Süddeutsche Zeitung
Eine interne Präsentation zeigt: Die neue ZDF-Comedy-Show von Florian Schroeder will vor allem Satire gegen Grüne und Linke machen.

Florian Schroeder (Foto: ZDF)
Man kann Florian Schroeder nicht vorwerfen, dass seine Pointen zu filigran gestrickt sind. In einem Video, das der Satiriker auf Youtube veröffentlicht hat, bezeichnet er die Berliner Linke als „deutschen Ableger der Hamas“. Das passe auch insofern ganz gut, „als man Berlin den Gazastreifen der deutschen Kommunalpolitik nennt“. Er korrigiert sich: „Das ist vielleicht ein bisschen unfair gegenüber dem Gazastreifen.“
Einen Interview-Ausschnitt der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp äfft er mit Hitler-Stimme nach: „Da wird also ordentlich vergesellschaftet – bis die Spekulanten weg sind!“ Und fügt hinzu: „Wenn ich mir die Linke in Berlin so angucke, ist die Gefahr groß, dass zum ersten Mal seit langer Zeit erst mal wieder Juden enteignet werden. Und da muss man gar nicht viel spekulieren.“ Der Hinweis, die Linke könne sich von der organisierten Kriminalität nicht distanzieren, denn sie sei die organisierte Kriminalität, rundet das Pointenfeuerwerk ab.
Schroeder steht seit vielen Jahren als Kabarettist auf der Bühne, hatte zahlreiche Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und ist regelmäßig auf ARD-Radiowellen zu hören. Gemeinsam mit seinem zeitweiligen Podcastpartner Serdar Somuncu produzierte er schon einige Aufreger, aber er wirkt politisch weniger polarisierend als seine Kollegen Jan Böhmermann und Dieter Nuhr.
Das könnte sich jetzt ändern, und vielleicht ist das aktuelle Video mit der hemmungslosen Beschimpfung der Berliner Linkspartei schon ein Zeichen dafür, dass Schroeder die Betriebstemperatur gezielt erhöht. Ende Oktober bekommt er für zunächst vier Ausgaben eine neue Show im ZDF. Sie heißt „Journal Deluxe“, was klingt, als hätte man den Titel von Böhmermanns „Magazin Royale“ so wenig wie möglich variieren wollen. Das wird zum Ende des Jahres eingestellt, so dass es wirkt, als könnte Schroeders Show dessen Nachfolger werden – auch wenn das ZDF auf Anfrage mitteilt: „Dass der Start der Sendung und das Ende einer anderen zeitlich so nah beieinanderliegen, steht in keinem ursächlichen Zusammenhang.“
Schroeder selbst sagt in einem Youtube-Video, er sei von vielen Leuten gefragt worden, ob es stimme, dass er jetzt der Nachfolger „von diesem unangenehmen … diesem Schwätzer“ werde – um dann zu witzeln: Ja, er werde Nachfolger – von Schlagermoderator Florian Silbereisen. Wie gesagt: Man kann ihm nicht vorwerfen, dass seine Pointen zu filigran gestrickt sind.
Das ZDF behauptet in der Sendungsbeschreibung, Schroeder werde „als präziser Beobachter und schlagfertiger Kommentator die Gegenwart sezieren“: „Substantielle Satire trifft Leichtigkeit und spielerische Konfrontation mit unterschiedlichen Gästen.“ Das klingt harmlos, aber tatsächlich ist die Sendung als politisches Kontrastprogramm geplant – passend zum sich drehenden Wind in Deutschland.
Der Süddeutschen Zeitung liegt ein ausführliches Konzept für die Sendung vor, das aus dem Februar 2026 stammt. Es soll von Schroeder selbst, Wolfgang Link von der Produktionsfirma Tokara Media und einem ZDF-Redakteur verfasst worden sein. „Wie üblich, wurde es im Laufe der Zeit weiterentwickelt“, teilt das ZDF mit. Es dient aber auch aktuell offenbar noch als Grundlage für die Planung.
In der Präsentation heißt es: „Die Show versteht sich als Contrapunkt zu allen gängigen Comedy-Formaten und setzt an bei der Kritik an denen, die sonst selten kritisiert werden: Grüne, Linke und Co. Allerdings nicht aus einem reaktionären, sondern einem böse-ironischen Blickwinkel der eigenen ‚Hood‘ gegenüber, was umso mehr Spaß ermöglicht.“ Als ein Vorbild wird die amerikanische HBO-Show „Real Time with Bill Maher“ genannt. Maher ist ein meinungsstarker Moderator mit libertären Tendenzen, der sich als Stimme der Vernunft gegen den angeblichen Wahnsinn auf beiden politischen Seiten inszeniert, nicht zuletzt alle Formen von „Wokeness“ und „Political Correctness“.
Schroeder wird in der Präsentation als „angstfrei, interessiert, meinungsstark und cool“ bezeichnet. Er kommentiere die aktuellen Kulturkämpfe „mit spielerischem Sarkasmus“. Offenbar als Beleg dafür steht an dieser Stelle ein Zitat: „Viele sagen, dass der Kampf gegen rechts vergeblich ist. Dabei gibt es auch Erfolge: die LINKEN beweisen, man muss kein Nazi werden, um Antisemit zu sein.“
Es soll einen Stand-up geben, einen ausführlichen Talk mit einem Gast, eine längere Auseinandersetzung zu einem Thema mit Clips, Grafiken und Pointen am Tisch, ein Gesprächspanel und eine Rubrik für Medienkritik. Als ein Beispielthema nennt das Papier die Frage, warum Nichtregierungsorganisationen (NGOs) überhaupt vom Staat finanziert werden: „Ist NGO die Abkürzung für Nur vom Geld der Obrigkeit?“ Ein anderes Thema wäre „die Linke und der Iran“: „Wo bleiben die Proteste? Segelt ‚Queer for Iran‘ gerade in den GAZA-Streifen und hat keinen Empfang?“
Als mögliche Gäste für den Talk zählt das interne Dokument unter anderem auf: AfD-Chefin Alice Weidel, Welt-Mann Ulf Poschardt, Tech-Milliardär Peter Thiel, Russland-Apologetin Gabriele Krone-Schmalz, Jette Nietzard von der Grünen Jugend.
Die Sendung soll vor allem über den ZDF-Satire-Kanal auf Youtube verbreitet werden. „Wir erwarten uns durch stetige Ausspielung der einzelnen Sendungselemente zusätzlich die Erschließung bisher ZDF-ferner Zielgruppen.“
Der „öffentlich-rechtliche Mehrwert“ der Sendung bestehe unter anderem in der „Diskurserweiterung“, dem „Perspektivwechsel“ und dem Öffnen von „Echokammern“. Zu den Zielgruppen der Sendungen gehören laut der Präsentation nicht nur „politisch interessierte Youtube-Nutzer“ und „jüngere News-Interessierte“, sondern auch „Vermeider des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks“.
Dessen Gegner wie das rechtspopulistische Nius von Julian Reichelt haben schon wohlwollend bemerkt, dass sich das neue Format offenbar von Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ abgrenzen soll, und den vom ZDF in der Programmankündigung genannten Beispielwitz notiert: „Wo stellen Grüne die Brandmauer hin, wenn der Handwerker AfD-Sympathisant sei?“
Schroeder selbst ist sicher kein Rechtsaußen und zieht sich regelmäßig den Zorn dieser Blase zu. Er ist vor zwei Jahren in Reichelts Format gegangen, um ihn mit seiner Kritik an seinen Methoden zu konfrontieren. Er verkaufte es hinterher als „ultimativen Showdown“.
Zu seiner neuen Sendung lässt er sich vom Sender mit den Worten zitieren: „Es erwartet uns eine neue Satirefarbe, die es so bisher nicht gibt. Eine, die liberaler ist, eine die keine Scheuklappen aufsetzt, eine die neue Stimmen zu Wort kommen lässt und selbst eine neue Stimme ist.“ Wenn man die Präsentation kennt, ist es leicht, das Wort „liberaler“ schlicht mit „rechter“ zu übersetzen – insbesondere angesichts der erstaunlichen Diagnose, „Grüne, Linke & Co.“ würden „sonst selten kritisiert“.
Gegen den Vorwurf politischer Einseitigkeit hat das ZDF im vergangenen Jahr bereits dem konservativen Kolumnisten Jan Fleischhauer eine Talkshow gegeben. Die ARD hat zum selben Zweck Julia Ruhs für ein politisches Magazin engagiert.
In Schroeders Show-Konzept steht noch folgender Beispielwitz über den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang des Jahres: „Waren es die Linken? Seit wann können Linke was mit Ihren Händen anstellen, was fucking close to work ist?“
Wie gesagt: Filigranes Comedy-Handwerk sollte man nicht erwarten. Aber Hauptsache die Stoßrichtung stimmt.