„big swinging dick man“

lesenswert fand ix roger boyes kai diekmann-portrait aus diesem buch in der netzeitung. eigentlich kommt boyes schon auf der ersten seite zum fazit als er diekmann nach seinem gehalt fragt und der peinlich betreten ausweicht und sich darauf beruft, dass es „in diesem land“ nicht üblich sei über gehälter zu reden:

Aha. Scheinheiligkeit ist also die Quintessenz des Boulevards. Es ist offenbar in Ordnung, über die Gehälter von Ex-Bundeskanzler Schröder zu mutmaßen, es ist beinahe schon obligatorisch sich über das Sexleben von Berühmtheiten auszulassen, aber Spekulationen über Führungskräfte von Zeitungen – Mitglieder derselben Borchardt- und Bocca-di-Bacco-Tischgesellschaft –, die sollen gefälligst ausbleiben. (quelle)

sammeln. und dann?

diese ganzen filme, artikel, zeitungen, bücher, wir fressen tonnen davon täglich in uns rein. was dabei herauskommt wenn wir uns ohne ende obst, gemüse oder fleisch reinstopfen ist bekannt.

was kommt heraus, wenn wir bücher, zeitungen, blogs oder was auch immer lesen, filme oder fernsehserien gucken? man lernt dazu, klar, man wird unterhalten und bekommt neue erinnerungen. aber kommt auch wieder was raus?

was habe ich davon, dass ich mir die erste staffel „boston legal“ auf dvd angeguckt habe, ausser dass ich mich königlich amüsiert habe, unglaublich gewundert habe wie man so gute, unfassbar leichte und auf den punkt geschriebene drehbücher verfassen kann, die dem ensemble auch noch wie auf den leib geschrieben sind. und alles was dabei rauskommt ist dass ich ab und zu, auf dem weg zum klo „denny crane“ vor mich hin brabble oder ein, zwei zeilen bei stefan-niggemeier.de darüber schreibe?

bleibt da was anderes hängen? wenn man sein ganzes leben lang romane liest, kann man dann selbst besser geschichten erzählen? wird man als experte ins fernsehen eingeladen, wenn man ganz viele sachbücher zu einem thema gelesen hat? wird man wie stefan niggemeier, wenn man in jeder freien minute fernsehen guckt?

ich esse weil ich hunger habe und danach (manchmal) satt bin. aber warum gehe ich ins kino? und was bin ich wenn ich aus dem kino wieder rauskomme? satt? ich lese täglich in ein paar hundert blogs und webseiten, lese ein bis zwei zeitungen und ziemlich viele emails und ich unterhalte mich mit einem haufen leute. was bleibt davon übrig? an was erinnere ich mich, was tropft wieder aus mir raus? welche wirkung hat das was ich mich reinstopfe auf mich?

ist der sinn des lesens und guckens, des lebens gar, dass ich wie ein schwamm informationen, geschichten und unterhaltung aufsauge, ein paar tropfen wieder verteile, aber mit dem grossteil der angesammelten, gespeicherten information die ich im leben angesammelt habe, in einem sarg verwese?

so richtig kann ich über die frage auch gar nicht nachdenken, ich will gleich „pippi langstrumpf auf takka-tukka-land“ auf dvd gucken und vorher noch ein paar blogs lesen.

Vice Magazin kriegt keinen Presseausweis wegen Startanimation

DJV heisst Deutscher Journalisten-Verband und ist eigentlich eine Gewerkschaft. Gleichzeitig entscheidet diese Gewerkschaft aber auch über die Vergabe von Presseausweisen. Nun ja. Mal abgesehen davon, dass in der Satzung die Rede ist von der Vertretung der ‚Interessen der hauptberuflich für Presse, Hörfunk, Fernsehen und andere Publikationsmittel tätigen Journalistinnen und Journalisten‚, was eventuell ein wenig über Journalisten und das Internet verrät, steht dort auch drin (§2, Abs. 2a), dass der DJV sich die Aufgabe gestellt hat, ‚die Freiheit und Eigenständigkeit von Presse und Rundfunk sowie die geistige Unabhängigkeit der journalistischen Arbeit zu sichern‚.

Das ist gut und richtig und soll bewirken, dass die Pressefreiheit gestärkt wird. Zum Beispiel gegen Menschen, Organisationen und Institutionen, die glauben, was Ihnen nicht in den Kram passt oder sie nicht verstehen, sollte nicht veröffentlich werden. Da ist es um so erstaunlicher, dass die bekannte Zeitschrift „Vice“ folgende Absage bekommen hat, als der Chefredakteur beim DJV einen Presseausweis beantragen wollte:

Ablehnungg_DJV

Gemeint ist hier, dass auf Viceland.de (wie auf Viceland.com auch), nach einigen Sekunden eine Animation beginnt, bei der Flugzeuge in den USA starten, in Richung Irak fliegen und dann Bomben abwerfen:

bombenflieger

Vollkommen klar, das so etwas gegen die „ethisch-journalistischen Grundsätze“ verstösst. US-Flugzeuge bombardieren den Irak. Pff. Wer sich sowas ausdenkt, der hat wahrhaftig keinen Presseausweis verdient.

im geschäftlichen verkehr normal

der neue geschäftsführer von transparency international, christian humborg, räumt im interview bei poltik-digital ein, in der vergangenheit fehler gemacht zu haben. so suggeriert es zumindest die überschrift. auf die frage was man aus dem fall gelernt habe, in dem transparency international mittels eines rüden briefes des transparency justiziars und ethikbeauftragten von der bloggerin moni verlangte einen text aus dem internet zu nehmen, antwortet humborg:

Das erste, was viele daraus gelernt haben, ist die Dimension, die Blogs inzwischen haben. Das war vielen bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Das zweite, dass man gelernt hat, ist, dass auch der Umgang ein anderer ist, als man das – übertrieben gesprochen – im geschäftlichen Briefverkehr hätte.

mit anderen worten, der ton den der justiziar von transparency in dem brief anschlug, sei im „geschäftlichen briefverkehr“ von transparency international irgendwie ganz normal. zur erinnnerung, der brief den transparency an die bloggerin schickte „ersparte“ sich „einzelheiten“ und lästige details, drohte aber umso unverholener mit konsequenzen:

Sollte das nicht erfolgen, kündige ich Ihnen schon jetzt eine strafbewehrte Unterlassungserklärung und ggf. eine einstweilige Verfügung an. Ich gehe davon aus, dass Sie sich über die rechtlichen, aber auch finanziellen Konsequenzen, die sich daraus für Sie ergeben werden, klar sind.

so kommuniziert transparency also im geschäftlichen verkehr, ausser der empfänger hat irgendwie eine „dimension“, ist also gross genug um sich gegen solche angriffe öffentlich oder juristisch zu wehren. genau dann also, ist so ein ton und unfaires verhalten ein fehler.

immerhin schiebt humborg nach der zweiten frage eine etwas zerknirschter klingende und fast als entschuldigung zu wertende antwort nach:

Es ist ja auch so, dass wir gesagt haben, in der Form und im Vorgehen haben wir einen Fehler gemacht. Das war nicht richtig, was wir gemacht haben. Wie wir gehandelt haben, das würden wir nicht noch mal so machen.

irgendwie habe ich schwierigkeiten das zu glauben. rein ethisch dürfte sich bei transparency nicht allzuviel verändert haben.

[nachtrag 28.04.2006]
christian humborg widerspricht in einem kommentar meiner interpretation seiner aussagen. find ix ok.

Zu dementierende Gerüchte

Oft wird Blogs vorgeworfen, unsachlich, übersubjektiv und vor allem quellenlos gerüchteverseucht zu sein. Ich kann das bestätigen. Mir werden praktisch ständig – fast immer anonym – Gerüchte zugetragen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, diesem zum Grossteil widerwärtigen, hanebüchenen und hinterhältigen Gerede ein für alle Mal eine deutliche Absage zu erteilen.

Am deutlichsten möchte ich mich von dem unfairen Gerücht distanzieren, Peter Turi sei „ein aufgeblasener Windbeutel“, der „vor Selbstherrlichkeit kaum laufen“ könne und „aus dem richtigen Winkel“ könne man „durch sein eines Ohr rein durchs andere Ohr hinaus auf die andere Seite sehen“. Eine glatte Unverschämtheit. Mir ist das nun mehrfach zugetragen worden, ich muss widersprechen, denn als ich Turi das letzte Mal sah, konnte er sehr wohl laufen. Ob aus Selbstherrlichkeit oder anderen Gründen konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht nachprüfen.

Aber auch das Gerücht, dass der Kress Report mit seiner angeblichen Abmahnung von verschiedenen Bloggern „kackdackelhaft gehandelt“ habe, damit „unsouveräne Unsouveränität bewiesen“ habe und sich sowieso „auf einem gladbachartig absteigenden Ast“ befinde, halte ich in dieser rohen Form ausgedrückt für explizit falsch, gemein und generell unflauschig gesprochen (auch Borussia Mönchen-Gladbach gegenüber).

Das von Harald Martenstein in die Welt gesetzte Gerücht, Adolf Hitler sei „innerlich … ein Gegner des NS-Regimes“ gewesen, kann ich so ebenfalls nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil habe ich den schrecklichen Verdacht, dass Hitler Antisemit gewesen sein könnte.

Beinahe ebenso ärgerlich ist das aktuelle Gerücht, Stefan Niggemeier habe Felix Schwenzel und mich als Urlaubsvertretung engagiert, um im Kontrast zu unseren „käsekuchigen Bloggerscherzchen“ seinen „Qualitätsjournalismus in Blogform“ besonders deutlich herausstechen zu lassen. Niggemeier habe sich letztlich nur „wegen einer Mischung aus Ekelfaszination und Experimentierfreude an der Grenze zur Selbstverachtung“ darauf eingelassen, werde sich aber „nach einer Woche Dauerplattitüden zweier noch nicht mal witziger Witzfiguren“ als „Qualitätserlöser“ feiern lassen.

Um ehrlich zu sein, denke ich unter dem Einfluss von einer solchen Vielzahl von Abscheulichkeiten doch wieder über einen Blogger-Kodex nach und könnte mir inzwischen sogar die Einführung eines Zwangssmileys für ironische Beiträge vorstellen.

Blogsitting

So. Ich mache ’ne Woche Urlaub. Aber die erprobten Fachkräfte ix und Lobo haben versprochen, in der Zwischenzeit hier ein Feuerwerk an guter Laune und investigativer Recherche abzufeuern.

Okay, haben sie nicht. Aber ich hab ihnen einfach mal die Schlüssel dagelassen und bin gespannt, was passiert.

Warum tut denn keiner was? (2)

Die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt LMK hat am Montag zwei Ausgaben der von 9Live für Sat.1 produzierten Abzock-Sendung „Quiz Night“ beanstandet. In einer sei ein nicht vorhandener Zeitdruck aufgebaut worden, bei einer anderen fehlten die passenden Teilnahmebedingungen. Beide Sendungen liefen vor rund einem halben Jahr.

Es handelt sich also um eine schnelle Entscheidung.

Die Beanstandung ist begrüßenswert, zeigt aber auch die Hilflosigkeit der Landesmedienanstalten. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte der LMK-Chefjustiziar Rolf Platho, materielle Folgen für den Sender hätten die Beanstandungen nicht. „Aber der Druck wird größer nach dem Motto: Da muss sich was ändern.“

Es ist ein sehr, sehr immaterieller Druck. Im Fall der Schleichwerbung in der Sat.1-Ostersendung „Jetzt geht’s um die Eier!“, die die LMK in derselben Sitzung bestätigte, hat die LMK längst ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Bei Verstößen gegen die Regeln der Landesmedienanstalten für die teuren Anrufsendungen, droht den Sendern nichts dergleichen. Denn dabei handelt es sich nicht um eine Ordnungswidrigkeit im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages.

Dabei ist die entsprechende Liste durchaus eindrucksvoll. Einem Sender, der es zum Beispiel wagt, die Ausstrahlung eines Gottesdienstes durch Werbung zu unterbrechen, droht nach dem Rundfunkstaatsvertrag eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro. Einem Sender, der die Zuschauer systematisch und dauerhaft über Gewinnmöglichkeiten bei kostenpflichtigen Anrufsendungen täuscht, droht nach dem Rundfunkstaatsvertrag — keine Geldbuße.

Das zu ändern, wäre Aufgabe der Bundesländer. Sie müssten bei der nächsten Novellierung des Rundfunkstaatsvertrages entsprechende Verstöße in den Katalog der Ordnungswidrigkeiten aufnehmen. Die Beanstandung wäre dann zwar immer noch Sache der teils unwilligen, teils unfähigen Landesmedienanstalten. Aber immerhin stünden ihnen dann überhaupt wirkungsvolle Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung.

Es wäre an der Zeit.

Spaß mit der „Rheinischen Post“

Heute mittag gelesen, wie der Online-Auftritt der „Rheinischen Post“ aus einer schwachsinnigen „Bild“-Meldung eine noch schwachsinnigere eigene Meldung gemacht hat.

Heute nachmittag gelesen, wie die „Rheinische Post“ aus einer nicht ganz richtigen ddp-Meldung eine ganz falsche eigene Meldung gemacht hat.

Und gerade im Feed von rp-online.de dies gefunden: