Klickstrecken-Innovation bei Spiegel Online

„Spiegel Online“ scheint den Tod von Jörg Haider dafür zu nutzen, eine neue (zumindest mir bisher unbekannte) Form der Klickstrecke auszuprobieren.

Fast sämtliche aktuellen Artikel von „Spiegel Online“ über Haider, insgesamt sechs, tun am Ende so, als würden sie noch weitergehen. Die folgenden Teile sind aber bei allen identisch: Es handelt sich nur um eine Klickstrecke mit Zitaten Haiders.

Konkret sieht das so aus (beachten Sie die jeweils wechselnde Überschrift des ersten „Teils“):






Womöglich lohnt sich das zur Aufblähung der Klickzahlen schon durch die Zahl der Leser, die nur versehentlich darauf klicken, weil sie denken, der eigentliche Artikel gehe noch weiter.

[via Jörg-Olaf]

Vorschlag zur Güte

  • Marcel Reich-Ranicki verspricht, keine weiteren Interviews zum Thema Fernsehen mehr zu geben.
  • Die Fernsehverantwortlichen versprechen, keine Varianten der Aussage „Natürlich gibt es ein Qualitätsproblem — bei den anderen“ mehr zu wiederholen.
  • Wir versprechen, am Freitagabend die Sendung „Zwei Blinde reden über die Farbe“ „Aus gegebenem Anlass“ zu gucken.
  • Und gehen spätestens am Sonntagmittag wieder zur Tagesordnung über.

(Ach, und falls Sie sich fragen, wie ein Medium wie sueddeutsche.de, das sich mit Qualität ja auskennt wie kaum ein zweites, eine solche Qualitätsdebatte aufgreift — exakt so, wie Sie sich das denken würden.)

Q.e.d.

RTL hat die Fernsehpreis-Kritik von Marcel Reich-Ranicki als „respektlos und indiskutabel“ bezeichnet. Sendersprecher Christian Körner sagte: „Es wird keine Sendung für Pauschalkritik bei uns geben, in der sämtliche Programme und damit ihre Macher und die Zuschauer gleich mit für blödsinnig erklärt werden.“

Der größte deutsche Privatsender selbst wirbt für seine eigene Berichterstattung über das Thema in seinem Newsletter, den er per E-Mail verschickt, unter folgender Betreffzeile:


Skandal beim Fernsehpreis: Wer kam ohne BH?

Programmhinweis (22)

Unter dem Titel „Mehr Klicks … mehr Qualität?“ veranstaltet der Deutsche Journalistenverband am kommenden Samstag, 18. Oktober, zum vierten Mal seine Tagung „Besser Online“, diesmal in Hamburg. Es sind viele interessante Leute dabei, u.a. die Chefredakteure von „Spiegel Online“, „Focus Online“ und tagesschau.de und die stellvertretende Chefredakteurin von „RP Online“, es gibt eine bestimmt kontroverse Diskussion zwischen Lutz Tillmanns, dem Geschäftsführer des Deutschen Presserates, und mir — und am Ende darf ich sagen, wie es war (und wie es wird).

Besser Online: Programm, Anmeldung.

Was man nicht mit dem Zweiten sieht

Ich habe dann noch eine Frage zu dem Fernsehpreistheater am Wochenende.

Das ZDF hat aus der Preisverleihung am Samstag größere Teile herausgeschnitten, zum Beispiel eine nach übereinstimmenden Augenzeugenberichten furchterregende Sketcheinlage von Johann Lafer und Horst Lichter und eine ganze Serie von lustig nur gemeinten Einspielfilmen (ausführlicher haben das die Kollegen von DWDL festgehalten). Das war natürlich im Sinne der Fernsehzuschauer, die so eine bessere und kurzweiligere Show sahen als die Gäste im Saal und geht insoweit völlig in Ordnung. Nur bezog sich der Wutausbruch von Marcel Reich-Ranicki ja gerade auf die Zumutungen dieser Preisverleihung. Offensichtlich waren sie es, die seine Ungeduld und Empörung auslösten, nicht der allgemeine Zustand des Fernsehens. Aber einen erheblichen Teil der Längen und Peinlichkeiten, die Reich-Ranicki ertragen musste, bekam der Zuschauer gar nicht zu sehen. Das ZDF zeigte die Wirkung, aber nicht die Ursache. Ein ehrliches Urteil darüber, ob sein Wutausbruch berechtigt war, kann das Publikum zuhause nicht fällen.

Mir ist schon klar, dass das im konkreten Fall keine dramatischen Folgen hat (und, nein, ich möchte gar nicht sehen, was Lafer und Lichter da vorgeführt haben). Es ist eher eine akademische Frage, die aber vielleicht nicht ganz irrelevant ist, wenn plötzlich eine Grundsatzdebatte über die Qualität des Programmes geführt werden soll: Ist es nicht merkwürdig, mit welcher Selbstverständlichkeit wir es hinnehmen, dass uns das Fernsehen etwas vormacht und ohne Not ein falsches Bild von der Wirklichkeit zeichnet?

Pastewka widerspricht Reich-Ranicki

Elke Heidenreich ist nicht die einzige, die bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises war und sich geärgert hat. Auch Bastian Pastewka hat sich geärgert — aber über den Auftritt von Marcel Reich-Ranicki.

In einem Gastkommentar auf fernsehlexikon.de bedauert er, dass die Sender überlegen, die „Fehlleistung“ des Literaturkritikers auch noch mit einer eigenen Sendung zu belohnen.

Bastian Pastewka: Keine Sendung für Marcel Reich-Ranicki!