?

Um das hier noch einmal festzuhalten (auch weil wir uns im BILDblog nicht zu sehr selbst zum Thema machen wollen):

Die Axel Springer AG ist offenbar der Meinung, dass es legitim ist, mit der Verletzung von Persönlichkeitsrechten, mit Falschmeldungen und Lügen Geld zu verdienen. (Sie tut es ungefähr jeden Tag.)

Die Axel Springer AG ist aber der Meinung, dass es nicht legitim ist, mit der Aufklärung über die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, über Falschmeldungen und Lügen Geld zu verdienen.

Sie forderte deshalb den Deutschen Presserat auf, Beschwerden von BILDblog gar nicht erst zu behandeln. Die Begründung der Rechtsabteilung der Axel Springer AG fasst der Deutsche Presserat so zusammen:

Sie begründet ihren Antrag damit, dass die Bild-Blog GbR [gemeint ist offensichtlich die B-Blog GbR] mit ihren Beschwerden und der Inanspruchnahme des Presserats gewerbliche Ziele verfolge und journalistische Berichterstattung manipuliere. Man inszeniere die Wirklichkeit, die man zum Gegenstand der journalistischen Berichterstattung mache, und verstoße damit gegen journalistische Grundsätze wie Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit.

Nach der Präambel des Pressekodex sollten alle Journalisten ihre publizistische Aufgabe unbeeinflusst von persönlichen Interessen und sachfremden Erwägungen wahrnehmen. Gegen diesen Grundsatz verstießen die Journalisten der Bild-Blog GbR [gemeint ist vermutlich die B-Blog GbR], indem sie den Presserat mit einer Flut von kommerziell, also sachfremd, motivierten Beschwerden anriefen, um damit Stoff für die Berichterstattung zu gewinnen. Eine ernsthafte Absicht, mit den Beschwerden Antworten auf offene Fragen der Berufsethik zu erhalten, die der Klärung bedürften, liege nicht vor.

Die Mär von der „Flut“ von Beschwerden, mit der wir angeblich den Presserat überschwemmen, wird übrigens nicht nur von der Axel Springer AG, sondern auch vom Presserat selbst verbreitet. Als ich neulich bei der Hamburg Media School war, wollten mir die Studenten nicht glauben, als ich sagte, die Zahl unserer Beschwerden sei vermutlich einstellig, höchstens zehn. Ein Mitglied des Presserates muss vorher ganz andere Dimensionen genannt haben.

Ein Vertreter dieser Institution hatte mir gegenüber auch geklagt, dass wir durch die „Flut“ unserer Beschwerden die Kapazität dieser Einrichtung überforderten. Heute haben wir noch einmal nachgezählt, wieviele es genau waren. Wir kamen auf acht. In zweieinhalb Jahren. Das ist eine Flut von über drei Beschwerden pro Jahr. Anders gesagt: Etwa alle 112 „Bild“-Zeitungs-Ausgaben einmal beschweren wir uns beim Presserat.

Unzulässigerweise, wie Springer meint, wie gesagt. Immerhin nennt die Rechtsabteilung des Konzerns uns nun „Journalisten“. Die ersten rund eineinhalb Jahre von BILDblog hatte sich der Pressesprecher der „Bild“-Zeitung als für unsere Anfragen nicht zuständig erklärt, weil unsere Arbeit keine journalistische sei. Das scheint sich geändert zu haben. Antworten bekommen wir meist immer noch nicht.