Die Leute vom deutschen Subforum für Ask Me Anythings haben mich eingeladen: Von 18 Uhr an kann man mich heute auf Reddit alles fragen. Bin sehr gespannt!
Medienjournalist
Die Leute vom deutschen Subforum für Ask Me Anythings haben mich eingeladen: Von 18 Uhr an kann man mich heute auf Reddit alles fragen. Bin sehr gespannt!

Heute zeigen uns der Westdeutsche und der Hessische Rundfunk, wie man Transparenz und Aufklärung vorgaukeln und die Zuschauer trotzdem weiter verschaukeln kann.
Beginnen wir mit der Erklärung des WDR vom Dienstag über seine Hitlisten-Sendungen. Darin heißt es:
Damit [mit der Überarbeitung der Konzepte] reagiert der WDR auf eine gründliche Prüfung seiner bisherigen Ranking-Sendereihen im Fernsehen, die nach der Diskussion um eine Ranking-Show des ZDF veranlasst worden war. Im Gegensatz dazu basieren die Ranking-Sendungen im WDR Fernsehen allerdings nicht auf repräsentativen Umfragen, sondern auf Online-Votings.
So, Hefte raus, Klassenarbeit. Hat der WDR Ranking-Shows produziert, die, wie beim ZDF, auf repräsentativen Umfragen basierten?
Die richtige Antwort lautet: Ja.
Aber das würde man angesichts der Formulierung der WDR-Presseerklärung nicht erahnen. Der zweite Satz spricht, anders als der erste, nicht mehr von allen WDR-Ranking-Reihen, sondern nur von denen, die im WDR-Fernsehen liefen.
Dass er 2012 insgesamt sechs Ranking-Shows (jeweils zwei Teile von „Die schönsten Bauernhöfe / Schlösser / Städte“) im Ersten ausgestrahlt hat, die auf einer repräsentativen Meinungsumfrage beruhten, kann der WDR so geschickt verschweigen.
Auf meine Nachfrage gibt der Sender an, die Umfragen habe das Institut Innofact in Düsseldorf im Februar bzw. März 2012 unter jeweils gut 1000 Menschen durchgeführt. Die Ergebnisse will er mich aber nicht einsehen lassen,
„da es sich um redaktionsinternes Material handelt.“
Redaktionsinternes Material? Das ist ein lustiger Grund. Warum sollte der WDR nicht die Unterlagen des Umfrageinstituts herausgeben? Warum will er nicht einfach die konkrete Fragestellung und die Antworten der Befragten nennen?
Ich kann es mir nämlich tatsächlich nicht vorstellen, wie diese bundesweite, repräsentative Umfrage abgelaufen sein soll, bei der zufällig ausgewählte Menschen sich entscheiden sollten, ob sie den Wintringer Hof in Kleinblittersdorf im Saarland schöner finden oder den Meierhof Rassfeld in Gütersloh oder das Gut Hesterberg in Neuruppin-Lichtenberg, das angeblich auf Platz 1 landete.
Aber diesen Fragen wollte sich der WDR auch nicht stellen, deshalb hatte er ja so getan, als beruhten seine Ranking-Shows, anders als die des ZDF, gar nicht auf repräsentativen Umfragen und als sei jede mögliche Veränderungen an den Ergebnissen schon deshalb nicht so schlimm.
Auf meine Frage, warum der Sender in seiner Presseerklärung diese Shows verschwieg, antwortete der Pressesprecher:
Die Überprüfung dieser Sendereihe für das Erste hat keine Auffälligkeiten ergeben. Der WDR sah keine Veranlassung, auf diesen Umstand explizit hinzuweisen.
Oder überhaupt auf ihre Existenz.
Und dann war da ja noch der hr, der — gemeinsam mit dem WDR — eine Reihe trauriger Hitparaden-Sendungen fürs Erste produzierte, darunter die Show „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“. Dass die Redaktion damals das Ergebnis der Online-Abstimmung von Hand veränderte, hatte der Sender 2012 nach langem Zögern zugegeben. In der vermeintlich großen Aufklärungsrunde jetzt ließ er sie einfach unter den Tisch fallen. Unter dem Blendwort „Transparenz“ in der Überschrift der hr-Pressemitteilung ist dann auch nur noch die Rede von Eingriffen in die Ergebnisse von Online-Votings „im hr-fernsehen“, nicht im Ersten.
Ich habe den Sender deshalb gefragt:
- Die Presseerklärung und die Aussagen von Herrn Reitze scheinen sich ausschließlich auf Sendungen im hr-Fernsehen und im Radio zu beziehen. Hat der hr auch seine Ranking-Shows im Ersten untersucht?
- Wie bewertet der hr die auffälligen nachträglichen Veränderungen bei der Sendung „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“, die 2012 von fernsehkritik.tv dokumentiert wurden?
- Der hr hatte damals angegeben, die Ergebnisse des Online-Votings nachträglich „rechnerisch gewichtet“ zu haben und angegeben, dies sei „ein übliches Verfahren“. Bedeutet das, dass der hr auch bei seinen anderen Ranking-Shows im Ersten entsprechend eingegriffen hat?
- Wie hat der hr in seinen Ranking-Shows im Ersten das Votum der Prominenten-Jury ermittelt?
- Wie wurde das Jury-Votum mit dem Ergebnis der Online-Voten kombiniert?
Anstelle von Antworten schrieb mir der Unternehmenssprecher:
Der hr hat alle Ranking-Sendungen, die in den Jahren 2011 bis 2014 erstausgestrahlt wurden und die er zu verantworten hat, überprüft und keine Auffälligkeiten festgestellt. Die von Ihnen thematisierte Ranking-Serie für das Erste war eine Gemeinschaftsproduktion von WDR und HR mit wechselnder Federführung. Zu der von Ihnen angesprochenen Folge „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“ haben wir, die für diese Folge federführend waren, bereits ausführlich im Jahr 2012 Stellung genommen. Bei jenen Sendungen, für die der hr weiterhin die Federführung inne hatte, ist in der Moderation explizit darauf hingewiesen worden, wie die Rangliste entstanden ist: nämlich auf Basis des Online-Votings und der Abstimmung einer prominenten Jury. Damit war transparent, dass es sich bei der Rangliste nicht ausschließlich um die Zuschauermeinung handelte.
Sie meinen das nicht so, mit der Transparenz. Wirklich nicht.
Sie müssen glauben, dass ihr Vorrat an Glaubwürdigkeit unendlich ist.
Dann schauen wir uns doch mal an, wie die Zuschauerinnen und Zuschauer des NDR tatsächlich abgestimmt haben, bei diesen Ranking-Sendungen, die (mehr oder weniger) darauf beruhen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer des NDR angeblich abgestimmt haben.
Zum Beispiel über die „spektakulärsten Rücktritte“. Howard Carpendale eroberte dabei im Online-Voting den ersten Platz. Mit sagenhaften 64 Klicks.
| Die spektakulärsten Rücktritte | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Howard Carpendale | 64 |
| 2 | Margot Käßmann | 48 |
| 3 | Karl-Theodor zu Guttenberg | 47 |
| 4 | Horst Köhler | 46 |
| 5 | Uwe Barschel | 43 |
| 6 | Willy Brandt | 28 |
| 7 | Oskar Lafontaine | 19 |
| 8 | Michel Friedman | 17 |
| 9 | Rudi Völler | 15 |
| 10 | Franz-Josef Strauß | 13 |
| 11 | Erich Honecker | 12 |
| 12 | Christian von Boetticher | 11 |
| 13 | Guido Westerwelle | 11 |
| 14 | Andrea Ypsilanti | 10 |
| 15 | Corny Littmann | 9 |
| 16 | Ole von Beust | 9 |
| 17 | Jan Ullrich | 8 |
| 18 | Modern Talking | 8 |
| 19 | Franz Müntefering | 7 |
| 20 | Walter Mixa | 7 |
| 21 | Silvana Koch-Mehrin | 5 |
| 22 | Dagmar Berghoff | 5 |
| 23 | Hans Karl Filbinger | 5 |
| 24 | Gregor Gysi | 4 |
| 25 | Michael Schumacher | 3 |
| 26 | Rosi Mittermaier | 2 |
Dagegen war es geradezu eine Massenbewegung, die die Hüttener Berge auf den ersten Platz ihrer Abstimmung katapultierte:
| Die schönsten Wälder des Nordens | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Hüttener Berge | 152 |
| 2 | Harz | 79 |
| 3 | Darßwald | 69 |
| 4 | Griever Holz | 62 |
| 5 | Langenberger Forst | 51 |
| 6 | Jasmunder Buchenwald | 50 |
| 7 | Darguner Wald | 46 |
| 8 | Mellenthiner Heide | 25 |
| 9 | Ruheforst Brodau | 24 |
| 10 | Sachsenwald | 21 |
| 11 | Teutoburger Wald | 21 |
| 12 | Schwarze -/Harburger Berge | 20 |
| 13 | Reinhardswald | 20 |
| 14 | Katinger Watt | 19 |
| 15 | Klövensteen | 16 |
| 16 | Wohldorfer Wald | 16 |
| 17 | Hasbruch | 15 |
| 18 | Solling-Vogler | 13 |
| 19 | Eilenriede Hannover | 12 |
| 20 | Tide-Auwald Heuckenlock | 7 |
Oder das Wattenmeer:
| Die schönsten Naturparadiese des Nordens | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Wattenmeer | 110 |
| 2 | Usedom | 40 |
| 3 | Feldberger Seenlandschaft | 39 |
| 4 | Harz | 34 |
| 5 | Rügen | 34 |
| 6 | Hiddensee | 32 |
| 7 | Naturpark Weserbergland | 30 |
| 8 | Geltinger Birk | 28 |
| 9 | Lüneburger Heide | 26 |
| 10 | Helgoland | 22 |
| 11 | Elbtalauen | 22 |
| 12 | Peenetal | 20 |
| 13 | Naturpark Stettiner Haff | 19 |
| 14 | Schaalsee | 19 |
| 15 | Northeimer Seenplatte | 18 |
| 16 | Friesische Moore | 16 |
| 17 | Ivenacker Eichen | 15 |
| 18 | Neuwerk | 11 |
| 19 | Naturpark Solling-Vogler | 9 |
| 20 | Drömling | 6 |
| 21 | Heuckenlock | 5 |
| 22 | Naturpark Münden | 4 |
| 23 | Neßsand | 3 |
| 24 | Stapelholm | 3 |
| 25 | Fischbeker Heide | 2 |
Es brauchte nur eine mittelengagierte Zahl von Fans, um vom NDR zum „beliebtesten Komiker des Nordens“ gekürt zu werden:
| Die beliebtesten Komiker des Nordens | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Kay Ray | 1071 |
| 2 | Panzer | 599 |
| 3 | Grammel | 254 |
| 4 | Ceylan | 219 |
| 5 | Emmi & Herr Willnowsky | 211 |
| 6 | Loriot | 189 |
| 7 | Schmitz | 176 |
| 8 | Erhardt | 140 |
| 9 | Waalkes | 109 |
| 10 | Boes | 108 |
| 11 | Krömer | 98 |
| 12 | Tufts | 95 |
| 13 | Dittrich | 81 |
| 14 | von der Lippe | 77 |
| 15 | Knop | 73 |
| 16 | von Hirschhausen | 63 |
| 17 | Hallervorden | 52 |
| 18 | Schubert | 48 |
| 19 | Oschmann | 48 |
| 20 | Jaschke | 45 |
| 21 | Schneider | 43 |
| 22 | Stelter | 33 |
| 23 | Feddersen | 26 |
| 24 | Wischmeyer | 26 |
| 25 | Schmidt | 23 |
| 26 | Krüger | 23 |
| 27 | Herr Holm | 22 |
| 28 | Dennis & Jesko | 11 |
| 29 | Asmussen | 10 |
| 30 | Dall | 9 |
| 31 | Thielke | 3 |
Die Freunde von Dschingis Khan waren fast ein wenig überengagiert:
| Die beliebtesten Kult-Schlager | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Dschingis Khan | 4929 |
| 2 | Verdammt, ich lieb‘ dich | 699 |
| 3 | Nur die Liebe lässt uns leben | 261 |
| 4 | Einmal um die Welt | 238 |
| 5 | Er gehört zu mir | 192 |
| 6 | Schuld war nur der Bossanova | 191 |
| 7 | Marmor, Stein und Eisen bricht | 166 |
| 8 | Ein Bett im Kornfeld | 154 |
| 9 | Ein Stern | 148 |
| 10 | Du hast mich tausendmal belogen | 147 |
| 11 | Über den Wolken | 137 |
| 12 | Zigeunerjunge | 133 |
| 13 | Und es war Sommer | 131 |
| 14 | Mendocino | 124 |
| 15 | Ein Lied kann eine Brücke sein | 120 |
| 16 | Hello again | 116 |
| 17 | Ein bisschen Frieden | 115 |
| 18 | Santa Maria | 115 |
| 19 | Himbeereis zum Frühstück | 111 |
| 20 | Es fährt ein Zug nach nirgendwo | 106 |
| 21 | Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben | 100 |
| 22 | Im Wagen vor mir | 99 |
| 23 | Ti amo | 94 |
| 24 | Komm doch mal rüber | 87 |
| 25 | Weiße Rosen aus Athen | 86 |
| 26 | Wer Liebe lebt | 84 |
| 27 | Wahnsinn | 83 |
| 28 | Barfuß im Regen | 79 |
| 29 | Er hat ein knallrotes Gummiboot | 78 |
| 30 | Ein Festival der Liebe | 77 |
| 31 | Ich liebe das Leben | 76 |
| 32 | Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? | 74 |
| 33 | Carnaby Street | 71 |
| 34 | Der Junge mit der Mundharmonika | 70 |
| 35 | Biene Maja | 69 |
| 36 | Schön ist es auf der Welt zu sein | 68 |
| 37 | Oh, wann kommst du? | 65 |
| 38 | Blue Bayou | 62 |
| 39 | Ganz in Weiß | 61 |
| 40 | Marleen | 60 |
| 41 | Fiesta Mexicana | 58 |
| 42 | So schön kann doch kein Mann sein | 57 |
| 43 | Auf der Straße nach Süden | 56 |
| 44 | Ich wär‘ so gern wie du | 55 |
| 45 | Tanze Samba mit mir | 54 |
| 46 | Schöne Maid | 53 |
| 47 | Du kannst nicht immer 17 sein | 51 |
| 48 | Siebzehn Jahr blondes Haar | 50 |
| 49 | Anita | 44 |
| 50 | Wunder gibt es immer wieder | 43 |
| 51 | Jenseits von Eden | 42 |
| 52 | Guildo hat euch lieb | 41 |
| 53 | Tränen lügen nicht | 40 |
| 54 | Amigo Charly Brown | 39 |
| 55 | Sieben Fässer Wein | 39 |
| 56 | Theater | 37 |
| 57 | Theo wir fahr’n nach Lodz | 36 |
| 58 | Und dabei liebe ich euch beide | 33 |
| 59 | Michaela | 28 |
| 60 | Goodbye Mama | 25 |
| 61 | Blau blüht der Enzian | 23 |
| 62 | Ein bisschen Spaß muss sein | 22 |
| 63 | Paloma Blanca | 21 |
| 64 | Lass die Sonne in dein Herz | 20 |
| 65 | Immer wieder sonntags | 19 |
| 66 | Viva la noche | 18 |
| 67 | Ich bin verliebt in die Liebe | 15 |
| 68 | Der Puppenspieler von Mexiko | 14 |
| 69 | Sommernacht in Rom | 9 |
Und die der MZ ETZ 250 erst!
| Die beliebtesten Motorräder Norddeutschlands | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | MZ ETZ 250 | 32384 |
| 2 | MZ ES 250/2 Trophy | 1687 |
| 3 | AWO 425 | 1077 |
| 4 | Münch Mammut | 1030 |
| 5 | Puch 250 SGS | 771 |
| 6 | Puch 175 SVS | 617 |
| 7 | Kawasaki Mach 3 | 602 |
| 8 | Yamaha XT 500 | 594 |
| 9 | Horex Regina 350 | 571 |
| 10 | BSA A 65 | 536 |
| 11 | Cagiva Elefant 900 | 466 |
| 12 | Moto Guzzi V7 GT 850 California | 429 |
| 13 | Moto Guzzi V 850 Le Mans | 353 |
| 14 | Benelli 750 Sei | 337 |
| 15 | Honda Gold Wing GL 1500 | 326 |
| 16 | Honda Bol’dor | 324 |
| 17 | Yamaha XS 650 | 319 |
| 18 | Laverda 750 SFC | 294 |
| 19 | Ducati 916 | 293 |
| 20 | Ducati 750 SS | 270 |
| 21 | EMW R 35 / 2 | 256 |
| 22 | BSA 750 Rocket 3 | 247 |
| 23 | Zündapp KS 601 | 239 |
| 24 | Bosshoss | 237 |
| 25 | Royal Enfield Bullet 500 | 225 |
| 26 | BMW R 50 | 214 |
| 27 | DKW RT 350S | 212 |
| 28 | Triumph Bonneville T 120 | 191 |
| 29 | Honda CB 750 Four | 183 |
| 30 | Harley Davidson Fat Boy | 178 |
| 31 | Red Porsche Killer | 176 |
| 32 | Ducati Monster | 173 |
| 33 | Yamaha XJR 1300 | 170 |
| 34 | Benelli 500 Quattro | 168 |
| 35 | Jawa 350 | 167 |
| 36 | BMW R 69 S | 162 |
| 37 | MV Agusta 750 S | 160 |
| 38 | BMW 80 GS | 157 |
| 39 | Vincent 1000 Black Shadow | 154 |
| 40 | Harley Davidson Panhead | 151 |
| 41 | Norton Commando 750 | 150 |
| 42 | Indian Chief | 145 |
| 43 | Motobi 250 Sport Special | 133 |
| 44 | Aprilia Tuono 1000 R | 124 |
| 45 | Gilera Saturno | 122 |
| 46 | Hercules K 125 | 119 |
| 47 | Ural M 72 | 118 |
| 48 | Kawasaki Z1 | 116 |
| 49 | Suzuki Hayabusa | 101 |
| 50 | Moto Morini 3 1/2 | 94 |
| 51 | Düse 1 | 91 |
| 52 | Buell Lightning S1 | 86 |
| 53 | Kawasaki Ninja ZX – 9 R | 73 |
| 54 | Hercules 322 | 71 |
| 55 | Suzuki GT 750 | 66 |
| 56 | Maico M 250 B | 59 |
| 57 | KTM 400 EXC – Racing | 58 |
| 58 | KTM 950 Adventure | 57 |
| 59 | Suzuki Intruder 1400 | 55 |
| 60 | Da Changjiang | 24 |
Und so weiter:
| Die beliebtesten Tiere Norddeutschlands | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Seehund | 153 |
| 2 | Eisvogel | 143 |
| 3 | Eichhörnchen | 137 |
| 4 | Fischotter | 128 |
| 5 | Seeadler | 100 |
| 6 | Austernfischer | 98 |
| 7 | Igel | 95 |
| 8 | Fischadler | 93 |
| 9 | Storch | 91 |
| 10 | Möwen | 88 |
| 11 | Luchs | 85 |
| 12 | Kegelrobbe | 83 |
| 13 | Wildkatze | 81 |
| 14 | Wildschwein | 79 |
| 15 | Kranich | 77 |
| 16 | Schweinswal | 75 |
| 17 | Basstölpel | 73 |
| 18 | Biber | 71 |
| 19 | Uhu | 70 |
| 20 | Schleiereule | 68 |
| 21 | Hase | 65 |
| 22 | Graureiher | 63 |
| 23 | Wattwurm | 60 |
| 24 | Baummarder | 57 |
| 25 | Maus | 55 |
| 26 | Elefantenbaby Rani | 53 |
| 27 | Hirsch | 50 |
| 28 | Schwarzspecht | 48 |
| 29 | Fuchs | 45 |
| 30 | Waschbär | 43 |
| 31 | Steinkauz | 40 |
| 32 | Küstenseeschwalbe | 38 |
| 33 | Turmfalke | 35 |
| 34 | Kaninchen | 32 |
| 35 | Nordseegarnele | 29 |
| 36 | Kormoran | 26 |
| 37 | Rohrweihe | 24 |
| 38 | Trottellumme | 24 |
| 39 | Schwan | 21 |
| 40 | Siebenschläfer | 19 |
| 41 | Dachs | 15 |
| 42 | Wiesenweihe | 9 |
| 43 | Löffler | 8 |
| 44 | Ameise | 8 |
| 45 | Qualle | 8 |
| 46 | Lachs | 8 |
| 47 | Star | 4 |
| 48 | Wasserfrosch | 2 |
| 49 | Wasserspitzmaus | 2 |
| 50 | Waldkauz | 2 |
| 51 | Hirschkäfer | 2 |
| 52 | Schellente | 1 |
| 53 | Hermelin | 1 |
| 54 | Haubentaucher | 1 |
| Die besten Witze des Nordens | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Bauern-Witze | 114 |
| 2 | Ostfriesen-Witze | 106 |
| 3 | Klein Erna-Witze | 64 |
| 4 | Blondinen-Witze | 56 |
| 5 | Politiker-Witze | 44 |
| 6 | Bundeswehr-Witze | 42 |
| 7 | Witze aus der Damenabteilung | 39 |
| 8 | Seemanns-Witze | 37 |
| 9 | Paar-Witze | 33 |
| 10 | Pfarrer-Witze | 32 |
| 11 | Tier-Witze | 26 |
| 12 | Auto und Verkehr | 21 |
| Die besten Sportler des Nordens | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Seeler | 214 |
| 2 | Schmeling | 96 |
| 3 | Nerius | 88 |
| 4 | Hrubesch | 80 |
| 5 | Stich | 70 |
| 6 | Magath | 66 |
| 7 | Kumbernuss | 60 |
| 8 | Hens | 58 |
| 9 | Schockemöhle | 46 |
| 10 | Dietzsch | 45 |
| 11 | Kolbe | 40 |
| 12 | Frömming | 39 |
| 13 | Dittmer | 37 |
| 14 | Bruhn | 36 |
| 15 | Romeike | 35 |
| 16 | Völker | 34 |
| 17 | Holdorf | 32 |
| 18 | Brehme | 31 |
| 19 | Stanislawski | 30 |
| 20 | Kaltz | 29 |
| 21 | Doll | 28 |
| 22 | Thiedemann | 26 |
| 23 | Haas | 25 |
| 24 | Koch | 24 |
| 25 | Dahlinger | 20 |
| 26 | Kuhweide | 17 |
| 27 | Von Cramm | 15 |
| 28 | Schenk | 13 |
| 29 | Kiefer | 12 |
| 30 | Effenberg | 11 |
| 31 | Schult | 10 |
| 32 | Schultz | 8 |
| 33 | Blunck | 7 |
| 34 | Michalczewski | 6 |
| 35 | Gäbler | 5 |
| 36 | Danneberg | 4 |
| 37 | Blin | 3 |
| 38 | Schümann | 0 |
| Die schönsten Operetten | ||
|---|---|---|
| Platz | Kandidat | Klicks |
| 1 | Der Vogelhändler | 74 |
| 2 | Die Fledermaus | 60 |
| 3 | Der Zigeunerbaron | 47 |
| 4 | Das Land des Lächelns | 43 |
| 5 | Die lustige Witwe | 40 |
| 6 | Im weißen Rößl | 38 |
| 7 | Orpheus in der Unterwelt | 33 |
| 8 | Der Zarewitsch | 32 |
| 9 | Die Csárdásfürstin | 30 |
| 10 | Wiener Blut | 29 |
| 11 | Der Bettelstudent | 27 |
| 12 | Der Vetter aus Dingsda | 26 |
| 13 | Gräfin Mariza | 25 |
| 14 | Eine Nacht in Venedig | 24 |
| 15 | Die Blume von Hawaii | 23 |
| 16 | Paganini | 22 |
| 17 | Der Opernball | 21 |
| 18 | Schwarzwaldmädel | 20 |
| 19 | Der Graf von Luxemburg | 19 |
| 20 | Frau Luna | 17 |
| 21 | Maske in Blau | 16 |
| 22 | Wie einst im Mai | 9 |
| 23 | Boccaccio | 8 |
| 24 | Der fidele Bauer | 5 |
| 25 | Ein Walzertraum | 5 |
| 26 | Gasparone | 5 |
| 27 | Meine Schwester und ich | 5 |
| 28 | Der verlorene Walzer (Zwei Herzen im Dreivierteltakt) | 4 |
| 29 | Die Zirkusprinzessin | 4 |
| 30 | Gräfin Dubarry | 4 |
| 31 | Ball im Savoy | 3 |
| 32 | Giuditta | 3 |
| 33 | Der Favorit | 2 |
| 34 | Die Dollarprinzessin | 2 |
| 35 | Friederike | 2 |
| 36 | Madame Pompadour | 2 |
| 37 | Saison in Salzburg (Salzburger Nokerln) | 2 |
| 38 | Bezauberndes Fräulein | 1 |
| 39 | Der liebe Augustin | 1 |
| 40 | Die Keusche Susanne | 1 |
| 41 | Marietta | 0 |
| 42 | Viktoria und ihr Husar | 0 |
Wir halten also fest: Der NDR hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert, der WDR hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert, der RBB hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert (obwohl er das vor ein paar Tagen noch bestritt) und der HR hat bei seinen Ranking-Shows nach Gutdünken Plätze verändert.
Ich glaube nicht, dass das alles ist.
In ihren Pressemitteilungen gehen WDR und HR ausschließlich auf Sendungen ein, die in ihren Dritten Programmen gelaufen sind. Sie haben aber auch gemeinsam Ranking-Shows fürs Erste produziert.
Auf Nachfrage nach diesen Sendungen teilt mir der WDR mit:
2009 bis 2013 gab es eine gemeinsam mit dem hr produzierte Sendereihe von zehn Folgen mit wechselnder Federführung. Themen waren zum Beispiel die schönsten Weihnachtslieder oder die beliebtesten TV-Tiere. Hier wurde in den Moderationen deutlich darauf hingewiesen, dass sowohl die Zuschauer als auch eine prominente Jury über die Rangfolge abgestimmt haben.
Außerdem haben wir 2012 eine ARD-Gemeinschaftsproduktion verantwortet mit je zwei Folgen „Die schönsten Bauernhöfe/Schlösser/Städte“. Hier wurden 50 Items redaktionell ausgewählt und die Rangfolge der besten repräsentativ von einem Meinungsforschungsinstitut ermittelt und auch so abgebildet.
Unsere Prüfung hat für die ARD-Sendungen keine Auffälligkeiten ergeben.
Das ist erstaunlich. Denn eine dieser Sendungen ist schon kurz nach ihrer Ausstrahlung auffällig geworden.

Es handelt sich um die Show „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“, die am 19. April 2012 im Ersten lief. Sie wurde von Kim Fisher und Ralf Schmitz moderiert, und der Hessische Rundfunk fand das Ergebnis so relevant, dass er es in seinen Radio-Nachrichten verkündete:
Das Magazin fernsehkritik.tv hatte damals schon auf diverse Unstimmigkeiten hingewiesen. Eine Bud-Spencer-Fanseite hatte damals berichtet, dass Bud Spencer und Terence Hill bei der Online-Abstimmung auf dem ersten Platz gelandet seien. Das sei den Betreibern von der Redaktion mitgeteilt worden. In der Sendung selbst lagen die beiden aber plötzlich nur auf Platz 20.
Dafür verantwortlich sein soll das Votum einer „prominenten Jury“. Deren Existenz wurde in der Sendung tatsächlich vage angedeutet. Im Presseheft zur Show war davon allerdings noch keine Rede gewesen. Dort behauptete der HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp:
In der Fernsehshow „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“ zeigt das Erste die 25 Lieblingskomiker-Duos der Zuschauer, die per Online-Abstimmung auf DasErste.de aus einer Liste gewählt worden sind.
Ja. Nein.
Der Off-Sprecher sagte zu Beginn der Sendung:
Sie haben im Internet abgestimmt. Und das Ergebnis Ihrer Wahl präsentieren Kim Fisher und Ralf Schmitz.
Drei Wochen und mehrere Nachfragen sollen nach Darstellung von fernsehkritik.tv damals nötig gewesen sein, um von einer Pressestelle Antworten auf naheliegende Fragen zu bekommen. Der HR erklärte schließlich:
Schon bei den ersten Zwischenergebnissen des Online-Votings war ein sehr schneller Anstieg der Stimmen für Bud Spencer und Terence Hill auffällig — unproportional zum Verlauf der weiteren Ergebnisse. Es wurde offensiv auf entsprechenden Fan-Seiten im Internet zur Abstimmung aufgerufen.
Wir haben die Ergebnisse daher rechnerisch gewichtet, damit wir keine zu großen Verzerrungen durch eine kleine, aber sehr aktive Fan-Gemeinde bekommen. Dies ist ein übliches Verfahren. Deshalb sind online-Votings auch nie repräsentativ und müssen durch die Stimmen der Jury ergänzt werden.
Dass die freihändige rechnerische Gewichtung ein innerhalb der ARD „übliches Verfahren“ ist, ja, das kann man angesichts der Meldungen der vergangenen Tage als bestätigt sehen. Ob es ein in dieser Form zulässiges Verfahren ist, insbesondere wenn diese Änderungen nicht transparent gemacht werden, ist eine andere Frage.
Lustig aber auch die Behauptung, dass Online-Votings immer durch Jurystimmen „ergänzt“ werden müssten. Wie diese „Ergänzung“ passierte, verriet der HR nicht. Die Ergebnisse seien „kumuliert“ worden, hieß es nur vage.
Der HR wollte gegenüber fernsehkritik.tv damals nicht einmal die vollständige Liste der Mitglieder der ominösen „prominenten Jury“ nennen. „Mehr als zehn Personen aus dem Unterhaltungsfach“, gehörten dazu, hieß es nur, „darunter Eckart von Hirschhausen, Désirée Nick, Hellmuth Karasek, Bülent Ceylan, Jan Fedder, Olaf Schubert und Gayle Tufts.“
Sowie, so würde ich mutmaßen, irgendwelche weiteren Leute, die man sich notfalls bei weiteren Nachfragen noch ausdenken würde, samt ihrer Abstimmungsergebnisse oder jedenfalls deren Kumulation.
Das sind die Auffälligkeiten der von WDR und HR produzierten Sendung „Die beliebtesten Komiker-Duos der Deutschen“ (wiederholt im Mai 2012 im HR-Fernsehen, im Oktober 2012 im WDR-Fernsehen, im Oktober 2012 im NDR-Fernsehen, im April 2013 im HR-Fernsehen), die schon im Mai 2012 öffentlich geworden sind.
Mein Eindruck ist: Wenn der WDR bei der Prüfung dieser Sendungen keine Auffälligkeiten gefunden hat, hat er sie nicht geprüft.

Screenshots: NDR
Wir müssen noch einmal über die Rhododendron-Gärten im Ammerland sprechen. Die sind ja vom NDR um den ihnen eigentlich zustehenden Ruhm als zehntschönster Park des Nordens gebracht worden. Fernseh-Programmdirektor Frank Beckmann hatte am Freitag als Ergebnis angeblich akribischer Recherchearbeiten im Haus eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt:
Bei der Sendung „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ wurde der Elftplatzierte „Planten un Blomen“ aufgrund besseren Bildmaterials bei sieben Stimmen Abstand zum Nächstplatzierten (Rhododendronpark Ammerland) auf Platz zehn vorgezogen. Der Rhododendronpark Ammerland war damit nicht mehr Teil der Sendung.
Das stimmt nicht.
Der Rhododendronpark Ammerland war auch auf Platz 11 Teil der Sendung.

Die Sendung „Die schönsten Gärten und Parks des Nordens“ (ausgestrahlt am 20. Dezember 2013, 1. Januar 2014, 21. April 2014 und 29. Mai 2014) ist nämlich 90 Minuten lang und besteht aus den Top-20, nicht nur den zehn Bestplatzierten.
Das lässt aber nun den Eingriff in die von den Zuschauern im Internet bestimmte Reihenfolge völlig rätselhaft erscheinen. Warum die Rhododendren der Familie Hobbie wegen des angeblich nicht so attraktiven Bildmaterials um einen Platz nach hinten verschieben, wenn es dann trotzdem in der Sendung ist?

Der NDR räumt auf Nachfrage ein, dass die Darstellung in der Stellungnahme der Programmdirektion falsch ist, hat aber eine Art Erklärung. In der Regel gebe es von den Hitlisten-Formaten jeweils zwei Versionen: eine in Spielfilmlänge und eine von 45 Minuten Länge. Die würden in einem Aufwasch produziert oder jedenfalls so geplant, dass im Grunde nur ein einziger Schnitt vor Platz zehn nötig ist, um aus dem 90-Minüter einen 45-Minüter zu machen. Auch von der Garten-und-Parks-Hitparade war eine solche kürzere Version geplant. Die hätte dann mit den Rhododendron-Gärten begonnen; die Redaktion fand dafür aber die Bilder von Planten un Blomen attraktiver.
Tatsächlich gibt es in der Sendung von dem Hamburger Park faszinierende historische Bilder der Gartenbau-Ausstellung 1963, die vielleicht einen reizvolleren Einstieg in die Sendung dargestellt hätten als die schnöden Rhododendren.

Es scheint also, als hätte die Redaktion am Ergebnis der Abstimmung herumgedoktert, um eine spätere Neukonfektionierung der Sendung ein bisschen attraktiver wirken zu lassen. Diese Kurzfassung wird aber nach den Worten eines NDR-Sprechers nun gar nicht mehr das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Und der Versuch des Senders, sich als Kämpfer für Transparenz und vorbildlicher Aufklärer in eigener Sache zu präsentieren, wirkt angesichts der falschen Darstellung in der Stellungnahme der Fernseh-Programmdirektion ein bisschen weniger überzeugend.

Das klingt eigentlich nach einer tollen pädagogischen Maßnahme: die Verantwortlichen eines Fernsehsenders zu zwingen, sich noch einmal gründlich mit dem, was sie in den vergangenen Jahren produziert haben, auseinanderzusetzen.
Es hilft nur nichts. Sie merken nichts.
Sie lachen mit, wenn man sich über einen Sendungstitel wie „Die spannendsten Seen Norddeutschlands“ lustig macht. Doch im Zweifel haben sie die Quote der Sendung im Kopf (beinahe eine Million Zuschauer bei der Viertausstrahlung in der Primetime am Sonntagabend im vergangenen Januar), und die ist, was zählt.
Der NDR hat sich zwar, angeblich systematisch und akribisch, mit all den Listen-Formaten auseinandergesetzt, die er in den vergangenen dreieinhalb Jahren hergestellt hat. Er hat dabei entdeckt, dass die verschiedenen Redaktionen im Zweifel nicht zögerten, die Ergebnisse der Zuschauer-Abstimmungen ihren Erfordernissen anzupassen. Aber die Liebe zu dem Format an sich hat darunter nicht gelitten.
Programmdirektor Frank Beckmann will in Zukunft restriktiver mit Online-Votings umgehen. Aber er will die Diskussion um die Sendungen nicht zum Anlass nehmen, die Runterzählformate an sich in Frage zu stellen. Die Leute gucken das ja immer noch.
Damit wir wissen, wovon wir reden, wenn wir von „Ranking-Shows“ im NDR-Fernsehen reden — das hier sind, abgesehen von denen, die ich vergessen oder übersehen habe, die Listensendungen mit den Jahren, in denen sie ausgestrahlt wurden:
Man könnte angesichts dessen schon zu dem Schluss kommen, dass da im Dritten Programm des NDR noch etwas ganz anderes schief gelaufen ist, als dass der Rhododendronpark Ammerland um seinen Platz als zehntschönster Garten oder Park Norddeutschlands gebracht wurde, weil es angeblich von ihm nicht so gutes Bildmaterial gab wie von Planten un Blomen. Könnte man. Ist der NDR aber nicht.
Er hat nun „vorläufige Regeln für den redaktionellen Umgang mit Listing-Formaten“ veröffentlicht, in denen es unter anderem heißt:
Auswahllisten der Redaktionen müssen bereits mit Blick auf Lizenzfragen und Materiallage vor Veröffentlichung geprüft sein, um nachträgliche Änderungsnotwendigkeiten zu minimieren. Wiederholungsrechte werden bei der Prüfung berücksichtigt.
Im Zweifel werden die Rhododendrongärten Ammerlands also gar nicht mehr zur Auswahl stehen, um von ein paar Dutzend Teilnehmern in die Top Ten gewählt werden zu können.
Auf „Spiegel Online“ steht ein Diagramm, das illustrieren soll, wie sich die Zahl der Todesopfer im gegenwärtigen Gaza-Krieg entwickelt hat. Die Redaktion hat die vermutlich abwegigste Art gewählt, diese Entwicklung darzustellen.
Wenn Sie mal schauen mögen:

Darauf muss man erst einmal kommen. „Spiegel Online“ zeigt nicht die wachsende Gesamtzahl der Opfer. „Spiegel Online“ zeigt auch nicht den täglichen Zuwachs an Opfern in absoluten Zahlen. „Spiegel Online“ zeigt, um wie viel Prozent die Zahl der Opfer an diesem Tag im Vergleich zur bisherigen Gesamtzahl angestiegen ist.
Das ist aus mehreren Gründen eine sehr schlechte Idee. Es reduziert einzelne Opfer auf eine Prozentzahl, auf einen bloßen Anteil an einer Gesamtzahl. Es ist weder intuitiv verständlich noch anschaulich. Vor allem aber vermittelt es einen völlig falschen Eindruck vom Verlauf dieses Krieges.
Auf den ersten Blick (und ich würde wetten, für die meisten Betrachter auch auf den zweiten oder dritten) sieht es so aus, als ob der Krieg mit fortschreitender Dauer weniger tödlich wurde. Denn die Balken werden, grob gesagt, nach unten immer kürzer.
Das liegt aber daran, dass die Bezugsgröße jedes Balkens immer größer wird. Ein Zuwachs entspricht einem immer kleineren Prozentsatz, weil die Gesamtzahl der Opfer immer weiter ansteigt. Der relativ kurze Balken ganz unten steht für 193 Tote. Der lange Balken ganz oben steht für 34 Tote.
Würde man nicht den prozentualen Zuwachs zeigen, sondern den absoluten Zuwachs, also schlicht: wie viele Menschenleben der Krieg an jedem Tag gekostet hat, ergäbe sich ein ganz anderes Bild:

Der blutigste Tag war der letzte in der Grafik. Aufgrund der „Spiegel Online“-Darstellung würde man das nicht erahnen.
[mit Dank an BILDblog-Leser Johann H.]
Nachtrag, 7. August. „Spiegel Online“ hat mit einem Eintrag im „Datenlese“-Blog reagiert, der einräumt, dass sich „der Informationsgehalt der Grafik nicht ganz intuitiv erfassen“ lasse. Eine nachvollziehbare Erklärung für die bizarre Darstellung enthält er nicht.
Aus der Zeitschrift „exakt“ („Magazin für Tischler, Schreiner und Montagebetriebe“):

[eingesandt von Anja Stöcker]
Eine Studie hat in den vergangenen Tagen Aufmerksamkeit erregt. Sie soll beweisen, dass Kritik an Israel in deutschen Medien keinesfalls, wie häufig zu hören ist, ein Tabu sei. Im Gegenteil: Kein anderes Land der Welt werde in deutschen Medien so oft und scharf kritisiert wie Israel.
Ich bin nicht sicher, ob das stimmt. Vor allem aber habe ich Zweifel an der Studie und an ihrer Darstellung durch den „Stern“.
In seiner Online-Ausgabe stellt er die Arbeit der Linguistin Monika Schwarz-Friesel von der TU Berlin so dar:
Das Forscher-Team um Schwarz-Friesel untersucht, wie oft bestimmte negative Begriffe und Wendungen in Artikeln über Israel vorkommen, etwa Ausdrücke wie „Verbrecherstaat“ und „Unrechtssystem“, Vergleiche mit Nazi-Deutschland und Superlative wie „der schlimmste“ und „die größte Gefahr für den Weltfrieden“. Zum Vergleich werten die Linguisten Artikel über Konflikte und Menschenrechtslagen in anderen Ländern aus, darunter Russland, Nordkorea und Saudi-Arabien. Keines von ihnen kam so schlecht weg wie Israel.
Moment mal: „Verbrecherstaat“? Ich kann mir kein deutsches Medium vorstellen, das nicht dem links- oder rechtsextremen Spektrum zuzurechnen wäre, das eine solche Formulierung im Zusammenhang mit Israel benutzen würde.
Ich habe beim Blick in die Archive in den vergangenen fünf Jahren auch keines gefunden. Der „Spiegel“ berichtete 2013 im Nachruf auf den rechtsextremen Verleger Gerhard Frey, dass dessen Blätter Israel gern als „Verbrecherstaat“ bezeichnet hätten. Josef Joffe benutzte im „Handelsblatt“ den Ausdruck 2012, um sich scharf von Günter Grass zu distanzieren, der Israel wohl als solchen sehe. Die „Berliner Morgenpost“ schrieb 2009, dass das türkische Volk Israel überwiegend als „Verbrecherstaat“ sehe, und kritisierte die AKP, die das nachplappere.
Ganz ähnlich sieht es bei der Suche nach der Beschreibung Israels als „Unrechtssystem“ aus. Ich habe in den Artikeln der vergangenen Jahre genau ein Beispiel dafür gefunden, ein Interview in der „Ostthüringer Zeitung“ 2011 mit einem Jenaer Studenten, der nach einer Reise in den Nahen Osten berichtete, dass in einem Dorf Wassertanks vom israelischen Militär zerstört worden seien, die erst kurz zuvor gespendet worden waren. Er sagte: „Ich bin dankbar, einige sehr sehr engagierte israelische Gruppen zu kennen, die dieses Unrechtssystem kritisieren und für die Einhaltung der Menschenrechte und internationaler Gesetze in ihrem Land kämpfen.“
Der Gedanke erscheint mir völlig abwegig, dass deutsche Medien über Israel als „Verbrecherstaat“ schreiben könnten, wollten, würden; dass es da überhaupt etwas an Artikeln zu zählen gäbe, wie der „Stern“ suggeriert. Tatsächlich schreibt mir Schwarz-Friesel auf meine Anfrage, dass ihr Team nicht nur regionale und überregionale Zeitungen nach solchen Begriffen durchsuche, sondern auch die Kommentarbereiche von Online-Zeitungen. Das allerdings glaube ich sofort, dass die Menschen dort in solcher Weise gegen Israel hetzen. Das ist aber doch ein völlig anderer Untersuchungsgegenstand als „Artikel“ in „Medien“, wie der „Stern“ schreibt.
Es ist schwer nachzuvollziehen, wie die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass „im deutschen Kommunikationsraum ein extrem einseitiges und sehr negatives Israel-Bild vermittelt wird“ und, wie der „Stern“ es formuliert, „kein anderes Land der Welt in deutschen Medien so oft und scharf kritisiert wird wie Israel“. Die Studie ist nämlich noch nicht abgeschlossen, und Frau Schwarz-Friesel bittet um Verständnis, „dass Daten, die noch nicht veröffentlicht wurden, prinzipiell nicht von uns herausgegeben werden“.
Sie schreibt nur:
Oft kommt es zu einer sogenannten De-Realisierung, d.h. einer verzerrten oder sogar falschen Sicht, die mit der Realität nichts zu tun hat.
So hat z.B. die Analyse von Schlagzeilen jeweils im Gaza Konflikt 2012 und im aktuellen Konflikt ergeben, dass in 75 % der Schlagzeilen Israel als Agens benannt wird (auch wenn es nicht aktiv, sondern reaktiv gehandelt hat).
Zur Verdeutlichung schickt sie ein paar Auszüge aus einem ihrer Bücher mit, die offenbar auch die „Stern“-Kollegin bekommen hat. Die schreibt nämlich als Beispiel dafür, wie Israel als „handelnder Part“ bezeichnet wird, wenn es „in Wahrheit nur reagiert“:
So titelte eine deutsche Zeitung während einer früheren Gaza-Kampagne: „Israelischer Raketenangriff“ — dabei hatten sich zuvor Palästinenser auf israelisches Militärgelände geschlichen und zwei Soldaten erschossen.
Das Beispiel ist elf Jahre alt. Es stammt aus der „Thüringer Allgemeinen“ vom 11. April 2003 und beruht auf einer AP-Meldung:
Israelischer Raketenangriff
Bei einem Raketenangriff im Gazastreifen hat Israel einen militärischen Führer der Untergrundorganisation Islamischer Dschihad getötet und zwölf Passanten verletzt. Die vier von Hubschraubern abgefeuerten Raketen sollen Mahmud Satme in seinem Auto getötet haben. Es handelte sich um den zweiten Raketenbeschuss in Gaza innerhalb von drei Tagen. Zuvor waren zwei Palästinenser im Westjordanland in ein israelisches Militärgelände eingedrungen und erschossen zwei Soldaten. Auch die beiden Angreifer wurden später getötet.
Schwarz-Friesel kritisiert, dass der Leser „erst im vierten Satz des kleingedruckten Fließtextes über den Auslöser dieser Aktion“, also des Raketenbeschusses, informiert werde.
Aber war der Überfall von zwei Palästinensern auf ein Militärgelände im Westjordanland wirklich der „Auslöser“ dafür, dass Israel Raketen im Gaza-Streifen abfeuerte? Zu dem Überfall im Westjordanland hatten sich die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden bekannt. Beide sind nicht mit dem Islamischen Dschihad identisch, der Ziel des Raketenangriffes an anderer Stelle war.
Das scheint mir, vorsichtig formuliert, nicht das ideale Beispiel zu sein, an dem sich eine vermeintliche Tendenz deutscher Medien zeigen lässt, Israel irreführenderweise als Handelnden darzustellen, wenn es in Wahrheit nur „reagiert“.
Im übrigen behaupteten die Palästinensergruppen in ihren Bekenneranrufen, dass ihr Überfall im Westjordanland eine „Vergeltung für die zweitägigen Gefechte im Gazastreifen“ gewesen sei, bei denen zwölf Menschen ums Leben gekommen waren. Wer will in diesem Konflikt unterscheiden, welche Aktion in Wahrheit nur eine Reaktion ist?
Schwarz-Friesel spricht davon, dass „die sprachliche Ereignisdarstellung in diesen Beispielen nicht der in der Realität stattgefundenen Ereignisabfolge [entspricht], Ursache und Folge werden durch die Informationsstrukturierung umgekehrt.“ Das aber ist Nachrichtenalltag und keine Besonderheit beim Thema Israel: Die neueste Entwicklung steht am Anfang; was ihr vorausgegangen ist, folgt danach.
Das eigentliche Problem ist hier und in vielen ähnlichen Meldungen natürlich das deutsche Wort „Angriff“. Es ist einerseits bloß ein Synonym für „Beschuss“: Wenn jemand mit Raketen schießt, kann man das immer als „Raketenangriff“ bezeichnen. Andererseits schwingt dabei das Gegensatzpaar „Angriff — Verteidigung“ mit, und der Angreifer erscheint womöglich als Aggressor. Auch da habe ich Zweifel, ob es sich um ein spezifisches Problem der Israel-Berichterstattung handelt.
Ich habe, wie gesagt, Zweifel, ob es stimmt, dass kein anderes Land der Welt in deutschen Medien so oft und scharf kritisiert wird wie Israel. Vielleicht ist mein Blick auch getrübt von der übermäßigen Lektüre der „Bild“-Zeitung, in der Israel nicht nur nicht kritisiert wird, sondern die Berichterstattung über den Konflikt von Berichten über palästinensische Opfer weitgehend bereinigt ist.
Jedenfalls: Diese Studie — oder das, was es über sie schon zu lesen gibt — überzeugt mich nicht.
Im weiteren Sinne zum Thema:
Und dann war da noch der „Spiegel Online“-Artikel, der vermeldete, dass die verschärften Sanktionen gegen Russland, die der „Spiegel“ so vehement gefordert hat, womöglich schon erste Wirkung zeigen. Unter der Überschrift „Wie Russland auf die Sanktionen reagiert“ heißt es:
Was passiert, wenn Putin stur bleibt?
Die 28 EU-Mitgliedstaaten sind bereit, die Sanktionen nach der Dreimonatsfrist noch einmal zu verschärfen. Putin hat jetzt signalisiert, OSZE-Beobachter an der russisch-ukrainischen Grenze zuzulassen — möglicherweise ein Signal ersten Entgegenkommens. Oberstes Ziel bleibt, Moskau zu Respekt gegenüber den Grenzen und Souveränitätsrechten seiner Nachbarn anzuhalten.
Das kann nicht stimmen. Putin hat nicht jetzt erst signalisiert, OSZE-Beobachter an der Grenze zuzulassen. Russland hat sie bereits vor gut zwei Wochen eingeladen. Am 14. Juli 2014 meldete die Nachrichtenagentur AFP:
Im Streit um die Kontrolle der russisch-ukrainischen Grenze sandte Moskau derweil ein Signal der Entspannung. Russland lade „als Geste des guten Willens“ Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ein, sich zu den Kontrollposten Donezk und Gukowo zu begeben, teilte das Außenministerium mit. Zuvor war in einem russischen Grenzort ein Mann durch ein Geschoss getötet worden. Moskau machte die Ukraine dafür verantwortlich und drohte mit „irreversiblen Konsequenzen“.
Nach einigem Hin und Her beschloss die OSZE vor einer Woche einmütig (inklusive der Stimmen der Ukraine und Russlands) eine entsprechende Mission: 16 OSZE-Vertreter sollten „so schnell wie möglich“ an die Grenze geschickt werden und über die Situation an zwei russischen Grenzposten berichten.
Wir kommt also „Spiegel Online“ darauf, dass Putin jetzt einlenkte?
Auf meine Nachfrage erklärt die stellvertretende Chefredakteurin Barbara Hans:
An dieser Stelle war unser Text missverständlich formuliert. Unsere Autoren halten es aber — bei aller Vorsicht — für möglich, dass Putin die Einreiseerlaubnis vom Dienstag durchaus auch als versöhnliches Signal in Richtung Westen verstanden wissen will.
Wir werden den Satz folgendermaßen ändern und eine Anmerkung unter dem Text einfügen:
Putin hatte schon seit einigen Wochen signalisiert, OSZE-Beobachter an der russisch-ukrainischen Grenze zuzulassen. Dass russische Behörden sie am Dienstag einreisen und ihre Arbeit beginnen ließen, kann möglicherweise als ein Signal ersten Entgegenkommens verstanden werden.
Ja, möglicherweise.
Möglicherweise ist es auch nur die Umsetzung des von Russland vor einer Woche mitgetragenen Beschlusses der OSZE.
Und möglicherweise ist es ein Problem, dass der „Spiegel“ und „Spiegel Online“ so sehr von der Notwendigkeit und Wirksamkeit schärferer Sanktionen überzeugt sind, dass sie deren Erfolge schon herbeizuschreiben versuchen.
[via Mopperkopp]
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