„Welt Online“ verliert Stimmen

Auf seiner neugestalteten Homepage lässt „Welt Online“ die Leser gerade über Bischof Mixa und seine „Gebärmaschinen“-These abstimmen. Das Ergebnis ist überraschend eindeutig:

Noch erstaunlicher ist aber die Zahl der abgegebenen Stimmen. Aktuell wird sie mit 1794 angegeben. Dabei war vor einer Stunde schon die 2000-Marke überschritten gewesen. Wie kann die Zahl plötzlich abnehmen?

Das geht, wie Leser Andreas Eisele entdeckt hat, die ganze Zeit schon so.

23.20 Uhr:
1564 Stimmen.

8.30 Uhr:
1478 Stimmen.

11 Uhr:
1628 Stimmen.

11.45 Uhr:
1931 Stimmen.

12 Uhr:
1703 Stimmen.

12.30 Uhr:
2024 Stimmen.

13.30 Uhr:
1794 Stimmen.

Wie kommt das? Was soll das? Wer macht sowas?

Neues über die neue Offenheit der „Welt“

Ein Kollege hat bei „Welt Online“ nachgefragt, warum BILDblog dort plötzlich aus den „Blog-Empfehlungen“ entfernt wurde. Er bekam vom Chefredakteur Christoph Keese folgende Antwort:

„(…) vielen Dank für Ihre Frage, die wir gern beantworten: Wir empfehlen prinzipiell keine Blogs, die sich gegen unsere Verlinkung wehren. In diesem Blog entstand schnell eine Debatte darüber, ob die ‚Welt‘ wohl einen Link setzen dürfe. Da wir uns nicht aufdrängen wollen, listen wir den Blog nicht mehr.“

Langsam hört der Spaß aber auf.

1. Dies ist nicht das BILDblog.
2. Im BILDblog entstand keine Debatte über den Link.
3. Das BILDblog hat sich nicht gegen die Verlinkung gewehrt.
4. Ich habe mich explizit nicht gegen die Verlinkung gewehrt.

Und weil Herr Keese das alles natürlich weiß, gilt schon deshalb:

5. Seine Erklärung, warum „Welt Online“ angeblich den Link auf BILDblog entfernt hat, stimmt nicht.

Allmählich fange ich an, „Don Alphonso“ in seiner Einschätzung über den besten Umgang mit diesen Leuten fast Recht zu geben.

(Und vielleicht beantwortet die Art, wie Christoph Keese antwortet, auch zu einem kleinen Teil die Frage, die neulich jemand stellte, warum ich mir nicht vorstellen kann, bei Axel Springer zu arbeiten.)

Bei RTL.de ist das Grauen jetzt blau

Seit gestern abend erstrahlt RTL.de in neuem Glanz und einheitlicher Farbe. Es gibt viel zu sehen.

Super-Symbolfotos…

…gewagtes Design…

…typographische Experimente…

…und lustige Farbverläufe…

…beherzter Einsatz von Legasthenikern…

…minimalistische Baustellen-Schilder…

…Sackgassen mit Fehlerseiten, auf denen nicht einmal steht, dass es sich um einen Fehler handelt…

…und Anzeigen, die man entweder daran erkennt, dass sie wie redaktionelle Artikel aussehen…

…oder natürlich daran, dass das Signalwort „Themen“ darüber steht.

Selbst wenn RTL.de es irgendwann schaffen sollte, die unfassbare Zahl von Programmier-Fehlern zu korrigieren (Peer hat auch noch einen), bleiben die Seiten eine unfassbare Zumutung. Nach wie vor packt RTL.de Nachrichten in endlose Bildergalerien (wie diese) von unbestimmter (und nie angegebener) Größe, bei denen die Texte unter wahllos zusammengeklaubten und dazu eher nur zufällig passenden Fotos stehen.

RTL.de war und ist für jeden, der sich über das Programm oder gar etwas anderes informieren will, unbrauchbar. Die Seiten sind offenkundig optimiert für Leute, die auch auf virus.exe-Anhänge doppelklicken und auf Spam-Mails mit ihren Kontodaten antworten.

PS: Kann mir jemand das hier erklären?

Totes Watchblog, gutes Watchblog

Gestern „empfahl“ die „Welt Online“ noch BILDblog:

Heute nicht mehr:

Und wer auch immer bei Springer dachte, es sei für ein Online-Angebot der Axel-Springer-AG doch besser, nicht auf uns zu verlinken, hat sorgfältig gearbeitet. Ursprünglich begann nämlich die zweite „Blogempfehlung“ nach BILDblog, die für Watchblog.de, mit den Worten:

„Im Gegensatz zum Bildblog und der Spiegelkritik versucht sich [sic!] die Redaktion von Robert John die gesamte Medienszene in Deutschland kritisch zu beobachten (…).“

Auch in dieser Beschreibung ist nun der Hinweis auf BILDblog (und Spiegelkritik) verschwunden.

Und lustig daran ist vor allem, dass das erste Medienblog, das „Welt Online“ nun empfiehlt, eines ist, das es in seiner ganzen Lebensdauer auf nicht mehr als zehn Einträge geschafft hat — und seit einem Dreivierteljahr tot ist.

Wer auf BILDblog verlinken darf

wolff fragt in den Kommentaren:

„Mich würde interessieren, warum Du das Bildblog in den Blogempfehlungen von welt.de akzeptierst. Andere haben sich schon austragen lassen.
So sieht es aus, als würdest Du einerseits auf die Springer Presse schimpfen, andererseits aber deren Traffic gerne annehmen.“

Die kürzere Antwort:

Dies ist ein freies Land. Jeder darf auf BILDblog verlinken. Und wenn auf diese Weise ein paar „Welt“-Leser einen schärferen Blick auf das Blatt bekommen, von dem der Herausgeber der „Welt“ lebt wie von keinem anderen, ist mir das Recht.

Die längere Antwort:

Wer hat sich denn noch „austragen“ lassen? Also, außer „Don Alphonso“? Der schrieb im Werbeblog zu seinem Buch „Blogs!“:

ich sage dem rechtsreaktionären Drecksblatt, dass ich von denen nicht verlinkt werden will. Zum Kotzen, dieses Pack – noch dazu, wenn manm sich anschaut, welchen Webschleim sie sonst nich verlinken.

Und nach eigenen Angaben an „Welt Online“ direkt:

Ich wüsste nicht, dass ein rechtsreaktionäres Müllblatt aus dem Springersumpf die Erlaubnis hätte, das Cover des Blogbuches abzubilden.

Die „Welt“ ist sicher nicht meine Lieblingszeitung. Und ich habe Stellenangebote von „Welt“ und „Welt am Sonntag“ auch deshalb abgelehnt, weil ich mir nicht vorstellen kann, für Springer zu arbeiten. Ich würde die „Welt“ trotzdem kein „rechtsreaktionäres Müllblatt“ nennen. Nicht nur, weil mir „rechtsreaktionär“ als ein Pleonasmus erscheint. Sondern auch, weil mir dann die Worte fehlten, um wirklich reaktionäre Müllblätter zu beschreiben.

(Bei „Don Alphonso“ kann man das Problem gut erkennen: Vor gut einem Monat erst beschrieb er „Die Presse“ als

„grössere Tageszeitung aus Wien, die politisch weiter rechts zu verorten ist als SchlammSpringers “Die Welt” — rechtsreaktionär würde man sie in Deutschland vielleicht nennen.“

Damals gebrauchte er „rechtsreaktionär“ als Hilfsbegriff, um etwas zu beschreiben, was (seiner Meinung nach) rechter ist als die „Welt“. Wenn inzwischen die „Welt“ selbst schon „rechtsreaktionär“ ist, wie nennt er dann beim nächsten Mal „Die Presse“? Ultrafaschistisch?

Oh, ich bin vom Thema ab.)

Jedenfalls lautet „Don Alphonsos“ Forderung nach dem Umgang mit der Springer-AG:

„Entweder man haut ihm in seine hässliche Fresse, oder man frisst ihm aus der Hand.“

Och nee. Ich möchte mir da doch ein paar weitere Handlungsmöglichkeiten vorbehalten.

Nachtrag, 23. Februar. Hat sich erledigt.

Verlinken? Lieber nicht

Christoph Keese, Chefredakteur von Welt Online, schreibt zum Neustart:

Doch gerade Seiten von Medien verlinken nicht untereinander und lassen damit eine wichtige Möglichkeit des Internets außer Acht. Wir machen es anders und verlinken auch auf Wettbewerber.

Ich fürchte, er meint das nicht so. Wenn ich das richtig sehe, besteht diese Offenheit gegenüber der Konkurrenz allein darin, solche Schlagzeilen-Blöcke hier rechts anzuzeigen. Wenn „Welt Online“ es ernst meinte mit den Möglichkeiten des Internets, würden sie bei diesem Artikel, der fast ausschließlich auf einem Gespräch von Christian Ströbele mit der „Netzeitung“ beruht, natürlich auf den entsprechenden Originalartikel verlinken. Oder bei diesem Artikel, in dem aus einem „Spiegel Online“-Gespräch zitiert wird, auf eben jenes. (Mal ganz abgesehen davon, dass man in einer Liste von Internetseiten den Nutzen für die Leser durch entsprechende Links dramatisch erhöhen würde…)

Nein, was Offenheit und das Verlinken auf Wettbewerber geht, war die „Netzeitung“ schon viel weiter. Die hat vor gut zwei Jahren eine Nachrichtensuchmaschine „News im Web“ eingebaut. Mit der wurden unter den Artikeln automatisch Links zu anderen Seiten angezeigt, die dasselbe Thema behandelten.

Apropos: Die „Netzeitung“ hat sich ja auch einen kleinen Relaunch gegönnt. Und… hmmm… ich kann dieses Feature nicht mehr entdecken. Die „Netzeitung“ verlinkt anscheinend nicht mehr systematisch zu anderen Seiten. Die dazugehörige Startseite ist auch schon länger nicht mehr gepflegt worden (da steht noch der vor ein paar Monaten gegangene Dr. Michael Maier als Chef).

Hm. Ich glaube, die deutschen Medien sind noch nicht (und nicht mehr) soweit, die wichtigen Möglichkeiten des Internet zu nutzen.

Doppelter Chart-Erfolg für JFK-Video

Auf Welt Online:

(Überhaupt eine komische publizistische Strategie: Als sich die erste Version des Artikels als etwas voreilig und unkritisch herausgestellt hat, wird nicht dieser Artikel überarbeitet und die Änderung entsprechend gekennzeichnet. Sondern der alte Artikel bleibt stehen und eine neue, überarbeitete Version wird zusätzlich veröffentlicht. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, auf „täglich 320 bis 350 neue Artikel“ zu kommen.)