
Es ist nicht so, dass man „KINDerLEBEN“, das neue „Familienmagazin“ der „Süddeutschen Zeitung“, gar nicht lesen kann. Wer genau hinschaut, ahnt, dass an den dünnen hellgrauen Schlangenlinien im Text oben und unten noch was dranhängt: Das müssen „s“ sein. Im spindeldürren „e“ ist der Querstrich so weit hochgerutscht, dass es fast wie ein „c“ aussieht, aber doch nur fast. Und wenn man die Augen zusammenkneift, lassen sich manchmal mit etwas Glück sogar die Kommas von den Punkten unterscheiden — das ist doch was!
Die Buchstaben sehen aus, als hätte jemand mühsam Mohnsamen zu hauchfeinen Partikeln zerrrieben und dann in kleinsten Prisen gleichmäßig über die Seiten gestreut. Das links ist ein verkleinerter, aber sonst unbearbeiteter Scan aus einer Seite (zum Vergleich rechts das Ikeadings im gleichen Maßstab). In Kästen ist dieser graue Hauch von Schrift oft noch kleiner und steht gerne auf graubraunem Untergrund.
Aber vielleicht liest man dieses Zeitungs-Supplement ohnehin besser nicht. Einzelne Texte stammen zwar von namhaften „SZ“-Autoren. Aber gleich der erste große Artikel in der ersten Ausgabe des neuen Heftes, quasi der Aufmacher, ist gar kein Artikel, sondern eine Anzeige, die wie ein Artikel aufgemacht ist (zum Vergleich: links die Anzeige, rechts ein Artikel).


Und auch die Firma Hipp darf sich ein paar Seiten weiter in solcher Gestaltung präsentieren, dass man erst beim zweiten Hinsehen merkt, dass es sich nicht um einen redaktionellen Beitrag handelt. Wie knapp muss das Geld bei der „Süddeutschen“ sein, wenn sie diese Produktionsform nicht mehr den billigsten Frauen- und Fernsehzeitschriften überlassen will?
Ein armes Schleichwerbeblättchen ist dieses „KINDerLEBEN“, voller Produktinformationen, mit einem traurigen Cover und einem Schwachsinnstitel, der im Vorwort noch erklärt wird: „Was ein Kinderleben ausmacht, wie Kinder leben und wie Eltern ihr Kind erleben — damit beschäftigt sich unser neues Magazin.“ Gut, dass man’s eh kaum lesen kann.
Und quasi als Pointe ist ausgerechnet das Wort „Schlusskorrektur“ falsch geschrieben: ohne „l“.





