Mit Sat.1 bei den Sozialschmarotzern (2)

Aus den Kommentaren hier:

Ich arbeite bei der “Hartz-IV-Behörde” des Kreises Offenbach in der Leistungsgewährung – und empfinde diese unsägliche Sendung als … bäh! (sorry, ich sitze 2 Minuten vor den Tasten und mir fällt einfach kein besseres Wort ein).

Nicht nur, dass die Sendung vor sachlichen Fehlern strotzt, Frau Fürst praktisch in jeder Minute ihre Kompetenzen überschreitet und dabei so unglaublich affektiert, prollig und unsympathisch rüberkommt. Dazu kommt noch völlig aus dem Zusammenhang gerissene Details präsentiert werden. Ich kenne die Akte der “türkischen Superschmarotzer” nicht. Und genau deshalb erlaube ich mir auch kein Urteil. Der Zuschauer kennt die Akte auch nicht. Aber SEIN Urteil steht fest.

Und ganz am Rande: Wie ich von Kollegen weiß, häufen sich seit gestern 2 Arten von Anrufen, nämlich a) Denunziationen und b) Anfragen von Hilfeempängern, ob sie nicht auch mal neue Möbel beantragen könnten…

Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte…

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Als Mitarbeiter im Leistungsbereich SGB II schicke ich hin und wieder ebenfalls den Außendienst heraus. Feststellung von Bedarfen, Check möglicher Ortsabwesenheit, Überprüfung auf Bedarfsgemeinschaft oder Wohngemeinschaft usw.

Die Sendung ist für mich lediglich ein großer Witz. Ja, es gibt Betrüger. Für mich steht ebenfalls fest, dass der Anteil der Betrüger über dem Wert von 0,6% liegt. Höher ist allerdings der Anteil der Personen, die de facto nicht vermittelbar sind (aufgrund psychischer Probleme, Suchtproblematiken, fehlender Motivation). Hier bleibt die Politik eine Antwort schuldig und die Gesellschaft zahlt und ist glücklich damit.

Aber egal, zu Sendung (zum Glück habe ich nicht alles gesehen):
1. Rauchen im Dienstfahrzeug – ganz dumm….
2. Vater fährt im X5 des Sohnes.. Alles auf Kamera – Betrug nachgewiesen. Wer’s glaubt… Wäre etwas ganz neues, dass sich ein Leistungsempfänger kein Auto von Verwandten leihen darf.
3. Vater hält sich in der Wäscherei des Sohnes auf. Schwarzarbeit nachgewiesen. Wer’s glaubt… (Die Sozialfahnder sollten das vielleicht den Profis von der FKS des Zolls überlassen)

Mein Eindruck (gefärbt durch die subjektive Darstellung sowie meine Erfahrung in ähnlich gelagerten Fällen von familiär organisiertem Leistungsmißbrauch) spricht auf jeden Fall für einen Beschiss durch die Hilfeempfänger. Fakt ist allerdings, dass Behörden gerichtsfest ermitteln müssen. Angesichts der dargestellten Indizien ist ein rechtmäßiger Nachweis des Leistungsbetruges meines Erachtens nicht möglich.

Die Sendung ist für mich eine Doku-Soap, mehr nicht. Tendiert irgendwo zwischen Richterin Salesch und Unsere erste Wohnung. Wahrheitsgehalt irgendwo bei 20%…

Positiv: Leistungsmißbrauch wird thematisiert. Und wenn die Denunzianten mir nun die Tür einrennen – super. Wer betrügt, soll die Quittung dafür bekommen. Vielleicht kommen manche dann wirklich auf den Trichter, dass ein Job die bessere Alternative darstellt.

Negativ: Wo war Sat1, als Zumwinkel die Steuerfahnung ins Haus lassen musste – vor der Tür und nicht im Haus. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn es um Betrug am Steuerzahler geht.

(Wichtiger Hinweis: Ich habe die Echtheit der Absender nicht überprüft.)

Mit Sat.1 bei den Sozialschmarotzern

Man muss nur einen Satz kennen, um alles über die neue Sat.1-Dokureihe „Gnadenlos gerecht“ zu wissen. Der Satz steht in der Pressemitteilung des Senders und lautet:

Helena und Helge sehen sich aber nicht als fiese „Sozialbullen“, sondern als die Stimme der Ehrlichen: Schließlich ist nicht jeder Hartz IV-Empfänger auch ein Betrüger.

Das ist eine ebenso subtile wie wirkungsvolle Variation des alten Prinzips, dass es in jeder Gruppe einzelne Schwarze Schafe gibt. Bei Hartz-IV-Empfängern gilt offenbar das Umgekehrte: Es gibt auch einzelne Weiße Schafe.

Und Sat.1 feiert diese Aussage, die man wahlweise für eine Banalität oder eine Ungeheuerlichkeit halten kann (man teste sie in Variationen wie „Schließlich ist nicht jeder Schwule auch ein Pädophiler“ oder „Schließlich ist nicht jeder Ausländer auch ein Krimineller“) noch als Ausdruck von Fairness und Gerechtigkeit.

Es fällt mir schwer, nicht hinzuzufügen: Soweit sind wir schon gekommen. Mit unserem Umgang mit den Bedürftigen in unserer Gesellschaft. Und mit dem Fernsehen.

Dabei gehen die Sat.1-Leute (die Produktionsfirma Solis-TV wird von Stefan Wichmann geleitet, der vorher bei „Akte“, dem Sat.1-Frühstücksfernsehen und dem Sat.1-Mittagsmagazin war) durchaus geschickt vor. Anders als das ZDF, das mit „ZDF-Reporter“ schon vor Jahren ein verachtenswertes Format etabliert hat, das den deutschen Alltag fast ausschließlich aus der Perspektive von Kontrolleuren, Polizisten, Aufpassern und Schnüfflern zeigt, präsentieren sie die Sozialfahnderin und den Sicherheitschef des Landkreises Offenbach nicht nur als strenge Wächter, sondern auch als Wohltäter.

Als ersten Fall der ersten Folge zeigt „Gnadenlos gerecht“ – sicher nicht zufällig – wie die beiden bei einer Überprüfung feststellen, dass die junge Frau, die mit ihren Kindern ihren gewalttätigen Mann verlassen hat, nicht zuviel Geld vom Staat bekommt, sondern zuwenig. „Machen Sie sich keine Sorgen“, sagt Helena Fürst am Ende, als sie alles notiert hat, gönnerhaft zu der Frau. „Freitag haben Sie Geld und gehen einkaufen.“ Die Sprecherin sagt aus dem Off: „Neben Möbeln bekommt die Frau jetzt ihre ganze Renovierung bezahlt. Insgesamt mehr als 2000 Euro vom Staat.“ Und Helge Hofmeister sagt zu seiner Kollegin im Weggehen: „Da siehste mal, wie wichtig der Außendienst ist.“

Ist das nicht schön geregelt in unserem Land? Der Staat schickt Leute vorbei, damit die wirklich Bedürftigen, die in ihrer Scham und Bescheidenheit nicht alle Almosen beantragen, die sie beantragen könnten, belohnt werden. Als die Beamten mit dem Kamerateam aufkreuzten und die Frau brav den Kontrolleuren, dem Fernsehteam und der Welt ihre kargste Behausung zeigte, kommentierte das die Off-Sprecherin mit den Worten: „Die junge Frau bittet die Sozialfahnder widerspruchslos herein. Offenbar hat sie nichts zu verbergen.“

Das ist ganz anders bei einer anderen Familie, die später kontrolliert wird. Der Sicherheitschef hatte sich vorher extra Spezialhandschuhe angezogen, weil die Betroffenen auch gerne gewalttätig würden. Sie lassen die Sozialfahnder nicht hinein. Aber ihren Verdacht, dass die Leute gar nicht wirklich bedürftig, bestätigt schon der flüchtige Blick durch die Tür: „Haste die Wohnung gesehen“, fragt Helena Fürst hinterher ihren Kollegen. „Die sah nicht asozial aus.“

Es ist alles so erbärmlich. 350 Euro plus Miete bekommt ein 50-jähriger Arbeitsloser, dessen Wohnung die Fahnder als nächstes überprüfen. Er steht im Verdacht, sich mit einer Frau nicht nur die Wohnung, sondern auch das Bett zu teilen, was aus der WG eine „eheähnliche Gemeinschaft“ machen würde. „Wir vermuten, dass die beiden ein Paar sind“, erklärt Helena Fürst und zählt dann auf, nach was für Indizien sie suchen wird, um ihm auf die Schliche zu kommen.

„Mit dem unangemeldeten Besuch hat der Hartz-IV-Empfänger offenbar nicht gerechnet“, triumphiert die Off-Sprecherin. Und Helena Fürst fragt: „Sagen Sie mal, wie schlafen Sie denn hier?“ Auf dem Sofa? Seit fünf Jahren? Sie glaubt ihm nicht. Und rechnet hinterher in die Kamera vor, wieviel Geld er zurückzahlen müssen könnte. 17, 18.000 Euro. Schlimmstenfalls. Bestenfalls.

Wieder ein Schmarotzer zur Strecke gebracht.

Das nächste Paar ist jung, arbeitslos, hat ein Kind und Probleme, sich zu artikulieren, ist aber schwer bemüht zu zeigen, dass sie bereit sind alles zu tun, um nicht mehr auf das Geld vom Staat angewiesen zu sein. Zwei Hängeschränke für die Küche brauchen sie – nein, da fehlen doch drei, sagt die Kontrolleurin, und fügt auch noch einen Bonus-Unterschrank auf ihrem Formular hinzu. Nur den gewünschten neuen Wohnzimmerschrank, den gibt es nicht, sagt sie hinterher in die Kamera, der alte sei noch gut. Es ist ein bisschen wie früher bei „Dalli-Dalli“, wenn Mady Riehl sagte: „Einen Sessel müssen wir abziehen, der war doppelt.“ Nur dass in dieser Sendung keiner auf die Idee kommt, die Summen, um die es geht, am Ende in Schilling umzurechnen. Oder in Menschenwürde.

Ganz zum Schluss, als sie einer – womöglich wirklich kriminell den Staat betrügenden – türkischen Familie auf die Schliche gekommen sind, fahren Helena und Helge in den Feierabend. David Bowie singt dazu: „We Can Be Heroes“.

Dirk Bach

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Es sind gar nicht nur der Bauch und die baumelnden Ärmchen und die lustige, figurbedingte Art zu laufen. Es sind vor allem die großen Augen mit diesen langen Wimpern und markanten Augenlidern, die so aussehen wie die aufgeklebten Augen bei den sympathischen Puppen aus der „Sesamstraße“. Es ist eine freundliche, laute, bunte Muppetfigur, die uns aus dem Fernsehen entgegenlacht, wenn Dirk Bach darin auftritt.

Und das tut er seit langer Zeit schon mit erstaunlicher Konstanz. Als vor alberner Freude quietschender Spielleiter in der Improvisationsshow „Frei Schnauze XXL“, die wirkt, als sei einer der größten Posten in ihrem Produktionsetat Eierlikör. Als ebenso vergnügte wie vergnügliche Glückspraline für Sonja Zietlow in der Dschungelshow. Als Schauspieler in mutmaßlich traurigen Fernsehfilmen mit Titeln wie „Popp dich schlank“ oder „Crazy Race“. Oder auch in der „Sesamstraße“ — als (menschlicher) Zauberer Pepe.

Dirk Bach polarisiert. Nach einer repräsentativen Umfrage im Bekanntenkreis ist er für 71 Prozent der Deutschen Inbegriff der Nervensäge im Fernsehen. Aber er ist in dem Einerlei von gesichtslosen Moderatoren, die unser Fernsehen bevölkern, ein Wunder. Und er ist nicht nur schrill, sondern hat sogar Prinzipien. Von morgen an spielt er eine neue Rolle: den Gameshow-Master. Eine Woche lang täglich und dann immer am Dienstag moderiert er um 22.15 Uhr auf Vox „Power of 10“, eine Sendung, in der die Kandidaten das Ergebnis von Meinungsumfragen erraten müssen: Wie viel Prozent der Deutschen halten Versicherungsbetrug für ausgleichende Gerechtigkeit, finden Frauen klüger als Männer oder sagen — ganz philosophisch –, es sei besser, geliebt zu haben und enttäuscht worden zu sein, als nie geliebt zu haben.

Das ist nicht spektakulär, aber (trotz schlimm gecasteter Kandidaten) manchmal ganz unterhaltsam. Und das Schöne ist, wenn man für so eine Show jemanden engagiert, der sonst so übertourig läuft wie Dirk Bach: Er muss sich nicht produzieren, sondern kann sich zurücknehmen und muss nur aufpassen, dass er an der Grenze zwischen unterengagiert und gelangweilt nicht plötzlich auf der falschen Seite steht. Trotz aller Muppethaftigkeit steht Dirk Bach nicht da als der legendäre Showmaster Robert aus der „Sesamstraße“. Es genügt schon, wenn der Kandidat erzählt, dass er, seit er vier ist, Leichtathletik betreibt, einzuwerfen: „Ich auch.“ Und als die Kandidaten über die Frage grübeln, wie viele Deutsche schon einmal eine Leiche berührt haben, sagt Dirk Bach: „Ich hab‘ zumindest Ute Ohoven schon einmal die Hand gegeben, ich weiß nicht, ob das zählt.“

Erde an Sender

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

War Reich-Ranickis Fernsehkritik zu pauschal? Es geht auch konkreter: 50 Fragen an das deutsche Fernsehen

Die Debatte, ob das deutsche Fernsehen ein Qualitätsproblem hat, hat ein Qualitätsproblem. Geführt wird sie so, als ginge es darum, sich darüber zu verständigen, ob die Frage mit Ja oder Nein zu beantworten ist – als ob damit irgendetwas ausgesagt wäre. Das liegt nicht zuletzt daran, von wem diese Scheindebatte besonders engagiert geführt wird. Einerseits von Leuten, die nach eigenen Angaben gar kein Fernsehen mehr gucken. Die nicht mehr zu hören brauchen als einen Titel wie „Bauer sucht Frau“, um schon ein Urteil gefällt zu haben. Und andererseits von Programmverantwortlichen, die mit erstaunlicher Offenheit ihre Arroganz demonstrieren: das Qualitätsproblem, das sind die anderen.

Dabei gäbe es genug zu diskutieren. „Voraussetzung eines jeden Qualitätsurteils ist die gründliche Kenntnis seines Gegenstandes“, hat die Jury des Fernsehpreises festgestellt. Und hinzugefügt, sie sei sich sicher, dass die einzelnen Leistungen „in allen in diesem Jahr prämierten Originalbeiträgen leicht erkennbar sind“. Damit könnte man anfangen: die Juroren die preiswürdigen Leistungen im Rahmen der ausgezeichneten Show „Deutschland sucht den Superstar“ erklären zu lassen.

Und für die weitere Debatte hätten wir noch ein paar Fragen:

1 Warum muss Anne Will die Talkshow von Sabine Christiansen auftragen, anstatt das zu tun, was sie so gut kann: Ein Gegenüber in einem konzentrierten Gespräch interviewen?

2 Warum gibt es überhaupt neben den ganzen Talkshows kaum noch Interviewsendungen?

3 Warum ist der Ort, an dem sich Politiker wie Andrea Ypsilanti im Ersten Programm Fragen stellen, Reinhold Beckmanns Küchenpsychologiestudio?

4 Wie konnte aus dem ZDF-„Länderspiegel“, der jahrzehntelang über große und kleine Geschichten aus der Landespolitik berichtete, ein seichtes Magazin mit Boulevardeskem aus der Provinz werden, das alte Beiträge des Magazins für Kontrollfetischisten, „ZDF-Reporter“, recycelt?

5 Ist es nicht erstaunlich, dass das ZDF anstelle eines Nachmittagsmagazins unter dem Titel „Hallo Deutschland“ täglich einen blutrünstigen, voyeuristischen Polizeireport sendet?

6 Warum haben wir sieben Dritte Programme, die alle mit Quiz- und Zoo-Sendungen und Wiederholungen von Seifenopern im Wettrennen um die beste Quote mitmachen, anstatt frei von diesem Druck innovative, ungewöhnliche Nischenprogramme zu entwickeln?

7 Wie konnte es passieren, dass der größte Privatsender Deutschlands, RTL, kein einziges eigenes journalistisches, meinungsbildendes Format in der Primetime hat?

8 Wer käme darauf, dass es sich beim „Aktuellen Sportstudio“ mit dauerjohlendem Publikum und hyperventilierenden Moderatoren um eine Sendung im ZDF und nicht im Privatfernsehen handelt?

9 Nimmt das Verbot von Schleichwerbung im Fernsehen ausdrücklich Thomas Gottschalk aus, der in „Wetten dass?“ gefühlte minutenlang ein Schild hoch hält, auf dem der Name eines Sponsors steht?

10 Welche Strategie bewegt Sat.1 dazu, als Sendeplatz für die Erstausstrahlung der letzten Staffel der sehr anständigen amerikanischen Sitcom „Will & Grace“ samstags um halb fünf zu wählen? (Ja, 4.30 Uhr, nicht 16.30 Uhr.)

11 Inwiefern trägt es zur Zuschauerbindung bei, dass RTL teure amerikanische Serien wie „Dr. House“ kunstvoll in eine solche Reihenfolge bringt, dass Cliffhanger garantiert nicht in der folgenden Woche aufgelöst werden?

12 Von wegen Globalisierung: Warum tauchen im deutschen Fernsehen nie Ausländer auf, außer auf Gottschalks Couch?

13 Und warum warnt keiner die internationalen Stars vor einem Auftritt bei Thomas Gottschalk?

14 Warum ist die Live-Sendung mit ihrer Möglichkeit, dass etwas Unerwartetes passiert, von dem man nicht am Tag zuvor schon in den Zeitungen gelesen hat, so gut wie ausgestorben?

15 Ist die einzige Möglichkeit, in Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ Spannung zu erzeugen, das Ausdehnen des Satzes „Und der Gewinner ist X.“ auf eine halbe Stunde?

16 Warum darf in Deutschland nur ein einziger Mensch (Florian Wieder) die Bühnenbilder von Fernsehsendungen designen? (Es kann doch nicht an seinem Nachnamen liegen.)

17 Wann gibt jemand den dahinsiechenden „Fun-Freitagen“ den Gnadenschuss?

18 Was würde passieren, wenn man Marco Schreyl seine Moderationskarten wegnähme?

19 Warum muss die ARD, um eine junge moderne Serie im Programm zu haben, sie bei RTL einkaufen – wie gerade mit den „Anwälten“ geschehen?

20 Wie dringend hat die Welt auf eine wöchentliche Quiz-Show mit Markus Lanz im ZDF-Hauptabendprogramm gewartet?

21 Warum braucht die ARD einen eigenen Digitalkanal, um ihre Zuschauer nachmittags jenseits der „Tagesschau“ über das Leben außerhalb der deutschen Zoos zu informieren?

22 Wie klug ist es von ARD und ZDF, sich einen Wettstreit um die meisten Box-Übertragungen zu liefern und jeden Kirmes-Boxkampf zum Großereignis hochzujubeln?

23 Das ZDF hat Johannes B. Kerner wirklich aus China einfliegen lassen, um ein Fußball-Testspiel anzusagen? Nicht zu kommentieren: anzusagen?

24 Wäre es nicht schön, wenn ARD und ZDF wenigstens einen Sendeplatz in der Hauptsendezeit hätten, an dem sie gute Spielfilme zeigten? (Das Erste zeigt George Clooneys „Good Night, and Good Luck“ als Premiere an einem Montagmorgen um 0.05 Uhr.)

25 Warum ist es eine so seltene Ausnahme, dass ein Sender wie Pro Sieben an imagefördernden, aber nur mittelerfolgreichen Sendungen wie „Stromberg“ oder „Dr. Psycho“ festhält?

26 Durch welches Missverständnis lässt sich erklären, dass Inka Bause die neue Allesmoderiererin von RTL geworden ist?

27 Wäre es nicht möglich, die Zahl der von den Dritten Programmen zeitgleich ausgestrahlten Talkshows am Freitagabend auf drei zu beschränken?

28 Wird es in absehbarer Zeit wieder Tage geben, an denen Johann Lafer nicht im ZDF zu sehen ist?

29 Wie lässt sich erklären, dass das, was in anderen Ländern „Late-Night-Show“ heißt, bei uns nur „Schmidt & Pocher“ und „TV Total“ bedeutet?

30 Und warum ist alles, was bei Jon Stewart ironisch ist, bei Harald Schmidt gleich zynisch?

31 Wann ist aus dem Genre der Filmkritik im Fernsehen das Versenden von Werbetrailern geworden?

32 Sind N24 und n-tv Nachrichtensender?

33 Und wenn es schon keine Nachrichtensender in Deutschland gibt, die diesen Namen verdienen, könnte es nicht wenigstens Musiksender geben?

34 Wäre der Gedanke völlig abwegig, dass die öffentlich-rechtlichen Boulevardmagazine wenigstens auf den Gebrauch von Paparazzi-Aufnahmen verzichteten?

35 Warum bestehen die „Abenteuer“ des „Alltags“ und des „Lebens“, von denen Kabel 1 täglich berichtet, ausschließlich aus Auswandern, Autotuning und, um es mit dem Titel einer dieser „Reportagen“ auszudrücken, aus „Kochen bis der Arzt kommt“?

36 Könnte nicht wenigstens Roland Heilmann aus der Sachsenklinik mal vorbeischauen?

37 Warum sind alle Fragen, die Fußballspielern nach dem Spiel gestellt werden, noch immer von Heribert Faßbender?

38 Wie kommt das ZDF aus dem Knebelvertrag mit Rosamunde Pilcher wieder raus? Und wie lange wird es der Titelgenerator noch schaffen, sich nicht zu wiederholen („Sieg der Liebe“, „Sommer der Liebe“, „Liebe im Herbst“ etc.)?

39 Warum werden nach Filmen keine Abspänne mehr gezeigt? Gelten dem Fernsehen Schauspieler und Regisseure wirklich so wenig?

40 Warum muss das Wetter von morgen aufgeblasen werden wie der Domino Day? Reicht nicht eine sachliche Ansage, müssen Leute, die nicht wissen, wohin mit ihren Händen, wirklich vor animierten Bildern herumflanieren?

41 Warum sehen die meisten Comedians nur lustig aus?

42 Glaubt wirklich jemand, dass sich hinter dem Pseudonym Atze Schröder ein echter Mensch verbirgt?

43 Wann hören die Call-TV-Moderatorinnen vom DSF auf, sich selbst zu erniedrigen, und ziehen sich bei der Arbeit was über?

44 Warum hat die blonde Moderatorin von „Spiegel TV“ immer schlechte Laune?

45 Warum wird auf Comedy Central jeder Witz todsynchronisiert? Schon mal über Untertitel nachgedacht? Lange genug?

46 Wie sehr schämt sich Günther Jauch heimlich für „Stern-TV“?

47 Will wirklich jemand einen Schwiegersohn wie Florian Silbereisen?

48 Warum dürfen nur fiktionale Figuren im Fernsehen richtig böse sein?

49 Wie ist Sibylle Weischenberg ins Fernsehen gekommen? Und vor allem: Wie kommt sie wieder raus?

50 Veronica Ferres?

stern.de zeigt Dias aus Polympia

Es müssen nicht immer Videos sein. Man kann sich auch mit animierten Standbildern lächerlich machen, wenn die Spezie nur gestählert genug ist — wie uns die Kollegen von stern.de heute beweisen.




(Den Hochglanz, den die ambitionierte Animation der stummen Diashow verleiht, kann ich mit den Screenshots natürlich nicht einmal im Ansatz reproduzieren, also unbedingt im Original anschauen.)

Nachtrag, 20.05 Uhr. stern.de hat die Diaschau, die auf der Startseite von stern.de als „Top-Video“ angepriesen wurde, entfernt. Es handelte sich, wie Ralf Klassen, Digital-TV-Chef von stern.de in den Kommentaren erklärt, nicht um eine Eigenproduktion von stern.de, sondern ein Produkt aus dem Hause dpa — und man wolle es bei dem Experiment belassen.

In anderer Form kann man die Präsentation noch bei der „Allgäuer Zeitung“ bewundern: Hier werden die Texte nicht stumm eingeblendet, sondern in all ihrer Eleganz von einer Sprecherin vorgelesen.

Nächste Woche entdeckt er die Europaflagge

Könnte vielleicht jemand Matthias Heine die Drogen wegnehmen? Oder wiedergeben? In seiner Kolumne in der „Berliner Morgenpost“ schrieb er gestern:

Neulich habe ich bei Ebay meinen gelben Stern bekommen. (…) Ein gelber Stern! Ich gehöre nicht zu denen, die bei so was gleich „Antisemitismus“ schreien und die Nummer der Erregungshotline wählen. Aber ein bisschen doof ist das schon.

Andererseits: Was erwarte ich eigentlich von Leuten, die bei Ebay arbeiten? Das ist ja nicht die Sorte Traumberuf, die man anstrebt, wenn man einigermaßen erfolgreich ein Gymnasium besucht und ein Studium abgeschlossen hat. Sondern ein Job für diejenigen, die bei allen anderen Eignungstests rausgeflogen sind, weil sie dachten, es hätte neben der DDR noch eine BDR gegeben, die von einem „demografisch“ gewählten Bundeskaiser Adolf Honecker regiert wurde. Und in der natürlich alles besser war. In welcher? „Das müsste ich erst mal googeln.“ (…)

(Link unter „gelber Stern“ von mir)

[mit Dank an Tom!]

Nachtrag, 28. August. Ebay-Chef Stefan Gross-Selbeck hat die Glosse „mit Bestürzung und Fassungslosigkeit“ aufgenommen.