NDR verwischt Spuren am „Tatort“

Anders als YouTube behauptet, war es nicht der „Nutzer“, der den Zusammenschnitt von Auto-Szenen aus dem jüngsten Hannoveraner „Tatort“ gelöscht hat. Es war der NDR, der das Videoportal nach eigenen Angaben „aus urheberrechtlichen Gründen darum gebeten hat, das Video offline zu stellen“.

In dem Film waren liebevoll alle Szenen aus dem Charlotte-Lindholm-„Tatort“ aneinandermontiert worden, in denen Volkswagen im Bild waren — immerhin sechseinhalb Minuten. Mit Einblendungen in der VW-Hausschrift Futura hatte der Nutzer den möglichen werblichen Effekt der jeweiligen Darstellung kommentiert.

Das Video trug den schlichten Titel „Product Placement“. Der Sender weist diese Unterstellung empört zurück. „Da nach Auskunft des Produzenten für die Überlassung der PKW ein marktüblicher Preis gezahlt wurde, kann rechtlich von Product Placement keine Rede sein“, sagt eine Sprecherin. „Daher wurde durch den Zusammenschnitt bei YouTube zudem ein falscher Eindruck erweckt.“ Weitere rechtliche Schritte seien allerdings nicht geplant. Die FAZ hatte gestern gemeldet, dass der Sender darüber nachdenke, juristisch gegen den Titel „Product Placement“ vorzugehen.

Nun ist das böse Video also verschwunden, und anscheinend war die Welle, die es zuvor erzeugt hat, nicht so groß, dass es nun als Trotzreaktion immer wieder von neuen Leuten hochgeladen würde. Beim NDR kann man also einen Haken an die Sache machen und sich als Sieger der kurzen öffentlichen Auseinandersetzung fühlen.

Zu Unrecht. Denn das verschwundene Video lässt den Vorwurf der Schleichwerbung viel überzeugender erscheinen als es das vorhandene Video tat.

Der Zusammenschnitt war zwar ein eindrucksvolles Dokument: durch die schiere Masse der Aufnahmen von zwei VW-Modellen und die kommentierenden Einblendungen, die den Blick des Zuschauers auf das Geschehen in die Perspektive eines Unternehmens lenkten, das für die Vorzüge seiner Produkte werben will. Der Film schaffte es jedoch meiner Meinung nach nicht, den Befund des Product Placement zwingend erscheinen zu lassen. Zu gewollt erschien manchmal die einseitige Interpretation der dramaturgisch durchaus notwendigen Aufnahmen, zu harmlos das vermeintliche Beweismaterial.

Doch ein eigenes Urteil kann sich das Publikum nun nicht mehr machen — zum Beispiel auch nicht darüber, ob es wirklich „besonders auffällig“ war, wie die „Bild am Sonntag“ behauptete, dass ein Volkswagen-Logo im Lenkrad „plötzlich scharf gestellt“ war. In Wahrheit wanderte die Schärfe in dieser Szene vom Inneren des Autos nach draußen; das Logo im Lenkrad war nur ein Zwischenpunkt auf dem Weg dorthin. Das schließt natürlich nicht aus, dass das tatsächlich in werblicher Absicht geschah, lässt den Vorwurf aber deutlich weniger zwingend erscheinen.

Es ist für Firmen beunruhigend leicht, YouTube-Videos löschen zu lassen, und schrecklich verführerisch, auf diese Weise die Vorwürfe scheinbar aus der Welt zu schaffen. Dagegen, es zu tun, spricht nicht nur der berüchtigte Streisand-Effekt, sondern auch die Tatsache, dass man den unbefangenen Betrachter offenbar nicht für mündig hält, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Wenn der NDR sich nichts vorzuwerfen hat bei der Produktion dieses „Tatortes“; wenn es tatsächlich so ist, wie der Regisseur Roland Suso Richter der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte, dass er den Internet-Film „nett gemacht“ gefunden und sich erst mal gefragt hätte, „ob das eine Verarschung sein soll“, dann hätte er den Film entspannt im Netz stehen lassen und am konkreten Beispiel darüber diskutieren können — anstatt das Primärmaterial zu entfernen, eine fundierte Kommunikation über den Fall zu erschweren und sich dem Vorwurf auszusetzen, die ganze Debatte verhindern zu wollen.

Das Ergebnis dieser Kommunikationsverweigerung liest sich dann so wie im Blog der Medien-Fachzeitschrift „Horizont“:

Nun schau mal einer guck: Jetzt hat der NDR nicht nur das YouTube-Video entfernen lassen, sondern auch gleich noch den ganzen Tatort aus der ARD-Mediathek genommen. Das ist schon mehr als seltsam. Kann uns vielleicht einer der verantwortlichen Programmgestalter erläutern, wie wir verstehen sollen, liebe Krimi-Freunde…?

(Der „Tatort“ bleibt immer nur eine Woche in der Mediathek.)

Verantwortliche in Unternehmen mögen immer noch glauben, dass das erfolgreiche Verschwindenlassen von Vorwürfen ein Beweis dafür ist, dass sie im Recht sind. Das Publikum interpretiert es zunehmend als Beweis dafür, dass sie im Unrecht sind.

Komisch, dass man das Einrichtungen erklären muss, deren Geschäft die Kommunikation ist.

Nachtrag, 22. Dezember. Thomas Schreiber, der Unterhaltungschef des NDR, widerspricht in den Kommentaren:

Die Überschrift […] „NDR vernichtet Spuren am ‚Tatort'“ ist wirklich grober Unsinn.

Wir haben keine Spuren vernichtet, vielmehr hat ein Anonymus unter der üblen Überschrift „Product Placement“ die Urheberrechte einer ganzen Reihe von Menschen, u.a. des Regisseurs, des Drehbuchautors, der Schauspielerin, der Produzentin, des Senders etc durch seinen manipulativen Zusammenschnitt verletzt.

Die „Spuren“ sind auch nicht vernichtet – wir werden den „Tatort Schwarze Tiger, weisse Löwen“ noch oft und gerne sowohl im Ersten als auch in den Dritten Programmen senden.

Zu der Frage, ob es klug ist oder möglicherweise weniger klug ist, solch einen manipulativen Zusammenschnitt aufgrund von Urheberrechtsverletzungen, die in Deutschland scheinbar als Kavaliersdelikt angesehen werden (fragen Sie mal die Urheber), bei Youtube zu entfernen, habe ich eine andere Auffassung als Sie, die ich Ihnen zumindest gerne darstellen moechte:

Wenn der Zusammenschnitt bei Youtube stehen bleibt, wird er in Internetforen wie bei Ihnen, bei Journalisten etc ein Eigenleben entwickeln. Dieser Zusammenschnitt würde weiterhin unwidersprochen die Behauptung aufstellen können, dass es in unserem „Tatort“ Product Placement gegeben habe. Die Darstellung des NDR, die im Übrigen durch Rechnungen und Überweisungsaufträge belegbar ist (dass nämlich alle im Film verwendeten Autos von der Produktionsfirma zu normalen, marktüblichen Mietpreisen angemietet wurden) und die ja auch von manchen Printjournalisten nur sehr selektiv zitiert wurde, geht gegen die Kraft der Bilder unter. Und dass sich ein Zusammenschnitt, den ich unter anderen Umständen als Parodie lustig gefunden hätte, als gewissermassen insinuierte Wirklichkeit medial fortsetzt, habe ich ja bereits durch die Presseanfragen erlebt. Der NDR hat mehrere schriftliche Anfragen von Journalisten erhalten, in denen die Aussage des Zusammenschnittes als Tatsache angesehen wurde und wir gefragt wurden, warum wir das Product Placement im „Tatort“ nicht mit P gekennzeichnet haben.

Das wirkliche Problem ist nach meiner Auffassung nicht die Tatsache, dass der Zusammenschnitt nicht bei Youtube zu sehen ist, sondern die Tatsache, dass heutzutage einzelne Journalisten manche nichtjournalistische Beiträge im Internet als gleichberechtigten Journalismus begreifen und auch so behandeln. Hier nivelliert das Internet und öffnet der Denunziation — hier durch einen manipulativen Zusammenschnitt eines Filmes mit der denunziatorischen Behauptung in der Überschrift, es liege ein Fall von Product Placement vor, ohne auf die inhaltlich-dramaturgische Sinnhaftigkeit der montierten Szenen einzugehen — Tür und Tor. Anders als Sie bin ich der Auffassung, dass Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes vom Product Placement wahr ist — eben weil der „Tatort“ nicht zeitlich unbefristet in der Mediathek abgerufen werden kann und deshalb die Vergleichsmoeglichkeit fehlt.

Abschliessend: als Parodie ist der Zusammenschnitt gelungen. Allerdings hat dies kein Journalist so gesehen oder geschrieben.

Meine Antwort darauf steht hier.

Armselig

Man verzweifelt ja häufig am Publikum. Weil es einem so qualitätsverachtend erscheint, so rätselhaft und unverständlich in seinen Konsumentscheidungen.

Aber nicht immer.

In den vergangenen eineinhalb Jahren haben sich nur zwei Hefte des „Stern“ am Kiosk so schlecht verkauft wie die Ausgabe 46/2011. Das erleichtert mich sehr. Ich weiß noch, wie ich im Supermarkt vor dem Heft stand, es fassungslos anstarrte und der Impuls, es als Monument der Schrecklichkeit kaufen zu müssen, schnell niedergerungen wurde von der Angst, dass mich jemand dabei sehen könnte.

Pasta la vista

Das ganze Jahr über sammelt Craig Silverman Korrekturen aus internationalen Medien, und im Dezember kürt er seit 2004 die besten und schlimmsten Korrekturen des Jahres. Darin finden sich immer wieder Schätze wie diese Berichtigung aus dem „Guardian“:

An extract of an online opinion piece appeared in the newspaper, headlined Will and Kate’s mask slips (June 9, page 31). It argued that while, pre-wedding, it was announced that the future Duke and Duchess of Cambridge would not be employing household staff, this image of modernity had now been “compromised by the news that they are advertising for a housekeeper, butler, valet and dresser to serve them in their new home of Kensington Palace”. The couple’s press secretary, Miguel Head, asks us to make clear that: “At most, they may employ one (a cleaner-cum-housekeeper), who may be part-time. We never ‘announced’ that the couple would ‘not be employing any [domestic staff]‘ after their wedding. What we have always said is that the couple have no plans to employ domestic staff at their home in Anglesey, but in London they have use of domestic staff at Clarence House, the home that they have hitherto shared with the Prince of Wales. The additional one part-time, or one full-time, cleaner has come about because the couple are taking their own home in London away from Clarence House.”

Elsewhere the piece referred to “damaging stories of royal profligacy past: Charles with his staff of 150, and an aide to squeeze his toothpaste for him”. Of this, Miguel Head writes: “The Prince of Wales does not employ and has never employed an aide to squeeze his toothpaste for him. This is a myth without any basis in factual accuracy.”

Solche tollen Korrekturen findet man in deutschen Medien natürlich nicht. In deutschen Medien findet man stattdessen:

  • „Für Charles war sein Diener Fawcett bisher unverzichtbar. Ein Eingeweihter aus dem Palast: ‚Michael wusste als Einziger, wie man zu Charles‘ Zufriedenheit die Zahnpasta auf seine Bürste schmiert.'“
    („B.Z.“, 14. November 2002)

  • „Auf einen Diener mag Englands Thronfolger überhaupt nicht verzichten: Michael Fawcett. Denn er verfügt über ein einzigartiges Talent. ‚Michael weiß als Einziger, wie man zu Charles‘ Zufriedenheit die Zahnpasta auf seine Zahnbürste schmieren muss‘, plaudert ein Vertrauter aus.“
    („Berliner Kurier“, 14. November 2002)

  • „Der Thronfolger soll mehr als 80 Diener haben, die seine Kleidung vom Boden auflesen, ihm Zahnpasta auf die Zahnbürste geben und sogar unerwünschte Geschenke verkaufen.“
    („Tagesspiegel“, 20. November 2002)

  • „Zwei persönliche Diener aber helfen dem Prinzen täglich beim Ankleiden, einer soll sogar die Zahnpasta auf die Bürste applizieren.“
    („Berliner Zeitung“, 11.3.2003)
  • „Dass Charles seinen Leibdiener als „unentbehrlich“ bezeichnet hat und dieser ihm stets die Zahnpasta auf die königliche Bürste drückte, ist bekannt.“
    („Spiegel“, 17. November 2003)

  • „Prinz Charles hat 91 Vollzeit-Angestellte, siebzehn davon kümmern sich nur um seine Angelegenheiten. Seinen Lieblingsdiener Michael Fawcett, von dem es hieß, er habe Charles gar die Zahnpasta auf die Bürste gedrückt, hat er entlassen, sozusagen als Zugeständnis an die empörten Briten.“
    („Berliner Zeitung“, 1. Juli 2003)

  • „Im königlichen Haushalt arbeiten viele Dienstboten, allein um Charles kümmern sich siebzehn Personen. Sie waschen ihm die schmutzige Wäsche, heften Kontoauszüge ab und drücken die Zahnpasta auf die Bürste.“
    („Berliner Zeitung“, 11. November 2003)

  • „Charles hat 91 Vollzeit-Angestellte, siebzehn kümmern sich allein um sein privates Wohl. Er muss niemals eine Socke aufheben oder Sachen zusammenlegen. Es gab sogar einen Butler, der ihm die Zahnpasta auf die Bürste drückte.“
    („Berliner Zeitung“, 26. März 2005)

  • „Warum dann noch 91 Bedienstete für Prinz Charles bezahlen, von denen einer eigens dafür angestellt ist, Zahnpasta auf seine Zahnbürste zu drücken?“
    („Spiegel“, 4. April 2005)

  • „Daß Charles einen Domestiken braucht, um sich die Zahnpasta auf die Bürste zu schmieren, kann man ja noch als schrullig abtun.“
    („Bild am Sonntag“, 18. Dezember 2005)

  • „Prinz Charles hat einen Zahnpasta-Ausdrücker“
    („B.Z.“, 26. Mai 2008)

  • „Der Prinz soll früheren Indiskretionen zufolge zahllose Marotten haben, etwa mit Pflanzen sprechen oder sich die Zahnpasta vom Diener auf die Bürste drücken lassen.“
    („Bild am Sonntag“, 24. September 2006)

  • „Der britische Thronfolger Prinz Charles hat nicht nur einen Diener, der ihm die Zahnpasta auf die Bürste drückt, sondern auch eine persönliche Blumenarrangeurin.“
    („Berliner Morgenpost“ / „Welt“, 26.5.2008)

  • „Prinz Charles hat nicht nur einen Diener, der ihm Zahnpasta auf die Bürste drückt, sondern auch eine Vollzeit-Blumenarrangeurin.“
    („taz“, 26. Mai 2008)

  • „Dieser Mann hat tatsächlich Lakaien, die ihm die Zahnpasta aus der Tube drücken.“
    („Spiegel“, 18. August 2008)

  • „Die Zahnpasta lassen sich Seine Königliche Hoheit selbstverständlich von einem Lakaien auf die Bürste drücken, und einmal hat er einen Bediensteten ordentlich abgebürstet, weil er diesen Toilette-Artikel nicht richtig ausgerichtet auf dem Waschbecken positioniert hatte.“
    („Süddeutsche Zeitung“, 14. November 2008)

  • „Immerhin hat Charles einen Diener, der ihm die Zahnpasta aus der Tube drückt – etwas, wovon ich schon immer geträumt habe.“
    („Tagesspiegel“, 2. Mai 2009)

  • „Charles lässt sich vom Butler die Zahnpasta auf die Bürste drücken und wird auch von seinen Freunden Sir genannt.“
    („Tagesspiegel“, 27. April 2011)

Wofür Frank Plasberg nicht mehr wirbt

Der ARD-Moderator Frank Plasberg wird nun doch nicht für den kostenpflichtigen Unternehmenswettbewerb der Agentur Compamedia werben. In einer Presseerklärung zitiert das Unternehmen Plasberg:

„Ich bin gebeten worden, beim Unternehmenswettbewerb ‚Top Job‘ als Mentor zu fungieren. Dieser Wettbewerb schien mir geeignet, einen Impuls für zeitgemäßes Personalmanagement in mittelständischen Unternehmen zu geben. Insbesondere die wissenschaftliche Begleitung und Bewertung entsprechen meinen Vorstellungen von wettbewerblicher Qualitätsverbesserung. Mittlerweile habe ich feststellen müssen, dass mein Engagement von kritischen Beobachtern ganz anders empfunden wird. In den Mittelpunkt der Betrachtung rückte die Werbewirkung meiner Mentorenschaft, verbunden mit der Frage, ob meine journalistische Unabhängigkeit ein solches Engagement zulässt. Das wiegt schwerer als meine Überzeugung, in keiner Weise Beeinflussungen zu unterliegen oder meine Unabhängigkeit zu gefährden. Deshalb bin ich von der geplanten Mentorenschaft zurückgetreten.“

Offenbar war ich nicht der einzige, der ein Problem damit hatte, dass ein imageprägender ARD-Journalist mit branchenüblich abwegigen PR-Sprüchen für eine kommerzielle Veranstaltung wirbt.

Formell hatte der WDR an Plasbergs Engagement allerdings nichts auszusetzen, wie die Nachrichtenagentur dapd am Mittwoch meldete. Die Antwort des Senders klingt allerdings nach zusammengebissenen Zähnen.

Auf die Frage, ob Plasberg mit seinem Engagement gegen die Statuten des Senders verstoßen habe, teilte der WDR mit, die Vorschriften seien allein für fest angestellte Mitarbeiter gültig. Plasberg aber sei freier Mitarbeiter des Senders. Ob sein Engagement als fester Mitarbeiter legitim wäre, war zunächst nicht zu erfahren.

Offen ließ der Sender die Frage, ob Plasbergs Engagement dem WDR und der ARD insgesamt gut zu Gesicht stünde. Der Sender teilte dazu mit, das Engagement „inhaltlich nicht bewerten“ zu wollen. Die Sprecherin betonte: „Wir sehen keinen Fall darin. Die Zusammenarbeit mit Frank Plasberg beruht auf Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung.“

Das eigentlich Erstaunliche an der ganzen Sache finde ich allerdings, dass ein erfahrener Mann wie Plasberg nicht geahnt haben will, dass sein Engagement kritische Nachfragen hervorrufen würde.

Wofür Frank Plasberg wirbt

Man ahnt ja nicht, was die Leute so antreibt. Der ARD-Moderator Frank Plasberg zum Beispiel sagt, ein „entscheidender Teil seines beruflichen Antriebs“ sei: „offener Wettbewerb und das sich Messenlassen an Konkurrenz“.

Wenn ich das gewusst hätte! Dann wäre ich vielleicht nicht überrascht gewesen, als mich am vergangenen Mittwoch eine Pressemitteilung der Überlinger Firma Compamedia erreichte:

Fairer Mann für „Top Job“

Frank Plasberg wird neuer „Top Job“-Mentor und präsentiert die besten Arbeitgeber des deutschen Mittelstands.

Nun ist „Mentor“ eine merkwürdige Wortwahl. Plasberg wird allem Anschein nach vor allem seinen bekannten Namen und sein Gesicht zu Werbezwecken zur Verfügung stellen. Die Unternehmen, die es auf die Liste der „100 besten Arbeitgeber“ schaffen, dürfen mit Plasberg für sich werben. Eigentlich nennt man das „Testimonial“. Aber bei Compamedia mag man das Wort „Mentor“. Die Agentur nennt sich selbst „Mentor der besten Mittelständler“.

Seit zehn Jahren veranstaltet sie einen Wettbewerb, bei dem die Belegschaft und die Personalabteilungen von Unternehmen befragt werden, um die attraktivsten Arbeitgeber zu küren. Vor Frank Plasberg war der ehemalige Arbeitsminister Wolfgang Clement „Mentor“, was unter anderem so aussah:

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Clements Engagement fiel nicht nur positiv auf. Der „Focus“ berichtete vor fünf Jahren, dass der „Mentor“ die Bundestagsabgeordneten in einem Rundbrief aufgefordert hatte, ihm Kandidaten für den Wettbewerb aus ihrem Wahlkreis zu nennen. Das kam nicht bei jedem Volksvertreter gut an, insbesondere weil Clement wohl verschwieg, dass die Teilnahme Geld kostet: mehrere Tausend Euro, je nach Unternehmensgröße.

Das ist ohnehin ein wichtiges Detail. In gewisser Weise erkaufen sich die Unternehmen einen Platz auf der Liste. Eine Teilnahme garantiert zwar kein Prädikat. Aber nur wer zahlt, kann überhaupt ausgezeichnet werden. Ergebnis ist keine Liste der besten Unternehmen, sondern bestenfalls eine Liste der besten Unternehmen, die für die Teilnahme zahlen. Diese Information, die eine allgemeine Aussagekraft des Rankings eher zweifelhaft macht, fällt in der Kommunikation gerne unter den Tisch.

Die Pressemitteilung der vergangenen Woche zitiert Plasberg:

„Bei ‚Top Job‘ versammeln sich die besten Arbeitgeber des deutschen Mittelstands“, sagt Plasberg, dem der wissenschaftlich-seriöse Hintergrund des bundesweiten Unternehmensvergleichs ganz besonders wichtig ist: „Die St. Galler Wissenschaftler, die hinter dem Projekt stehen, sind auf dem aktuellen Stand der Forschung und prüfen das Personalmanagement der Bewerber auf Herz und Nieren – aber stets fair. Das gefällt mir, und deshalb habe ich eine besondere Freude daran, diese Besten unter Deutschlands Arbeitgebern zu fördern und bekannt zu machen.“

Ich habe Plasberg daraufhin (per Mail) gefragt, ob er wirklich den „aktuellen Stand der Forschung“ im Personalmanagement kennt, und wenn ja: woher. Seine Antwort:

Ich habe mich über die Art der Untersuchung informiert. Die wissenschaftliche Leiterin, Prof. Heike Bruch, ist Direktorin des Instituts für Führung und Personalmanagement und Ordinaria an der Universität St. Gallen. Dass sie als Professorin einer weltweit anerkannten Elite-Universität auf dem aktuellen Stand der Forschung arbeitet, versteht sich von selbst. Nur nebenbei: Im vergangenen Sommer war Frau Prof. Bruch beim hochkarätig besetzten Zukunftsgipfel der Bundeskanzlerin in Meseberg eingeladen und hat über das Thema Personalentwicklung referiert.

Nun gut, wenn es sich von selbst versteht, bräuchte man vielleicht nicht noch Herrn Plasberg, um den Fachleuten Kompetenz zu attestieren.

Auf die Frage, ob er es nicht zweifelhaft findet, in dieser Form Werbung zu machen, antwortet Plasberg:

Für mich ist entscheidend: Da lassen sich Unternehmen in die Karten gucken, akzeptieren, dass alle Mitarbeiter befragt werden, um am Ende zu erfahren, ob ihr Personalmanagement dem bestmöglichen Stand entspricht. Das hat erstmal meine Sympathie. (…)

Wenn ich werbe, dann für das Prinzip des Wettbewerbs und eines transparenten Umgangs beim Personalmanagement. Und wenn die wirklich guten, aber oft noch unbekannten mittelständischen Unternehmen so eine Bühne bekommen, um beim Ringen um die begehrten Fachkräfte erfolgreich zu sein, ist das für mich eine gute Sache.

Ich werde von sehr vielen Institutionen um Unterstützung gebeten. Und ich schaue mir das sehr genau an. Für die eine oder andere Idee engagiere ich mich. Mal ohne, mal mit Honorar. Und nicht selten profitiert der eine Bereich vom anderen. Ich finde, das liegt im Rahmen dessen, was eine öffentliche Figur wie ich tun darf, vielleicht sogar sollte.

Hat er sich das Werbeengagement vom WDR oder der ARD genehmigen lassen?

Nein, ich habe mir das Engagement für Top-Job nicht genehmigen lassen, u.a. deswegen, weil es dafür weder eine formale noch inhaltliche Notwendigkeit gibt.

Na dann.

Vielleicht sehe ich das alles zu eng. Vielleicht wirbt Plasberg für eine Sache, die zwar durch und durch kommerziell ist, aber irgendwie dem Gemeinwohl dient.

Mir geht es auch weniger um „Top Job“ und die Gestaltung dieser Arbeitgeber-PR-Veranstaltung. Ich habe nur den Wunsch, von einem Journalisten, der an hervorgehobener Stelle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet, kein Werbegequatsche lesen zu müssen wie: „Bei ‚Top Job‘ versammeln sich die besten Arbeitgeber des deutschen Mittelstands.“

Ist das zuviel verlangt?

Fortsetzung hier.

Das Resümee ist durchweg positiv

Aus dem Lokalteil der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) von heute:


 

Artikel „Neue Osnabrücker Zeitung“, 12.12.2011 Pressemitteilung Stadtwerke Osnabrück, 1.12.2011
100 Tage Elektro-Bus in Osnabrück 100 Tage ElektroBus-Linie in Osnabrück
Osnabrück. Seit über 100 Tagen setzt der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Osnabrück auf aktuellste Speichertechnik im Linienbetrieb. Seit über 100 Tagen setzt der Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Osnabrück auf aktuellste Speichertechnik im Linienbetrieb.
Der mit Lithium-Polymer-Batterien ausgestattete Midibus erfreut mit seinem Design und seinem emissionsarmen Betrieb Fahrgäste und Fahrer gleichermaßen. Der mit Lithium-Polymer-Batterien ausgestattete Midibus erfreut mit seinem Design und seinem emissionsarmen Betrieb Fahrgäste und Fahrer gleichermaßen.
Zugegeben: Der Start war etwas holprig. Drei Tage sorgte ein defektes Steuergerät dafür, dass der neue Elektro-Bus der Stadtwerke Osnabrück nicht unterwegs sein konnte. Doch seitdem lautet das Fazit: Er läuft und läuft und läuft. Das Resümee nach 100 Tagen Betrieb ist durchweg positiv. „Über 5000 Kilometer liegen hinter uns. Auf 100 Kilometern verbraucht das Fahrzeug 62 Kilowattstunden“, fasst Burkhard Kötter, Leiter Verkehrstechnik bei den Stadtwerken, zusammen. Damit liegen die Betriebskosten für das innovative Fahrzeug unter denen eines vergleichbaren Busses. Und der Bus bietet dabei allen Komfort, den Osnabrücker von ihren Linienbussen gewohnt sind: Klimaanlage, Fahrgastfernsehen, Niederflureinstieg und eine Mehrzweckfläche für Kinderwagen und Rollstuhl. Zugegeben: Der Start war etwas holprig. Drei Tage sorgte ein defektes Steuergerät dafür, dass der neue ElektroBus der Stadtwerke Osnabrück nicht unterwegs sein konnte. Doch seitdem lautet das Fazit: er läuft und läuft und läuft. Das Resümee nach 100 Tagen Betrieb ist durchweg positiv. „Über 5.000 Kilometer liegen hinter uns. Auf 100 Kilometern verbraucht das Fahrzeug von BredaMenarinibus 62 Kilowattstunden“, fasst Burkhard Kötter, Leiter Verkehrstechnik bei den Stadtwerken, zusammen. Damit liegen die Betriebskosten für das innovative Fahrzeug unter denen eines vergleichbaren Busses. Und der Bus bietet dabei allen Komfort, den Osnabrücker von ihren Linienbussen gewohnt sind: Klimaanlage, Fahrgastfernsehen, Niederflureinstieg und eine Mehrzweckfläche für Kinderwagen und Rollstuhl.
Der zuverlässige Midibus bewegt sich völlig geräuschlos auf der neuen Linie zwischen Neumarkt und dem Klinikgelände des Marienhospitals und des Christlichen Kinderkrankenhauses. Fahrer und Fahrgäste sind gleichermaßen begeistert vom zuverlässigen Midibus, der sich völlig geräuschlos auf einer neuen Linie zwischen dem Verkehrsknotenpunkt Neumarkt und dem Klinikgelände des Marienhospitals und des Christlichen Kinderkrankenhaus bewegt. (…)

[eingesandt von KWN]

Nachtrag, 13. Dezember. Der „Oldenburger Lokalteil“ erzählt eine dazu passende, schaurig-schöne Geschichte aus der Welt der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“.

Das neue „Das Neue“-Bingo

Jörg Mandt hat sich etwas einfallen lassen, um für seine Zeitschrift „Das Neue“ ein bisschen Aufmerksamkeit zu generieren, die die dringend gebrauchen kann.

Er hat etwas Lustiges gemacht: Am vergangenen Samstag kam eine Sonderausgabe heraus, die die Bibel im Stil einer Klatschillustrierten nacherzählt — schließlich sei das Buch auch „der erfolgreichste Yellow der Welt“.

Und er hat etwas Lustiges gesagt: „Wir recherchieren so gut wie der ‚Spiegel‘. Bei uns finden Sie keine einzige erfundene Geschichte.“

Er hat das zum Braanchendienst „Meedia“ gesagt, insofern stimmt der letzte Satz vermutlich.

Allerdings war da zum Beispiel im Heft der vergangenen Woche dieses dramatische Stück:

Ein „trauriges Geständnis“ habe die dänische Kronprinzessin abgelegt:

Es ist selten, dass eine Prinzessin unverblümt über Gefühle spricht. Mary von Dänemark (39) tat jetzt genau das. Kurz bevor sie in ihre Heimat flog, öffnete sie als Rednerin auf einer Konferenz ihr Herz: „Einsamkeit tut weh. Es gibt einen Stich ins Herz, wenn man abgewiesen wird oder erleben muss, außerhalb der Gemeinschaft zu stehen. Wir haben das Bedürfnis nach einem Freund, der auf uns aufpasst.“

Ja, Mary scheint sich nach alldem zu sehnen.

Und dann zählt „Das Neue“ auf, wie einsam die Welt von Mary ist, und mir fehlt jede Fachkenntnis, um beurteilen zu können, was davon erfunden ist. Nur ein klitzekleines Detail haben Mandts Wahrheitsprofis weggelassen: Die Konferenz, auf der Mary „ihr Herz öffnete“ und Worte sprach, die „wie ein verzweifelter Hilferuf an die Welt klingen“, war eine zum Thema Einsamkeit.

Ihre eigene Stiftung hatte sie organisiert. Die Mary Foundation will helfen, das Tabu Einsamkeit brechen, und wies zum Beispiel darauf hin, wie viele Schüler und Studenten sich einsam fühlen. Marys Worte waren ein Hilferuf ganz anderer Art, als „Das Neue“ suggeriert. Die Prinzessin berichtet zwar tatsächlich auch von der Erfahrung eigener Einsamkeit — aber bezogen auf den Tod ihrer Mutter vor 14 Jahren.

Natürlich ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass „Das Neue“ trotzdem gelegentlich so gut recherchiert wie der „Spiegel“, und dass zum Beispiel all die aufregenden Fakten stimmen, die hinter der großen Titelgeschichte „Wie tragisch! MICHELLE HUNZIKER — Verliert sie jetzt ihre Tochter?“ stecken: Dass also Aurora, Hunzikers 14-jährige Tochter, der Fernsehmoderatorin „seit Monaten auf der Nase herumtanzt“. Dass „immer wieder dicke Luft herrscht“. Dass die Moderatorin „ihre Tochter beim Rauchen erwischte“ und sich sorgt, „weil Aurora oft stundenlang im Internet chattet“. Und dass Michelle „bei gewissen Sache keinen Spaß versteht“ und nun „wie Millionen andere Frauen die große Erziehungskrise erlebt“.

„Das Neue“ hat sogar ein Paparazzifoto gefunden, das Aurora beim Rauchen zeigt, und veröffentlicht ihr vorläufiges Rechercheergebnis: „Michelle war sicher sauer.“

Es ist natürlich alberner Quatsch, was Chefredakteur Mandt über sein Knallblatt gesagt hat. Noch alberner ist es womöglich nur, ihm ernsthaft nachzuweisen, dass es alberner Quatsch ist. Und deshalb machen wir uns wenigstens einen Spaß daraus und spielen das beliebte TitelseitenBingo. Die Frage bezieht sich diesmal auf die Titelseiten-Ankündigung zu Uschi Glas: „Hoffen und Bangen – Todesdrama!“ und lautet schlicht: Was ist passiert?

(Tipp und Beruhigung für Laien: Uschi Glas lebt. Sie lag und liegt auch nicht im Sterben.)

Es ist nichts passiert

Das Blöde am Livebloggen ist ja, dass man sich weder die Sendung vernünftig ansehen, noch ausgeruht darüber nachdenken kann. Aber mit dem Abstand von immerhin einer Stunde halte ich einen Gedanken für festhaltenswert:

Die letzte Gottschalk-Ausgabe von „Wetten dass?“ war bezeichnend für das Problem, das die Sendung seit längerem hat: Es ist nichts in ihr passiert.

Günther Jauch war zu Gast. Gottschalk und Jauch sind befreundet, können wunderbar miteinander frotzeln. Aber sie haben nichts miteinander gemacht. Jauch war nach wenigen Minuten abgemeldet, saß als Dekoration auf dem Sofa herum. Als Abschiedsgeschenk für Gottschalk hat er ein paar Ausschnitte mit Sendungshighlights mitgebracht — nichts was die Zuschauer und Gottschalk nicht schon Dutzende Male gesehen haben. Er hat sich nichts einfallen lassen, nichts riskiert.

Die ganze Sendung hindurch hat Gottschalk als Running Gag versucht, Jauch dazu zu bringen, eine seiner nächsten Shows in einem alten Anzug von sich zu moderieren. Und die Show endet, ohne dass Jauch ihn wenigstens probeweise mal anzieht?

Zwischendurch hielt Jauch die unglaublich großen Hosen von Dirk Nowitzki in die Höhe und stellte sich vor, wie Gottschalk darin wohl aussähe. Und die Show endet, ohne dass der Moderator das mal vorführt?

Kann sich jemand erinnern, was Iris Berben in der Sendung gesagt oder gemacht hat? Sie war da und trug eine fleischfarbene Bluse mit sehr unglücklich drapiertem Discokugel-Lametta, aber sonst? Iris Berben ist eine der beliebtesten und etabliertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie bringt Gravität mit und ist gleichzeitig eine begnadete Komikerin — und ihr oder der Redaktion ist exakt nichts eingefallen, was man aus diesem Potential machen könnte, außer ihr ein paar Handschellen für Gottschalk mitzugeben?

Thomas Gottschalk ist ein Moderator, der am besten ist, wenn unvorhergesehene Dinge passieren — und die Verantwortlichen lassen seine letzte Sendung zu Ende gehen, ohne dass irgendetwas für ihn Unvorhergesehenes passiert? Ein Gast, mit dem er nicht gerechnet hat, eine Aktion, auf die er nicht vorbereitet war, irgendetwas anderes als alte Sendungs-Ausschnitte, irgendetwas? Irgendetwas?

Wenn dies tatsächlich das Ende einer Ära war und der Abschied Gottschalks tatsächlich die Nation bewegte, wofür viel spricht — hätte sich dann nicht irgendjemand irgendetwas einfallen lassen müssen? Vielleicht mit Politikern im Bundestag, die man vor die Kamera bekommen hätte, vielleicht mit den Fernsehgrößen dieses Landes, die jeweils in den Kulissen ihrer eigenen Sendungen eine Aktion, eine Parodie, einen Gruß gemacht hätten, möglichst jedenfalls: etwas Besonderes, etwas zuvor Ungesehenes, etwas Überraschendes, für Gottschalk, für die Zuschauer?

In der vorletzten Sendung von „Wetten dass“ gab es immerhin ein paar Momente, in denen etwas passierte: David Garrett brachte das Publikum zum Staunen, als er Geigen und Geigenspieler am Klang erkannte. Die Gäste brachten Gottschalk ein Ständchen. Und ich glaube, dass tatsächlich viele Millionen Menschen gleichzeitig den Atem angehalten haben, als es schien, als ob der junge Mann, der mit verbundenen Augen unter Wasser einen Zauberwürfel zurückdrehte, gar nicht mehr auftauchen würde, egal wie lange es dauern würde.

Es braucht gar nicht viel, um etwas passieren zu lassen. Bei einer Show mit den Möglichkeiten von „Wetten dass“ bräuchte es eigentlich nur eines: den Willen dazu.

Stefan Raab hat ihn gelegentlich, wenn nicht wieder Fließband-Wochen bei „TV Total“ sind. Als neulich Justin Bieber zu Gast war, hat er sich mit ihm ein Schlagzeug-Duell geliefert. Das war, kann man natürlich sagen, nichts Weltbewegendes. Aber es bot genau das, was gute, im besten Sinne harmlose Unterhaltung leisten kann: Vergnügen. Und Gesprächsstoff. Und man bekam sogar eine Seite von Justin Bieber zu sehen, die man noch nicht kannte; er wirkte fast befreit von der Last, immer nur in denselben Standardsituationen sich selbst zu spielen.

Als Raab vor drei Jahren bei „Wetten dass“ war, dachte er sich selbstverständlich auch etwas aus. Erst parodierte er, in Absprache mit dem Synchrondolmetscher, die klassische Internationaler-Gast-mit-Knopf-im-Ohr-Situation. Und dann huldigte er Udo Jürgens, indem er sein „Aber bitte mit Sahne“ am Flügel zum besten gab, stilecht mit eigens mitgebrachtem Bademantel.

Auch Anke Engelke und Bastian Pastewka haben einige Momente geschaffen, in denen etwas passierte, als sie als „Wolfgang & Anneliese“ bei „Wetten dass?“ auftraten und Gottschalk aus seiner Routine zwangen.

Das war einmal üblich: dass Prominente, die zu „Wetten dass“ gehen, sich etwas Besonderes ausdenken. Und diese Funktion hatten auch die Wetteinlösungen für Gäste, die sich vertippt hatten: Menschen, die wir aus dem Fernsehen in einer bestimmten Rolle kennen, dazu zu bringen, aus ihr heraus zu fallen. Unerreichbare Menschen angreifbar zu machen.

Alles vorbei. Vorletzte Sendung sollte Otto Waalkes als Wetteinlösung aus einem Eisblock einen Schlüssel herausschmelzen, was nach wenigen Minuten von allen Beteiligten gnädig vergessen wurde.

„Wetten dass“ ist eine Sendung geworden, die nichts mehr riskierte, und damit meine ich nicht lebensgefährliche Wetten. Es ist eine Sendung geworden, der es völlig genügte, dass Iris Berben auf dem Sofa sitzt, ohne sich Gedanken zu machen, was sie dort tut oder was man dort mit ihr tun könnte.

Manfred Teubner, der für sie verantwortliche Unterhaltungschef des ZDF, hört im nächsten Jahr auf, aber vermutlich ist er in Wahrheit schon lange im Ruhestand.

Thomas Gottschalk, der populärste Moderator des deutschen Fernsehens beendet eine von zehn Millionen Menschen gesehene Traditions-Show, die er und die ihn geprägt hat, und alles, was der Produktion einfällt zu seinem Abschied sind ein paar alte Ausschnitte und am Ende Laserstrahlen und die Worte „Danke Thomas“ als Leuchtschrift.

Man muss es Arbeitsverweigerung nennen.

Programmhinweis (37)

Wenn ich mich gerade mal aus dem aktuellen „Spiegel“ zitieren darf:

Es gab ja, genau betrachtet, wenig zwingende Gründe, „Wetten, dass …?“ zu gucken, außer dem, dass gerade alle „Wetten, dass …?“ gucken.

In diesem Sinne können wir gleich gemeinsam die vorläufig letzte Ausgabe der Show mit Thomas Gottschalk gucken. Zusammen mit Stefan Kuzmany, der so etwas wie der inoffizielle MetaBeauftragte von „Spiegel Online“ ist, mache ich dort einen Live-Ticker.

Gummibärchen liegen bereit. Hier geht’s lang.

Zur Vorbereitung empfehle ich auch diese Handreichung der Kollegen von der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ zur Nachfolgedebatte (Stand 12.11.)

Journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit

Was viele nicht wissen: der Braanchendienst „Meedia“, „Deutschlands führendes Medien-Portal“, lässt zu jeder seiner „Top-Stories“ aufwendig eine eigene Fotomontage anfertigen.

Die Ressourcen muss man natürlich an anderer Stelle einsparen.
 

FAZ-Eigen-PR redaktioneller „Meedia“-Beitrag
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) gibt es jetzt auch auf dem iPad. Ein eigenes Team kümmert sich nicht nur darum, dass alle Inhalte der gedruckten Ausgabe für das mobile Endgerät aufbereitet werden, sondern ergänzt diese auch durch interaktive Grafiken, Bilder und Videos. Damit wird die preisgekrönte journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit einer der erfolgreichsten deutschen Sonntagzeitungen mit der Faszination einer neuen, multimedialen Erlebniswelt verknüpft. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) gibt es jetzt auch auf dem iPad. Ein eigenes Team kümmert sich nicht nur darum, dass alle Inhalte der gedruckten Ausgabe für das mobile Endgerät aufbereitet werden, sondern ergänzt diese auch durch interaktive Grafiken, Bilder und Videos. Damit wird die preisgekrönte journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit der Faszination einer neuen, multimedialen Erlebniswelt verknüpft.
Jeweils sonntags ab 6 Uhr morgens ist die neue ipad Ausgabe verfügbar und lässt sich nach dem Download offline lesen. Auf Geräten mit der neuen iOS5 Software lässt sich die die F.A.S. App auch über den „Apple Zeitungskiosk“ laden. Abonnenten haben die Option, neue Ausgaben jeweils auf ihr Gerät gespielt zu bekommen, wenn sich das Gerät im häuslichen WLAN befindet. Jeweils sonntags ab 6 Uhrhttp://UrlBlockedError.aspx/ morgens ist die neue iPad-Ausgabe verfügbar und lässt sich nach dem Download offline lesen. Auf Geräten mit der neuen iOS5-Software ist die FAS-App auch über den Apple Newsstand erhältlich. Abonnenten haben in Kürze die Option, neue Ausgaben jeweils auf ihr Gerät gespielt zu bekommen, wenn sich das Gerät im WLAN befindet.
Die F.A.S. App ist kostenlos mit einer Testausgabe über www.faz.net/apps oder direkt im iTunes Store erhältlich. Die FAS-App ist kostenlos mit einer Testausgabe über www.faz.net/apps oder direkt im iTunes Store erhältlich. Die Einzelausgabe kostet 2,99 Euro, das Monatsabo 10,99 Euro. Für den Quartalsbezug fallen 31,99 Euro, für ein Jahresabo 124,99 Euro an.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wurde mehrfach für ihre redaktionelle und grafische Qualität ausgezeichnet. Bereits vier Mal gewann sie als „World’s Best Designed Newspaper“. Auch mit ihrer iPad Ausgabe setzt sie neue gestalterische Maßstäbe. Grafisch am klassischen Zeitungsdesign angelehnt, verbindet die F.A.S. iPad App eine attraktive Aufbereitung der Inhalte mit einer einfachen Bedienung und hervorragenden Lesbarkeit. Die Übersichtsfunktion ermöglicht es, die umfangreiche Zeitung komfortabel zu überfliegen und jeden Artikel direkt aufzurufen. Die iPad-Ausgabe der FAS will neue gestalterische Maßstäbe setzen. Grafisch ist sie am klassischen Zeitungsdesign angelehnt und soll die Leser mit einfacher Bedienung und guter Lesbarkeit überzeugen. Die Übersichtsfunktion ermöglicht es, die umfangreiche Zeitung zu überfliegen und jeden Artikel direkt aufzurufen.
Holger Steltzner, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „In der Sonntagszeitungs-App für das iPad werden die Vorzüge einer unterhaltsamen Qualitätszeitung mit den Vorteilen der elektronischen Welt kombiniert, bei einfacher Bedienung und Konzentration auf das Wesentliche. Die Herausforderung, das Layout der wiederholt zur schönsten Zeitung der Welt gekürten Sonntagszeitung auf einen kleinen Bildschirm zu übertragen, hat unser Art Director (KB) auf ganz eigene Art und Weise gemeistert. Wir sind gespannt, wie den Lesern unsere digitale Sonntagszeitung gefallen wird.“ Holger Steltzner, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „In der Sonntagszeitungs-App für das iPad werden die Vorzüge einer unterhaltsamen Qualitätszeitung mit den Vorteilen der elektronischen Welt kombiniert, bei einfacher Bedienung und Konzentration auf das Wesentliche. Die Herausforderung, das Layout der wiederholt zur schönsten Zeitung der Welt gekürten Sonntagszeitung auf einen kleinen Bildschirm zu übertragen, hat unser Art Director auf ganz eigene Art und Weise gemeistert. Wir sind gespannt, wie den Lesern unsere digitale Sonntagszeitung gefallen wird.“
Gemeint sind hier vor allem neue Käuferschichten, denn die Hemmschwelle für Bestandskunden ist hoch: Anders als bei den Digitalausgaben anderer Medienhäuser bietet die FAS kein Upgrade zu einem schmalen Preis für Abonnenten der Zeitung an. Wer als Printleser die FAS auf dem iPad kennenlernen möchte, muss den vollen Digitalpreis zahlen. Nach Angaben eines Sprechers gegenüber MEEDIA sei ein Kombi-Angebot auch künftig „nicht vorgesehen“.

Nachtrag, 16.23 Uhr: Stimmt gar nicht. Auf eine aufwendige Fotomontage hat „Meedia“ hier sogar verzichtet.